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Interview: Thomas Mohr von der Mannheimer Gewerkschaft der Polizei ist verärgert über „unprofessionelle Äußerungen“ zu Köln

„Vorwürfe unglaublich und praxisfern“

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 07.01.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Meena Stavesand

Ein Screenshot der Facebook-Seite von Thomas Mohr.

© dls/Screenshot Facebook

Thomas Mohr weist die Kritik an der Polizei zurück.

© GDP

Mannheim. In nicht einmal zwanzig Minuten hatte Thomas Mohr, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei aus Mannheim, seinen Facebook-Post geschrieben, in dem er die Kritik an der Polizei während der Übergriffe in Köln in der Silvesternacht scharf zurückweist. Die "unprofessionellen Äußerungen der Politiker" verärgern ihn.

Herr Mohr, die Kritik am Polizeieinsatz in Köln wird lauter. Ist sie gerechtfertigt?

Thomas Mohr: Das kann ich noch nicht sagen. Die Ermittlungen müssen zeigen, was in dieser Nacht abgelaufen ist. Genauso wenig kann ich zurzeit sagen, wer für die Verbrecher im Detail verantwortlich ist. Es ist meiner Meinung nach unprofessionell, zu schnell irgendwelche Schlüsse zu ziehen, ohne die Ermittlungsergebnisse abzuwarten.

Politiker fordern aber mehr Polizeipräsenz an solchen Tagen.

Mohr: Die Politik sollte aufhören, den Bürgern eine heile Polizeiwelt zu verkaufen. Fakt ist, dass an Tagen wie Silvester durchaus mehr Polizisten im Einsatz sind. Es ist unglaublich und völlig praxisfern, zu sagen, die Polizei sollte alle verfügbaren Kräfte einsetzen. Wo sollen diese bei dem Personalabbau der vergangenen Jahre denn überhaupt herkommen? Allein in Baden-Württemberg sind 1000 Stellen weggefallen.

Will man der Polizei den Schwarzen Peter zuschieben?

Mohr: Irgendjemand muss eben der Buhmann sein, aber von diesen Schnellschüssen der Politik in den letzten Tagen halte ich gar nichts.

Wurde die Polizei durch politische Entscheidungen kaputtgespart?

Mohr: Ja, das kann man teilweise schon so sagen. Und dieser Personalabbau rächt sich jetzt, wie wir an den Geschehnissen in Köln sehen. Gerade vor dem Hintergrund, dass sich die Bevölkerung mit den Flüchtlingen deutlich erhöhen wird. Die gängige Pro-Kopf-Rechnung, wie viele Bürger auf einen Polizeibeamten kommen, wird neu aufgestellt werden müssen.

Was muss getan werden, um Sicherheit zu gewährleisten?

Mohr: Es müssen sehr schnell viel mehr Polizisten ausgebildet werden. Das Problem: Drei Jahre würde es in jedem Fall dauern, bis gut ausgebildetes Personal zur Verfügung steht. Von Flickschusterei mit schnell ausgebildeten Ordnungsdiensten halte ich wenig. Die Politik muss sich dafür einsetzen, dass das Personal der Polizei aufgestockt wird.

Ihr kritischer Facebook-Eintrag hat im Netz für große Resonanz gesorgt. Welche Reaktionen haben Sie persönlich bekommen?

Mohr: Den Beitrag haben 5,5 Millionen Menschen gelesen und in meinem Postfach gingen 2500 Nachrichten ein. Ich habe viel Zustimmung bekommen - von Kollegen, aber auch aus der Politik. Unter anderem der Mannheimer Bundestagesabgeordnete Stefan Rebmann hat mir öffentlich zugestimmt.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 07.01.2016
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