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        Gefundenes Fressen

Von Madeleine Bierlein

Madeleine Bierlein

© red

Pferdefleisch gilt aufgrund seines würzigen Geschmacks vielerorts als Delikatesse. Außerdem enthält es wenig Fett und kaum Cholesterin, ist also vergleichsweise gesund. Trotzdem steht Pferdehack zurzeit im Zentrum eines neuen Lebensmittelskandals, dessen Ausmaß noch immer nicht in vollem Umfang bekannt sein dürfte. Das Problem ist allerdings nicht, dass Pferdefleisch in den Handel gelangte, sondern dass es als Rind gekennzeichnet war und zumindest ein Teil der Ware Rückstände von Medikamenten enthielt.

Bei der falschen Etikettierung handelt es sich nicht etwa um ein Kavaliersdelikt, sondern um massive Verbrauchertäuschung. Die Konsumenten müssen sich darauf verlassen können, dass im Essen steckt, was auf der Verpackung steht. Schuld am Skandal sind aber nicht nur diejenigen, die das falsche Etikett auf die jeweiligen Chargen geklebt haben. Schuld trägt auch ein System, das mit seinen verschlungenen Lieferwegen im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen für kriminelle Machenschaften ist.

Bis das Schlachttier eines rumänischen Bauern schließlich als Fertiggericht in einem deutschen Supermarkt landet, hat es vier bis fünf Stationen - darunter Lieferanten und Verarbeitungsbetriebe - passiert. Dass das letzte Glied dieser Kette nicht weiß, was es da eigentlich verkauft, scheint offensichtlich.

Doch warum so viele Zwischenhändler? Zumindest diese Frage lässt sich leicht beantworten: wegen des Preises. Eine Tiefkühllasagne - also ein energiereiches Hauptgericht - gibt es beim Discounter bereits für 1,25 Euro. Derartige Dumping-Preise lassen sich nur mit Massentierhaltung, Massenschlachtungen und Massenverarbeitung erreichen. Importeure sind darauf angewiesen, an möglichst günstiges Fleisch zu kommen. Das kann an einem Tag aus Rumänien stammen, am nächsten aus Irland und am dritten aus Spanien. Die Folge: In einem Tiefkühlgericht findet sich mitunter Fleisch von zahlreichen Tieren aus verschiedenen Ländern. Gläserne Produktion sieht anders aus.

Sicher, der Gesetzgeber sollte verlangen, dass jedes Nahrungsmittel eindeutig zurückverfolgt werden kann. Aber solange der Verbraucher zu Billigstprodukten greift, trägt auch er eine Mitschuld. Für 1,25 Euro lässt sich nun mal keine gesunde, unproblematische Mahlzeit zubereiten. Gesetze hin oder her.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 15.02.2013
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