DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

 

Sonntag, 26.10.2014

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden

Christian Wulff: Alt-Bundespräsident sucht neue Aufgabe – seine Zukunft hängt aber ein Jahr nach dem Rücktritt von der Justiz ab

Das Leben nach der Niederlage

Von unserem Korrespondenten Rudi Wais

Vor einem Jahr: Christian und Bettina Wulff verlassen nach der Rücktrittserklärung des Bundespräsidenten Schloss Bellevue.

© dpa

Berlin. Es gibt ein Leben nach der Niederlage - und Christian Wulff weiß schon, wie es im Idealfall aussieht. US-Präsident Jimmy Carter, zum Beispiel, war nur ein paar Jahre älter als er sein Amt 1981 an Ronald Reagan verlor. Danach gründete der Erdnussfarmer aus Georgia ein Zentrum für Menschenrechte, engagierte sich in der Entwicklungspolitik, als Wahlbeobachter in Lateinamerika sowie als Vermittler im Bosnien-Konflikt und in Haiti. 2002 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Tolle Jahre habe Carter nach seiner Zeit als US-Präsident noch gehabt, hat Wulff anerkennend gesagt - und gleich einschränkend hinzugefügt, er selbst müsse seine Rolle als Alt-Bundespräsident natürlich noch finden, er stecke da gerade "in der Lernphase". Im Juni wird er 54, er ist freier denn je, er hat jede Menge Zeit. Soll er sich in den politischen Vorruhestand verabschieden, auch wenn der mit 217 000 Euro brutto im Jahr verführerisch gut dotiert ist?

Er hat jetzt eine Menge Zeit

Am Sonntag jährt sich der Rücktritt des zehnten Bundespräsidenten zum ersten Mal. Passend dazu hat die Staatsanwaltschaft Hannover in dieser Woche angekündigt, dass sie ihre Ermittlungen gegen Wulff und seinen früheren Sprecher Olaf Glaeseker demnächst abschließen wird. In beiden Fällen geht es um Reisen auf Kosten anderer - und beide hoffen, dass die niedersächsische Justiz ihre Verfahren wegen des Verdachts auf Vorteilnahme beziehungsweise Bestechlichkeit einstellt. Dann, so kalkuliert Wulff, kommen die Einladungen zu Vorträgen, zu Podiumsdiskussionen und internationalen Konferenzen wie von selbst. In die Tagespolitik allerdings will er sich das ehemalige Staatsoberhaupt nicht mehr einmischen. Diesem Thema hat er im Herbst bei einem seiner seltenen Auftritte an der Heidelberger Universität gesagt, habe er "auf absehbare Zeit entsagt".

Von hundert auf null in nicht einmal einem Jahr: Selten hat sich Privates und Politisches in Deutschland zu einer derart gefährlichen Melange vermengt wie im Fall Wulff, der mit einigen Fragen über die Finanzierung seines Eigenheims begann und im Verlust seines Amtes und der Trennung von seiner zweiten Ehefrau Bettina auch im persönlichen Scherbenhaufen endete. Seit einem Monat wohnt Wulff jetzt wieder alleine, im Dachgeschoss eines grauen Altbaus in Hannover-Waldhausen, nur ein paar Gehminuten von der Villa des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder entfernt. Öffentlich aufgetreten ist Wulff seitdem nicht mehr, eines der seltenen aktuellen Bilder allerdings zeigt einen Alt-Bundespräsidenten, der nicht mehr ganz so verbittert und verhärmt wirkt wie zuletzt. Dem auch mal wieder ein leises Lächeln über die Lippen huscht.

Während Bettina Wulff sich auf ihre Kernkompetenz als PR-Fachfrau besonnen und den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat, deutet sich sein Aufgabenbereich erst in Umrissen an. Nachdem er im Oktober am Comer See bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema Integration aufgetreten ist, hält sich in Berlin das Gerücht, Wulff wolle sich auch in Zukunft um das Thema kümmern, das er als Präsident mit einem Satz zu seinem gemacht hat: "Auch der Islam gehört zu Deutschland."

Mit seinem guten Draht zum türkischen Präsidenten Abdullah Gül könnte er als eine Art Moderator fungieren. Wulff war es, der als Ministerpräsident in Niedersachsen die erste türkischstämmige Deutsche zur Ministerin gemacht hat. Wenn er sich auch in Zukunft mit Integrationsfragen beschäftigen wolle, verspricht Kenan Kolat, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, "bekommt er von uns viel Unterstützung".

Das Modell Carter wird aber, wenn überhaupt, nur funktionieren, wenn die Staatsanwaltschaft in Hannover die Ermittlungen gegen ihn einstellt.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 15.02.2013
  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden
 
 
TICKER

Das Wetter in der Metropolregion

Mannheim - Prognose für 6 Uhr

11°

Das Wetter am 26.10.2014 in Mannheim: bedeckt
MIN. 10°
MAX. 18°
 
 
 

Jeder für sich

Detlef Drewes über den EU-Gipfel: Die 28 Staats- und Regierungschefs konnten sich nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen [mehr]

Die Ukraine wählt

Politik

Ukrainischer Präsident ruft zur Wahl eines EU-Kurses auf

Kiew (dpa) - Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat vor der Parlamentswahl an diesem Sonntag noch einmal eindringlich für einen proeuropäischen Kurs des Landes geworben. Sein Programm sichere die Einführung von EU-Standards und einen würdigen Platz der Ukraine in der Welt, sagte… [mehr]

Kontakt zur Politik-Redaktion

Telefon: (ab 14 Uhr) 0621/392 13 32
Fax: 0621/392 14 90

Schreiben Sie uns eine E-mail!

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR