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NRW: Der neue CDU-Chef Armin Laschet muss viele Gegenstimmen hinnehmen – und sich ein neues Auto kaufen

Start mit doppelter Karambolage

Von unserem Korrespondenten Johannes Nitschmann

Laschet freut sich, obwohl er nicht gerade überzeugend gewählt wurde.

© dpa

Düsseldorf. Der ruppige Umgang der nordrhein-westfälischen CDU mit ihrem Führungspersonal ist legendär. Doch die Kollision am Samstagmorgen auf dem Parteitagsgelände am Krefelder "Königspalast" ist ein wirklicher Unfall. Als der designierte Landesparteichef Armin Laschet nach einem Parkplatz sucht, fährt ihm der Europa-Abgeordnete Elmar Brok mit Karacho in den Kofferraum und drückt den Wagen des Aacheners gegen einen Baum. "Totalschaden", bilanziert Laschet später trocken, "Gott sei Dank ist außer Sachschaden nichts passiert, das hätte auch schlimmer ausgehen können."

Unter den 670 Delegierten blüht der Flachs. "Jetzt rasieren wir unsere Vorsitzenden schon vor der Wahl", juxt ein westfälischer CDU-Stratege. In den letzten Wochen hatten die Christdemokraten in NRW nichts zu lachen. Bei der Landtagswahl am 13. Mai sind sie auf ein Rekordtief von 26,3 Prozent abgestürzt. Ihr kläglich gescheiterter Spitzenkandidat Norbert Röttgen musste nicht nur seinen Rücktritt als CDU-Landesvorsitzender erklären. Kanzlerin Angela Merkel schasste ihn auch als Bundesumweltminister.

Unbeirrt verteidigt Röttgen seine umstrittene Wahlkampf-Kampagne gegen Verschuldung und für Zukunftsverantwortung. "Ich bin von der Notwendigkeit und Richtigkeit dieser Themen tief durchdrungen und will auch, dass wir dabei bleiben", sagt er in seiner Abschiedsrede. Seine Themen seien richtig gewesen, aber bei den Wählern nicht richtig angekommen.

Ungeschminkter als Röttgen beschreibt sein Generalsekretär Oliver Wittke die Lage. In manchen Landesteilen hätten der CDU in den letzten beiden Jahren so viele Mitglieder den Rücken gekehrt, dass sie aufpassen müsse, "nicht den Charakter als Volkspartei zu verlieren". Wittke, der als Generalsekretär ebenfalls ausscheidet, empfiehlt seiner Partei "mit einigem Abstand zu dem Schmerzerlebnis" eine schonungslose Wahlanalyse. Diese sei so schnell nicht möglich. "Viel sind noch verwundet."

Das bekommt der neue CDU-Landeschef Laschet (51) bei seiner Wahl zu spüren, obwohl er ohne einen Gegenkandidaten antritt. Lediglich 77,6 Prozent votieren in geheimer Abstimmung für den Aachener, der es als erster Integrationsminister bundesweit zu Prominenz brachte. Die NRW-CDU wertet Enthaltungen traditionell als ungültige Stimme, weshalb deren errechnete Zustimmungsquote von 80,3 Prozent etwas freundlicher für den neuen Landeschef ist. "Ein ehrliches Ergebnis, das der Stimmung in der Partei angemessen ist", urteilt Laschet. Karambolagen gibt es bei der NRW-CDU eben nicht nur auf dem Parkplatz.

© Mannheimer Morgen, Montag, 02.07.2012
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