DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Montag, 27.06.2016

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken
  • Senden

Flüchtlinge: Parlamentarier wollen wissen, was mit den Milliardenzahlungen an die Türkei gemacht werden soll

Türkei beeindruckt EU-Prüfer

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 10.02.2016

Von unserem Korrespondenten Detlef Drewes

EU-Parlamentarier haben in der Türkei Flüchtlingseinrichtungen besucht - und wurden positiv überrascht. Mit aufladbaren Geldkarten können die Flüchtlinge einkaufen. Verbesserungsbedarf gibt es bei der Wasser- und Stromversorgung.

© dpa

Brüssel/Ankara. "Das sind richtige neue Städte geworden." Mit diesen Worten hat ein Helfer die Abgeordneten des Europäischen Parlamentes gestern in Ankara auf ihren Besuch heute vorbereitet. 400 000 syrische Flüchtlinge leben in dem Lager nahe der türkischen Grenzstadt Gaziantep. "Wir wissen, dass bis zu 80 000 weitere Menschen vor den Bomben aus Aleppo geflohen sind. Sie werden dort in diesen Tagen eintreffen", berichtet der SPD-Europa-Abgeordnete Jens Geier telefonisch aus der Türkei an unsere Zeitung.

Geier gehört dem Haushaltsausschuss an - nicht unbedingt ein Gremium, das außenpolitisch geprägte Reisen zu veranstalten pflegt. "Wir wollen wissen und prüfen, was mit den Milliarden gemacht wird, die die türkische Regierung von der EU haben will", sagt Geier und zeigt sich beeindruckt. "Die Hilfsorganisationen machen das teilweise besser als in Deutschland." 2,7 Millionen syrische Flüchtlinge leben nach offiziellen Angaben in der Türkei. Aber nur zehn Prozent wurden in Aufnahmezentren untergebracht. Die übrigen zogen direkt zu Verwandten und Freunden in die Städte.

Lokale Firmen profitieren

Bargeld gibt es nicht. Einzelpersonen oder Familien erhalten aufladbare Geldkarten, mit denen sie sich in den umliegenden türkischen Ortschaften und Läden selbst versorgen können. 85 türkische Lira (26 Euro) stehen ihnen pro Person und Woche zu - das ist zu wenig, heißt es bei den Experten der Weltflüchtlingsorganisation UNHCR. Dennoch haben die Hilfsorganisationen mit diesem Instrument kulturelle Unterschiede bei der Ernährung umschifft und den lokalen Geschäftsinhabern so etwas wie ein Entwicklungshilfeprogramm gesichert.

Aber es gibt weiter Probleme mit der öffentlichen Infrastruktur, für die Geld gebraucht wird: Um die sanitäre Situation der Lager zu verbessern, sind Abwasser-Kanäle nötig. Die bisherigen Leitungen, die nur für ein paar kleine Gemeinden konzipiert waren, reichen nicht aus. Es muss in die Wasser- und die Stromversorgung investiert werden. Und es werden Schulen gebraucht.

Geier: "Man ist sich sehr bewusst, dass eine hoffnungslose Generation syrischer Jugendlicher ein politisches Problem werden kann." Also suchte man in den Reihen der Flüchtlinge syrische Lehrer und fand rund 1 000. Die unterrichten schon jetzt rund 190 000 Kinder und Jugendliche. Nötig wären aber schulische Angebote für die doppelte Zahl. Hinzu kommen notwendige soziale Angebote, um die Lage der Frauen und Familien zu stabilisieren.

Geier erzählt von Berichten über Gewalt gegen Frauen, Zwangsverheiratungen, weil Eltern ihre Töchter verkaufen mussten, um zu überleben. Trotzdem sei keine Bitterkeit spürbar, sondern nur eine tiefe Sorge um diese Menschen. Ankara gibt seine bisherigen Aufwendungen mit etwa zehn Milliarden Euro an. Nun soll die EU als Gegenleistung für mehr Grenzkontrollen mindestens drei Milliarden drauflegen. Um zu zeigen, dass man bereit ist, die Verwendung der Gelder auch sicherzustellen, gibt es nun ein Angebot an die EU-Haushaltsexperten, gemeinsame Kontrollen einzurichten, damit die Finanzmittel auch dort ankommen, wo sie wirken sollen.

Geier: "Wir waren da schon beeindruckt. Tatsächlich hat die Türkei verstanden, dass eine verbesserte Situation der Flüchtlinge in den Lagern den eigenen unterentwickelten Regionen zugutekommen kann, auch wenn es dort bereits erste Beschwerden über Lohndumping gibt." Denn Flüchtlinge nehmen fast jede Arbeit an, wenn sie nur ein paar Lira damit verdienen können.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 10.02.2016
  • Drucken
  • Senden
 
 
TICKER

Das Wetter in der Metropolregion

Mannheim - Prognose für 0 Uhr

11°

Das Wetter am 27.6.2016 in Mannheim: klar
MIN. 11°
MAX. 22°
 

 

 
 

Es ist zu spät

Katrin Pribyl ist der Ansicht, dass bei den sonst so rationalen Briten die Vernunft verloren gegangen ist [mehr]

Kontakt zur Politik-Redaktion

Telefon: (ab 14 Uhr) 0621/392 13 32
Fax: 0621/392 14 90

Schreiben Sie uns eine E-mail!

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR