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Katholiken: ZdK-Präsident Alois Glück nennt seine Erwartungen an den nächsten Papst

„Mehr Befugnisse für Bistümer“

Von unserem Redaktionsmitglied Stephan Töngi

ZdK-Präsident Alois Glück trifft Papst Benedikt XVI. 2011 in Freiburg. In der Mitte Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

© dpa

Mannheim. Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), erwartet vom nächsten Papst, dass er "die innere Lebendigkeit der Kirche" stärkt.

Was war Ihr erstes Gefühl, als Sie von der Rücktrittsankündigung des Papstes hörten?

Alois Glück: Totale Überraschung, aber auch volles Verständnis und großer Respekt für eine so mutige und souveräne Entscheidung.

Alois Glück

  • Alois Glück (73) führt das Zentralkomitee der deutschen Katholiken seit November 2009.
  • Zuvor hatte der gebürtige Oberbayer eine erfolgreiche Karriere in der CSU und im Landtag beendet:
  • 1970-2008 Landtagsabgeordneter
  • 1986-1988 Staatssekretär für Umweltfragen
  • 1988-2003 CSU-Fraktionschef
  • 2003-2008 Landtagspräsident.

Was schätzen Sie an Benedikt?

Glück: Nach dem großartigen charismatischen Johannes Paul II. hat er das Papstamt ganz anders lebendig gehalten. Benedikt ist vor allem der Papst der geistlichen Botschaft. Manches von dem, was er in seinen Enzykliken geschrieben hat, wird erst später ganz erfasst werden und weiterwirken durch die Kraft seines Denkens und seiner Worte.

Wo sehen Sie Defizite?

Glück: Benedikt ist nicht so sehr der Mann für die Spitze einer Institution. Daher war es für ihn der schwierige Teil seines Amtes, die Kurie zu führen, was deren Eigenleben eher begünstigt hat.

Sie haben in einem Buch gefragt, warum in der Kirche eine so große Angst vor Veränderungen herrsche. Haben Sie eine Antwort?

Glück: Man kann den Eindruck gewinnen, dass Benedikt XVI. im Laufe der Jahre pessimistischer gegenüber der Kirche und der Welt geworden ist. Innerkirchlich hat er eben auch Erfahrungen mit Verfehlungen und Sünde gemacht.

Hatten Sie sich gerade vom deutschen Papst Fortschritte gegenüber den protestantischen Kirchen erhofft?

Glück: Mir war klar, dass wir keine großen Reformschritte erwarten durften. Wobei die Bereitschaft zu Veränderungen nicht nur eine Angelegenheit der katholischen Kirche ist. Papst Benedikt war stark auf die Ökumene mit den orthodoxen Kirchen ausgerichtet. Mit der russischen Kirche war ihm Vieles möglich, was seinem Vorgänger versagt blieb.

Geht den deutschen Katholiken durch Benedikts Abgang etwas verloren?

Glück: Wenn ein Papst aus Deutschland stammt, ist das schon eine prägende Besonderheit. Das gibt einen stärkeren Bezug zur Dimension Weltkirche. Aber die Kirche in Deutschland war vor diesem Papst und wird auch nach ihm ein lebendiger Teil der Weltkirche sein.

Was sollte der nächste Papst als Erstes anpacken?

Glück: Entsprechend den Ergebnissen des II. Vatikanischen Konzils die Befugnisse der Bistümer gegenüber dem Vatikan vergrößern. Andernfalls kann sich die Weltkirche angesichts der unterschiedlichen Kulturen und Probleme bei den Menschen nicht entsprechend verständlich machen. Es geht um die innere Lebendigkeit der Kirche.

Woran denken Sie speziell?

Glück: Zunächst an die Seelsorge bei Jugendlichen oder Geschiedenen, die wieder geheiratet haben. Es geht nicht darum, Glaubenswahrheiten zu ändern, sondern Menschen zu dienen und ihnen zuzuhören. Das ist wichtiger als alle Ämter und Strukturen.

Ist es dazu nötig, aus einem bestimmten Erdteil zu kommen?

Glück: Nein. Wichtig sind Prägung und Erfahrung, denn auch ein Papst bringt seinen eigenen Lebensweg mit. Aber es wäre ein Signal an die Weltkirche, wenn der nächste Papst kein Europäer wäre. Vor allem sollte er aber Zugang zu den Menschen der heutigen Zeit haben und eine gewisse Internationalität mitbringen.

Wünschten Sie sich einen Reformer wie Johannes XXIII.?

Glück: Der nächste Papst sollte neben Stabilität und Tradition auch die Bedingungen für notwendige Veränderungen in der Kirche und ihrem Verständnis für die moderne Welt schaffen.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 13.02.2013
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