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Atom: Diktator Kim setzt auf knallharte Konfrontation / Nachbarn fürchten neue Spirale der Eskalation

Nordkoreas Muskelspiele

Von dpa-Korrespondent Dirk Godder

Nordkoreas Machthaber Kim spielt erneut seine höchste Trumpfkarte im Poker um sein Atomprogramm aus. Das Regime in Pjöngjang schlägt damit alle Drohungen in den Wind.

© dpa

Seoul. Im Atompoker setzt Nordkorea auf knallharte Konfrontation. Das streng abgeschottete Land will trotz der Androhung neuer UN-Sanktionen nicht einlenken.

Nordkoreas Antwort auf die Ausweitung der internationalen Sanktionen ließ nicht lange auf sich warten. Gestern vermeldeten die Staatsmedien den dritten Atomtest des Landes. Im Streit um sein Kernwaffenprogramm gibt sich Pjöngjang nach Ansicht von Beobachtern aggressiv. Die Folgen gelten als unabsehbar.

Das Land ist ohnehin schon weitgehend isoliert. Eine weitere Verschärfung der Strafmaßnahmen oder gar eine Handelsblockade als Reaktion auf den Atomtest könnte eine neue Spirale der Eskalation in Gang setzen, befürchten die Menschen in der Region.

Bettelarmes Nordkorea

  • Mit rund 1,2 Millionen Soldaten unterhält das von Hungersnöten geplagte Nordkorea eine der größten Armeen Asiens. An der Spitze der Diktatur steht Kim Jong Un. Er hatte seinen 2011 gestorbenen Vater Kim Jong Il abgelöst. Unter der Führung von Kim Jong Uns Großvater Kim Il Sung war die "Demokratische Volksrepublik Korea" 1948 gegründet worden.
  • Die abgeschottete Diktatur hat 24,6 Millionen Einwohner und ist mit gut 122 000 Quadratkilometern etwas größer als die frühere DDR. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200 000 geschätzt.
  • Misswirtschaft ruinierte das an Bodenschätzen reiche Land. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Unwetter und Zwangswirtschaft führten 1997 zu einer Hungerkatastrophe mit Massensterben. Nach UN-Schätzung sind weiterhin Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht. dpa

"Aggressive Strategie"

Bei den Vereinten Nationen und den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats (USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien) stieß der Test ebenso auf Kritik wie bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, der Europäischen Union (EU) und der Nato.

Ganz unerwartet kam der dritte unterirdische Nukleartest in dem kommunistischen Land seit Oktober 2006 nicht. Wie schon vor dem zweiten Test 2009 hatte das Regime in Pjöngjang den Schritt aus Verärgerung über die Kritik des Weltsicherheitsrats an einem umstrittenen Raketenstart des Landes angedroht.

"Nordkorea verfolgt seit zwei Jahrzehnten eine aggressive Tit-for-tat-Strategie (Wie-du-mir-so-ich-dir-Strategie)", ist der Experte Park Young Ho vom staatlichen Korea-Institut für Nationale Vereinigung in Seoul überzeugt. Jede gegen das Land gerichtete Aktion soll mit einer gleichwertigen Handlung zurückgezahlt werden.

Durch den UN-Sanktionsbeschluss nach seinem Raketenstart im Dezember fühlte sich Nordkorea provoziert. Während das Land von einem Satellitenstart spricht, sehen die USA und andere Länder darin einen verschleierten Waffentest. Auch diesmal sei Nordkorea offenbar bereit, den Preis für seine Provokation zu zahlen, glaubt Park. Mit dem Test solle auch Südkorea gewarnt werden, sich genau zu überlegen, welchen Schritt es als nächstes unternimmt. Zu einem Krieg werde es wohl nicht kommen, meint Park. "Doch die Spannungen werden vorerst andauern."

Die Regierung in Seoul hatte Nordkorea gewarnt, dass es bei einem neuen Atomtest mit weitaus härteren Strafmaßnahmen rechnen müsse. Wie schon früher hatte Pjöngjang mit militärischer Gewalt gedroht, sollte Seoul den jüngsten Sanktionsbeschluss umsetzen. Das Säbelrasseln sei unverständlich, weil mit Südkoreas neuer Präsidentin Park Geun Hye eigentlich ein Anknüpfen an die frühere "Sonnenscheinpolitik" einer Annäherung oder zumindest "ein neuer Ansatz" in den Beziehungen und eben auch neue Finanzangebote aus Südkorea zu erwarten seien, sagte ein Diplomat. Parks Amtsantritt ist für den 25. Februar geplant.

Erneut hat Pjöngjang nun seine höchste Trumpfkarte im Poker um sein Atomprogramm sehr schnell hervorgeholt. Der Atomwaffentest galt ohnehin schon als lange vorbereitet. Erklärtes Ziel des Landes ist es, eine Atomstreitmacht zur Abschreckung aufzubauen. Die nukleare Aufrüstung wird mit einer angeblichen Bedrohung durch die USA gerechtfertigt. Südkorea erwartet jetzt zudem weitere Tests von Mittel- und Langstreckenraketen im Nachbarland. Auch ein weiterer Atomtest wird nicht ausgeschlossen. Atombomben ohne die nötigen Trägermittel würden keinen Sinn ergeben, sagen Experten. Nordkorea ist schon lange dabei, seine Atom- und Raketenprogramme zu synchronisieren.

Zwar nimmt Südkorea an, dass Nordkorea noch nicht so weit ist, einen Atomsprengkopf zu bauen, der sich auf eine Rakete montieren lässt. Doch warnen Beobachter, dass Nordkorea mit jedem Test diesem Ziel näher komme. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bevor das verarmte Land Raketen hat, die Nuklearwaffen bis zum Festland der USA tragen können", so die südkoreanische Zeitung "The Korea Times".

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 13.02.2013
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