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Geheimdienst: Schicksal des „Gefangenen X“ beschäftigt ganz Israel

Rätsel um Mossad-Agent

Von dpa-Korrespondentin Sara Lemel

Mit Fragen bedrängt: der scheidende Justizminister Jaakov Neeman.

© dpa

Tel Aviv. In der mysteriösen Affäre um den Tod eines angeblichen Mossad-Agenten mit australischem Pass könnte eine Spur aus Israel in den Iran führen. Gemeinsam mit zwei weiteren Australiern, die ebenfalls israelische Staatsbürger waren, soll Ben Zygier laut britischem "Guardian" in Europa im Auftrag des Geheimdienstes Mossad eine Scheinfirma gegründet haben. Diese habe elektronische Bauteile in den Iran verkauft. Dabei könnte ihm ein Fehler unterlaufen sein. Zygier war 2010 in Israels sicherster Gefängniszelle gestorben.

"War der Mossad-Agent ein Verräter?", fragt die Zeitung "Jediot Achronot". Der israelische Staat lockert nur zögerlich die verhängte Nachrichtensperre. Auffällig ist auch der Zeitpunkt der Festnahme des mit einer Israelin verheirateten Zygier - kurz nach dem Mord an dem ranghohen Hamas-Funktionär Mahmud al-Mabhuh in Dubai im Januar 2010. An der Tat, die dem Mossad zugeschrieben wurde, waren auch einige Verdächtige mit gefälschten australischen Pässen beteiligt. Eine kuwaitische Zeitung berichtete gestern sogar, Zygier sei selbst an dem Einsatz beteiligt gewesen und habe danach Informationen über die Tat und seine Kollegen an Dubai weitergegeben.

Ein australischer Journalist hatte nach dem Vorfall in Dubai bei Zygier angerufen und ihn mit der Frage konfrontiert, ob er für den Mossad arbeite - was dieser vehement zurückwies. Auch der australische Geheimdienst ermittelte gegen ihn, wegen des Verdachts, er missbrauche seinen unverdächtigen australischen Pass für Reisen in arabische Länder und den Iran.

Doch von Anwälten vertreten

Die israelische Zeitung "Jediot Achronot" meint, der 2001 nach Israel eingewanderte Zygier habe als Praktikant in dem angesehenen Rechtsanwaltsbüro Herzog-Fuchs-Neeman gearbeitet. Einer der Gründer ist der scheidende Justizminister Jaakov Neeman, der jetzt von Parlamentariern in der Knesset mit Fragen bedrängt wurde. Neben seiner Arbeit als Rechtsanwalt arbeitete Zygier den Berichten zufolge heimlich für den Mossad.

Entgegen ersten Berichten wurde Zygier von drei Rechtsanwälten vertreten, es gab einen Haftbefehl gegen ihn und seine Familie wurde sofort nach seiner Festnahme informiert. Der bekannte Anwalt Avigdor Feldman traf Zygier noch kurz vor seinem Tod. Es habe Verhandlungen über eine Einigung mit der Staatsanwaltschaft gegeben, sagte er dem israelischen Armeesender. "Als ich ihn gesehen habe, gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass er Selbstmord begehen könnte", sagte Feldman der Nachrichtenseite "ynet".

Sollte der Staat Israel sich im Fall Zygier, der aus einer jüdischen Familie in Melbourne stammt, unrechtmäßig verhalten haben, stellt sich die Frage, warum seine Angehörigen auch angesichts der wilden Spekulationen eisern schweigen. Sein Vater Geoffrey Zygier ist eine angesehene Persönlichkeit in der örtlichen jüdischen Gemeinde und führendes Mitglied der pro-israelischen Wohltätigkeitsorganisation Bnai Brith.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 15.02.2013
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