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Politbarometer: Das Vertrauen in die Kanzlerin ist in der Euro-Krise groß, die FDP kommt nicht aus dem Tief heraus

Merkel top, Rösler floppt

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Serif

Mannheim. Unglaublich, aber wahr: Der Vizekanzler gehört im Politbarometer nicht mehr zu den zehn wichtigsten Politikern - ab nächstem Monat fällt FDP-Chef und Wirtschaftsminister Philipp Rösler aus den Top Ten. Für ihn rückt dann Linke-Fraktionschef Gregor Gysi nach. Im Juli-Politbarometer der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen rangiert Rösler noch auf dem letzten Platz - hinter Außenminister Guido Westerwelle, dem Vizekanzler a.D. Der Niedergang der FDP setzt sich fort: Wäre am Sonntag Bundestagswahl, kämen die Liberalen nur auf vier Prozent (minus eins) und damit nicht ins Parlament. "Der neuen Spitze, Rösler ist ja auch schon eine Weile im Amt, ist es nicht gelungen, den Abwärtstrend umzukehren", sagt Matthias Jung von der Forschungsgruppe. Er kann sich nur noch an Klaus Kinkel erinnern, den ehemaligen FDP-Vizekanzler und Außenminister, der in den 90ern ganz schlechte Werte hatte.

Die Liberalen, früher für ihre ökonomische Kompetenz hochgelobt, können auch von der Euro-Krise nicht profitieren; von Rösler und Westerwelle hört man wenig. In der Krise ist neben Ideen auch Führungsstärke gefragt, über die verfügt unbestritten die Bundeskanzlerin in den Augen der Wähler. "Angela Merkel profitiert natürlich auch davon, dass weit und breit keiner da ist, der ihr Konkurrenz machen kann. Weder in der CDU noch anderswo", erklärt Jung. Auch ihr Parteifreund, Finanzminister Wolfgang Schäuble, wird eher als Mit- denn Gegenspieler gesehen, obwohl beide nicht immer einer Meinung sind.

Deshalb ist es kein Wunder, dass Merkel im Politbarometer die Spitze zurückerobert hat - NRW-Regierungschefin Hannelore Kraft von der SPD fällt auf den zweiten Platz zurück. Sie profitiert noch von ihrem glänzenden Wahlsieg im bevölkerungsreichsten Bundesland. Die in der SPD als Kanzlerkandidaten gehandelten Politiker landen gegenwärtig weit hinter ihr, wobei Parteichef Sigmar Gabriel mit einem Wert von nur 0,7 schon ziemlich schlecht abschneidet - Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Finanzexperte Peer Steinbrück (beide 1,4) kommen auch bei den eigenen Anhängern viel besser weg.

Rund drei Viertel (76 Prozent) aller Wahlberechtigten finden, dass Merkel ihren Job als Kanzlerin insgesamt eher gut ausübt. Auch ihre Arbeit bei der Euro-Krise erhält mit 63 Prozent einen positiven, wenn auch im Vergleich zur allgemeinen Einschätzung nicht ganz so guten Wert. In einem Punkt bestätigt die Umfrage der Forschungsgruppe allerdings die zuletzt von Bundespräsident Joachim Gauck geäußerte Kritik: 57 Prozent aller Befragten meinen, die Kanzlerin erkläre ihre Euro-Politik nicht ausreichend. Auch im eigenen Lager sagen das noch immer 44 Prozent.

Die Warnung von Bayerns CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer, er werde die Koalition platzenlassen, wenn es bei der Euro-Rettung zu weiteren finanziellen Zugeständnissen Deutschlands komme, nimmt eine überwältigende Mehrheit von 82 Prozent nicht sonderlich ernst. Dies sieht man auch in den eigenen Reihen von der Tendenz her ähnlich.

Mehrheit gegen Euro-Bonds

Die Bürger (51 Prozent) wollen, dass Merkel ihren Kurs hält. Nur zwölf Prozent befürworten zum Beispiel die Einführung von Euro-Bonds, also gemeinsamen Staatsanleihen zu gleichen Zinsen für alle 17 Euro-Länder. Der Grund: Deutschland müsste dann höhere, Griechenland niedrigere Zinsen zahlen. Eine klare Ablehnung gibt es auch bei der Frage, ob die Krisen-Länder, die Schutz unter dem Rettungsschirm suchen, mehr Zeit bei der Umsetzung der Sparmaßnahmen erhalten sollen: . 61 Prozent lehnen dies ab.

Interessant noch: Eine Mehrheit (51) ist mit der Kinderbetreuung in Deutschland unzufrieden oder sogar sehr unzufrieden. Die Befragten halten den Ausbau von Ganztagsbetreuungsplätzen für Kinder für wirksamer als die Schaffung von neuen Teilzeitjobs oder mehr Geld für Familien.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 14.07.2012
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