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Staatsbesuch: Bundespräsident Gauck bei den Palästinensern / Aufruf zu Verhandlungen

Unerfüllter Freiheitswunsch

Von dpa-Korrespondent Thomas Lanig

Gauck und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas (zweiter von links).

© dpa

Burin/Ramallah. Schöner kann es für einen Bundespräsidenten kaum sein als an diesem Morgen in Burin, Westjordanland. Joachim Gauck und seine Delegation sind durch Olivenhaine gefahren, an Terrassenfeldern vorbei - wenn auch sonnentrocken, steinig. Vor der neu gebauten Mädchenschule jubeln Kinder. Die deutsche Nationalhymne erklingt. Die Ehrengäste haben im Schatten Platz genommen. Die israelische Siedlung, die vom Berg herab auf den Ort blickt, sieht man nicht.

Es ist der letzte Tag der Nahostreise des Bundespräsidenten. Die Schule in Burin im Palästinensergebiet ist mit deutschem Geld gebaut worden, in hellem Stein, innen pink und violett. 480 Mädchen sollen hier unterrichtet werden. Ein Tag zum Feiern, aber Lamis Alami, die Bildungsministerin der Autonomiebehörde, kommt gleich zur Sache. Sie dankt, aber dann legt sie los. Die Schule sei "eine große Ehre für die Kinder des palästinensischen Volkes", aber: "Die Palästinenser kommen nicht zur Ruhe". Israelische Siedler griffen immer wieder das Dorf an. "Unsere Ernte wird zerstört."

Wir sind hier in einem sogenannten B-Gebiet, in dem Israel die Sicherheitshoheit ausübt. Die Palästinenser finden das nicht akzeptabel. Sie hoffen auf deutliche Worte ihres Gastes aus Deutschland. Gauck aber konzentriert sich auf den Anlass seines Besuchs: "Bildung hilft auch, Konflikte einvernehmlich zu lösen." Mehr sagt er hier nicht, obwohl Gouverneur Dschibril al-Bakri eine naheliegende Parallele zieht: Gauck habe den Fall der Berliner Mauer erlebt, jetzt gehe es darum, den Sperrzaun der Israelis einzureißen.

Später, bei Präsident Mahmud Abbas in Ramallah, wird Gauck ein wenig deutlicher. Er fordert eine Verhandlungslösung zwischen Israel und den Palästinensern. Die andere Seite hatte er schon in Jerusalem aufgerufen, in der umstrittenen Siedlungspolitik zumindest Flexibilität zu zeigen. Aber deutliche Kritik an Israel formuliert er nicht. Nach den Gründen gefragt, sagte Gauck: "Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Israel so einen richtigen Lehrer aus Deutschland ertragen könnte." Drei Tage hatte sich Gauck als enger Freund Israels vorgestellt und die gemeinsamen Werte beider Länder betont. Hier aber, in Ramallah, wo der frühere Palästinenserführer Jassir Arafat begraben ist, muss er auch der Gegenseite Verständnis zeigen.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 01.06.2012
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