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Politischer Aschermittwoch (I): Steinbrück begeistert in Bayern

Selten: Die SPD feiert sich selbst

Von dpa-Korrespondent Carsten Hoefer

Weißbierlaune: Peer Steinbrück mit Spitzenkandidat Christian Ude.

© dpa

Vilshofen. Das hat Bayerns leidgeprüfte SPD in den vergangenen Jahrzehnten nicht oft erlebt: Begeisterung. An diesem Aschermittwoch aber kennt sie kaum Grenzen. Nach 50 vergeblichen Anläufen stellen die Sozialdemokraten bei ihrer 51. Kundgebung im niederbayerischen Vilshofen eine genauso eindrucksvolle Veranstaltung auf die Beine wie die CSU im nahen Passau. Zwischen 4000 und 4500 Zuschauer sind in das große SPD-Bierzelt am Donau-Ufer gekommen - "so viele Menschen wie noch nie und sogar mehr als bei der Konkurrenz", sagt der bayerische Spitzenkandidat Christian Ude. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Ude halten kämpferische Reden, die begeistert beklatscht werden. "Es hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen", schwärmt Landeschef Florian Pronold.

Die Sozialdemokraten hoffen, dass die Schwächephase überwunden ist und es jetzt aufwärtsgeht. "Die sind nervös, sie wissen, wir können sie packen", ruft der immer wieder von Jubel unterbrochene Kanzlerkandidat mit Blick auf Schwarz-Gelb. Nach seiner Überzeugung wünschen sich nur wenige Bürger eine Fortsetzung der Koalitionen von Union und FDP - in Steinbrücks Vokabular eine "Gurkenriege".

"Schwarz-Gelb ist so beliebt wie Blinddarm-Entzündung und Wurzelbehandlung auf einmal", stellt er fest. Von der Neuauflage einer Großen Koalition will der Kanzlerkandidat nichts wissen: "Ich spiele nicht auf Platz, ich setze auf Sieg, und ich beschäftige mich mit keinem anderen Szenario", sagt der frühere Bundesfinanzminister.

"Drehhofer.de"

Dann spielt Steinbrück selbst auf die Aufregung an, die seine Bemerkungen über das - im Vergleich zu Konzernbossen niedrige - Kanzlergehalt auslöste: Er habe "eine starke bajuwarische Ausdrucksfähigkeit, die gelegentlich in den falschen Hals kommt", sagt der Hanseat. Doch die Selbstkritik hat Grenzen: "Ihr wollt keinen öligen und geölten Politprofi haben als Kanzlerkandidaten."

In Bayern hat die SPD inzwischen einen besonders schönen Angriffspunkt entdeckt: Seehofer und seine Wendemanöver vom Atomausstieg bis zu den Studiengebühren. Fein säuberlich dokumentiert hat die SPD das mit Seehofer-Zitaten auf der Website "Drehhofer.de". CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt schäumt seit Tagen.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 14.02.2013
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