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Soziales: In manchen Berufsgruppen liegt der Anteil bei 60 Prozent

Frührentner verzichten auf fast 110 Euro

Archiv-Artikel vom Freitag, den 01.02.2013

Berlin. Die Zahl der Frührentner, die Abschläge in Kauf nehmen, ist auf einen Rekordstand geklettert. Wegen der Aussicht auf einen vorgezogenen Ruhestand? Oder wegen des Drucks, erschöpft vom Stress im Job früher aufhören zu müssen? Der Rentenversicherung zufolge muss die Frage offenbleiben, wer gezwungenermaßen und wer freiwillig vorzeitig die Arbeit quittiert. Viele Betroffene waren vorher krank oder arbeitslos. Andere stehen finanziell so gut da, dass sie sich den vorzeitigen Abschied aus dem Arbeitsleben leisten können. Laut Statistik haben die Frührentner im Schnitt besser als der Durchschnitt verdient. Viele haben aber auch ausreichend geerbt.

Von den knapp 700 000 Neurentnern bekam knapp die Hälfte - fast 337 000 - wegen vorzeitigen Rentenbezugs nicht das volle Ruhegeld. 2002 waren es erst 248 000. Männer nahmen für den Vorruhestand Abschläge von im Schnitt 107,40 Euro in Kauf, bei Männern und Frauen zusammen liegt der Abschlag bei 109,15 Euro. Das geht aus Zahlen der Deutschen Rentenversicherung hervor, über die zuerst die "Süddeutsche Zeitung" (Donnerstag) berichtete.

Der Anteil der Frührentner an allen Vorruheständlern kletterte binnen Jahresfrist von 47,5 auf 48,2 Prozent. 2005 waren es erst 41,2 Prozent. Grund für die Zunahme der Rentner mit Abschlägen sind ausgelaufene Vertrauensschutzregelungen.

Die Frührentner kamen aus allen Branchen. In 23 von 39 ausgewählten Berufsgruppen lag ihr Anteil bei mehr als 60 Prozent. Im Gesundheitswesen waren es beispielsweise 64,1 Prozent, geht aus Daten der Rentenversicherung und des Bundesarbeitsministeriums hervor, die der Rentenexperte der Linkspartei, Matthias Birkwald, erfragt hatte.

Arbeitgeber bestreiten Trend

Die Frühruheständler erhielten im Schnitt 811 Euro Rente, sie schieden 36,25 Monate früher als gesetzlich vorgesehen aus dem Berufsleben aus. Das Renteneintrittsalter lag 2011 im Schnitt bei 63,5 Jahren, im Jahr 2000 bei 62,3 Jahren.

Nach Feststellung des Arbeitgeberverbands BDA gibt es keinen Trend zur Frührente. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter von 63,5 Jahren sei der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Frührentner seien 2011 später in Rente gegangen als 2010: im Durchschnitt 36 statt wie zuvor 38 Monate vor Erreichen der Regelaltersgrenze. Das sei der niedrigste Stand seit 2003. dpa

© Mannheimer Morgen, Freitag, 01.02.2013
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