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Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele: Sie unterstützt den Präsidentschaftswahlkampf

Diese Frau will Hillary Clinton ins Weiße Haus bringen

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 21.01.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Melanie Ahlemeier

"Ich bin bereit für Hillary": Kommunikationsexpertin Andrea Römmele will den Wahlkampf der möglicherweise ersten US-Präsidentin vor Ort aufmischen.

© Rinderspacher

Mannheim. Der US-Wahlkampf ist eine haarige Angelegenheit - nicht erst, seit Milliardär und Immobilientycoon Donald Trump für die Republikaner ins politische Geschehen eingegriffen hat. Andrea Römmele, Mannheimerin, Politikprofessorin und Direktorin an der Hertie School of Governance in Berlin, wird das Ringen ums Weiße Haus hautnah miterleben: Sie unterstützt Hillary Clinton und deren Wahlkampfteam.

Die Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit der Kandidatin für die demokratische Präsidentschaftsnominierung ist schon jetzt riesig. "Amerika war immer mein großer Traum", sagt Römmele. In Berlin hat sie schon einmal mit Hillary Clinton diskutiert. Zwar hat sie die ehemalige US-Außenministerin dabei noch nicht wirklich persönlich kennengelernt ("Wir haben noch keinen Tee zusammen getrunken"), aber das ist schließlich nur eine Frage der Zeit. Kurz vor Ostern startet die 48-Jährige erstmals für die "Mission Hillary" Richtung USA, um bei den Vorwahlen dabei zu sein. Mehrere Aufenthalte und Wochen wird Römmele mit dem Clinton-Team in der Wahlkampfzentrale in Brooklyn verbringen, die politischen Diskussionen beobachten und analysieren. Im Laufe des Spätsommers will die Politikwissenschaftlerin die heiße Wahlkampfphase dann direkt an der Seite Clintons erleben - in den sogenannten Swing States, in denen völlig offen ist, ob der Kandidat der Demokraten oder der Republikaner das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur gewinnen wird.

Hillary Clinton hat nicht die schlechtesten Chancen, als erste Frau Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Was verspricht sich die 68-Jährige davon, wenn sie eine deutsche Politikwissenschaftlerin und Kommunikationsexpertin in ihr Team holt? "Die Amis gucken sich einiges von uns ab", hat Römmele festgestellt. Was zum Beispiel? "Obama hat 2012 viel mit direkter Kommunikation gemacht", bilanziert Römmele. Junge und zumeist gekaufte Kräfte seien rausgegangen und hätten mit den Wählern gesprochen - "das ist das, was bei uns die Parteibasis macht". Und wie genau will sie Clintons Siegchancen steigern? "Ich schaue Hillary über die Schulter, um zu gucken, was geht", umschreibt Römmele ihren neuen Job.

  • Andrea Römmele wurde 1967 in Stuttgart geboren.
  • In Heidelberg und Berkeley (Kalifornien) studierte sie Politikwissenschaften.
  • 1994 promovierte Römmele an der Universität Heidelberg, 2001 habilitierte sie sich an der Freien Universität Berlin.
  • Von 1995 bis 2006 lehrte und forschte Römmele am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung. 2010 wechselte die Politikwissenschaftlerin nach Berlin an die Hertie School of Governance, an der sie Direktorin ist.
  • Römmele kommentiert das Thema Wahlen für die ARD.
  • Die Politikwissenschaftlerin lebt mit ihrer Familie in Mannheim. tö

In Deutschland berät die Politikwissenschaftlerin Unternehmen und Parteien, in den Clinton-Wahlkampf investiert sie ein Freisemester. Über ihre Erfahrungen im US-Wahlkampf will die Mutter von zwei Kindern im Teenager-Alter ein Buch schreiben. Gute Beziehungen zur Bundesregierung machen das Jobhopping möglich.

Für Römmele ist es nicht der erste US-Wahlkampf aus nächster Nähe. Schon 1996 war sie, damals auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung, vor Ort dabei. Auch damals hieß der Kandidat der Demokraten Clinton- Bill Clinton. Und Hillary? Zog mit ihrem Ehemann ins Weiße Haus - als First Lady. Auch 2012 wählten die Amerikaner den Präsidenten neu, und Römmele verbrachte gerade als Fulbright-Stipendiatin ein Freisemester an der University of California in Santa Barbara. "Wir sind hier in den Flieger gestiegen, und ich habe gedacht: Wie toll ist das denn? Jetzt bin ich als Politikwissenschaftlerin mal den ganzen Wahlkampf über in den USA." Doch die Vorfreude verflog schnell. Die vierköpfige Familie Römmele/Hesse saß im sonnigen Kalifornien - was kein Swing State war. Somit blieb der Kommunikationsexpertin nur die Ferndiagnose via TV.

Vom "US-Virus erwischt" wurde Römmele als Jugendliche. Später, während ihres Politikstudiums, verbrachte sie drei Jahre in den USA. Im Sommer 1989 zog sie nach Berkeley an die Westküste. "Das war eine tolle Zeit", blickt Römmele zurück. Leider gab es damals noch kein flächendeckendes Internet, stattdessen aber hohe Telefongebühren. Und dann fiel auch noch die Mauer. Dieses historische Ereignis hätte Römmele gerne in Deutschland miterlebt. "Meine Studienfreunde aus Heidelberg sind alle nach Berlin gegangen." Wenigstens schickten sie Postkarten.

Das Abtauchen in den US-Wahlkampf, das Dabeisein, wenn Clinton um Wählerstimmen buhlt - Andrea Römmele bleibt trotz der Abwechslung vom Wissenschafts-Alltag analytisch. "Das sind tolle Ausflüge, die mir für meine Wissenschaft viel bringen, aber mein Hauptjob bleibt die Uni", erläutert die Professorin. Schon vor dem Start ihrer US-Tour zieht die Expertin ein Fazit für die deutsche Politik: "Wahlkampf ist eine Profession geworden. Und Wahlkampf kann man nicht vom Kreistagsabgeordneten entwickeln lassen, das bringt nichts." Die Amerikaner seien fit in der Entwicklung von Botschaften. "Diese Botschaft muss getestet werden. Das könnten sich die Deutschen von den Amerikaner abschauen: Was funktioniert, was funktioniert nicht? Womit kann man punkten? Wer ist wie erreichbar?" Politische Kommunikation, erläutert die Kommunikationsexpertin, sei in Wahlkampfzeiten besonders gut sichtbar und studierbar.

Da wird selbst Trumps Betonfrisur zum Politikum.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 21.01.2016
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