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Katholische Kirche: Kurienerzbischof Georg Gänswein über Franziskus, Benedikt XVI. und die Frage nach Reformen

„Papst trifft mitten ins Herz“

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 25.03.2014

Von unserem Redaktionsmitglied Stephan Töngi

Erzbischof Georg Gänswein leitet das Päpstliche Haus von Franziskus.

© dpa

Mannheim. Papst Franziskus, Nachfolger Benedikts XVI., schwimmt auf einer Welle der Sympathie. Was steckt dahinter? "Er besitzt die hohe Gabe, mitten ins Herz zu treffen", erklärt Erzbischof Georg Gänswein, der beide Päpste sehr gut kennt.

Im Februar 2013 ist Benedikt XVI. aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Wie geht es ihm?

Georg Gänswein: Er ist ein älterer Herr von fast 87 Jahren, glasklar im Kopf, läuft langsamer, aber es geht ihm gut.

Erzbischof Georg Gänswein

Am 30. Juli 1956 in Riedern am Wald (Südschwarzwald) geboren

1983: Diakon in Neckarelz

1984: Priesterweihe

1993: Promotion summa cum laude

1994: persönlicher Assistent des Freiburger Erzbischofs Oskar Saier

2003: persönlicher Referent des Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Josef Ratzinger

2005: nach dessen Wahl zum Papst Privatsekretär von Benedikt XVI.

2012: zusätzlich Präfekt des Päpstlichen Hauses

2013: Bischofsweihe

Heute: Privatsekretär Benedikts XVI. und Präfekt des Päpstlichen Hauses von Papst Franziskus. tö

Sie arbeiten für den alten und den neuen Papst. Worin unterscheiden sich die Päpste am stärksten?

Gänswein: Meine Hauptaufgabe ist die des Präfekten des Päpstlichen Hauses. Zusätzlich bin ich nach wie vor Privatsekretär von Papst Benedikt. Die beiden Päpste sind im Charakter sehr, sehr unterschiedlich. Das macht sich bemerkbar in der Sprache, in der Gestik, in der Begegnungsweise mit Menschen.

Ausgelatschte Schuhe, kein goldenes Kreuz, seine Tasche trägt er selbst: Wie sehr mussten Sie sich an Franziskus' Auftreten gewöhnen?

Gänswein: Ich brauchte einige Zeit. Es geht Papst Franziskus nicht darum, sich von jemandem oder von etwas abzusetzen, sondern er möchte die Art, wie er als Erzbischof von Buenos Aires gelebt hat, so gut es geht auch als Bischof von Rom, als Papst, leben.

Wie erklären Sie sich Franziskus' Beliebtheit?

Gänswein: Papst Franziskus besitzt die hohe Gabe, mitten ins Herz zu treffen. Zunächst mit seiner Gestik, der Art, wie er auf Menschen zugeht, sie ansieht. Dann aber auch mit der Einfachheit, die nicht taktisch oder gespielt ist, sondern sein Wesen zum Ausdruck bringt.

Ist ihm der Jubel unangenehm?

Gänswein: Als ich ihm sagte, ich fliege nach Mannheim, um in einer Fasten-Predigtreihe über ihn zu predigen, sagte er: "Reden Sie über das Amt und über Christus. Das ist viel wichtiger." Teilweise ist ihm unangenehm, dass so viel Rummel um ihn gemacht wird.

Sie haben einmal gesagt, die Jubler würden sich noch wundern. Wird Franziskus missverstanden?

Gänswein: Manchmal habe ich den Eindruck, Papst Franziskus wird vor jeden Karren gespannt. Manche Aussagen werden so zurechtgebogen, als ob das O-Ton Franziskus sei. Die Gefahr, ihn zu vereinnahmen, besteht.

Wo wird Franziskus Hoffnungen am ehesten enttäuschen?

Gänswein: Ihm geht es darum, die Gläubigen zu reformieren, nicht den Glauben. Der Papst ist nicht Architekt, sondern Zeuge des Glaubens.

Was könnte sich unter Franziskus ändern?

Gänswein: In der Glaubenslehre und Verkündigung liegt er mit Papst Benedikt auf einer Linie. Wir Deutsche neigen dazu, uns als Motor von Reformen zu sehen. Aus meiner römischen Sicht stimmt das so nicht.

Welche Überschrift würden Sie dem ersten Jahr des Pontifikats von Franziskus geben?

Gänswein: Missionarischer Schwung.

In Deutschland wird diskutiert, ob Katholiken nach Scheidung und erneuter Heirat wieder zu den Sakramenten gehen können. Erwarten Sie eine Änderung?

Gänswein: Im Februar war das Thema Familie Hauptthema einer außerordentlichen Kardinalsversammlung. Kardinal Walter Kasper hat das Hauptreferat gehalten als Einstimmung auf die Bischofssynode, die im Oktober zwei, 2015 drei Wochen dauern wird. Dem Ringen in dieser wichtigen Frage möchte ich nicht vorgreifen.

Das Erzbistum Freiburg schließt Wiederverheiratete neuerdings nicht mehr von den Sakramenten aus. Setzt dieser Schritt nicht einfach nur die gängige Praxis um?

Gänswein: Ich weiß nicht, ob Ihre Behauptung zutrifft. Klar ist, dass ein einzelnes Bistum in wichtigen Fragen der verbindlichen kirchlichen Lehre und Disziplin keine Sonderwege gehen kann.

Kann es sein, dass diese Praxis schon weiter ist als die Theorie?

Gänswein: Ich weiß es nicht, vermute aber, dass Sie nicht falsch liegen. Aber wenn man durch Fakten etwas erreichen will, sagt das nicht aus, dass es in sich richtig ist.

Sie haben kritisiert, Limburgs Bischof Tebartz-van Elst sei Unrecht geschehen. Meinen Sie auch die Bischöfe oder das Domkapitel, die eine Rückkehr ausschließen?

Gänswein: Ich habe von "medialem" Unrecht gesprochen. Vieles, was über ihn geschrieben wurde, glich teilweise einer Hetzjagd auf seine Person. Ob aber die Behauptungen, die gegen ihn erhoben wurden, immer auf einer soliden Faktenlage basierten, spielte nur noch eine untergeordnete Rolle. Da schließe ich das Domkapitel nicht aus.

Kennen Sie den Prüfbericht?

Gänswein: Darauf möchte ich nicht antworten.

Wie passt Limburg zur Theologie einer armen Kirche?

Gänswein: Sie suggerieren, dass mit Geld nur Schindluder getrieben worden wäre . . .

. . . Ich kann etwa die frei stehende Badewanne für 15 000 Euro nennen oder die Aufhängung des Adventskranzes für 100 000 Euro.

Gänswein: Wenn die Zahlen stimmen, kann man wirklich nur den Kopf schütteln. Am Ende geht es aber nicht mehr um finanzielle Auswüchse, sondern um die Frage "Der Hirte Tebartz-van Elst und die Herde - geht das noch"?

Und: Geht das?

Gänswein: Auf diese Frage muss nun Rom bald eine Antwort geben.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 25.03.2014
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