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Hollande in der Krise

Von Birgit Holzer zur trüben Laune vieler Franzosen am Nationalfeiertag und dem Versuch ihres Präsidenten, mit einem TV-Auftritt gegenzusteuern

Wenn die Franzosen in diesen Tagen in fast zweimonatige Sommerferien aufbrechen, sind die letzten Eindrücke des politischen Treibens, die sie mitnehmen, essenziell. Denn über sie wird bei den ausgedehnten Familienessen debattiert: eine Tatsache, der sich François Hollande offenbar bewusst ist. Zum gestrigen Nationalfeiertag versuchte der Präsident einmal mehr, seine Landsleute davon zu überzeugen, dass er durchaus einen Kurs hat. Seine Beliebtheitswerte sind indes auf einen neuen Tiefstand von 30 Prozent gesunken.

Zwei Journalisten befragten ihn live im Elysée-Palast - ein Bruch seines Wahlversprechens, nicht von seinem Amtssitz aus zu den Franzosen zu sprechen. Doch Hollande wählt das repräsentative Dekor bewusst für dieses "Rendez-vous" mit den Franzosen: Er will damit seine Rolle als Staatsmann bekräftigen.

Hatte Nicolas Sarkozy auf diese Tradition verzichtet, um mit alten Gebräuchen der Republik zu brechen, so will Hollande in erster Linie mit Sarkozy brechen. Dieser droht ihm gefährlich zu werden, da er sein Ziel nicht mehr länger versteckt, 2017 den Élysée-Palast erneut zu erobern. War Hollande dank einer massiven Ablehnung Sarkozys überhaupt erst gewählt worden, so überflügelt ihn sein Vorgänger, der immerhin Dynamik ausstrahlt, wieder in Umfragen.

So beging Frankreich seinen Nationalfeiertag mit trüber Laune, passenderweise wurde das Budget für die traditionelle Militärparade um zehn Prozent gekürzt. Die massiven Steuererhöhungen, die Pläne einer Rentenreform, die miesen Wirtschaftsaussichten sorgen die Bürger. Seit Ende 2012 ist das Land in die Rezession gerutscht, die Arbeitslosigkeit dürfte bis Jahresende elf Prozent erreichen. Viel zu tun für François Hollande.

© Mannheimer Morgen, Montag, 15.07.2013
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