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Papst-Rücktritt: Hoffnungen der Protestanten in Deutschland ruhen auf Benedikts Nachfolger

Was wird jetzt aus der Ökumene?

Von dpa-Korrespondent Michael Evers

EKD-Vorsitzender Nikolaus Schneider hofft auf neue Akzente.

© dpa

Hannover. Den Kirchen rennen die Gläubigen davon, ihr Einfluss schwindet und ihre Rolle in der Gesellschaft wird infrage gestellt - angesichts dieser Krise hatten sich Protestanten und Katholiken von Benedikt XVI. ein Bemühen um mehr Miteinander erhofft. Spätestens beim Deutschlandbesuch des scheidenden Papstes 2011 wurden sie enttäuscht. Er habe kein "ökumenisches Gastgeschenk", der Ruf nach konkreten Schritten sei ein "Missverständnis". 2007 hatte er den Protestanten bereits den Status als "Kirche im eigentlichen Sinn" abgesprochen und Empörung geerntet.

Abseits solcher Enttäuschungen und kalter Duschen betonen viele Kirchenexperten in Deutschland eine weitreichende Einigkeit, die beide Kirchen inzwischen erzielt hätten. Dennoch drängt die Frage, wie es mit der Ökumene weitergeht, wenn ein neuer Papst in Rom antritt - womöglich aus einem anderen Erdteil. Wird der deutsche Ruf nach einem gemeinsamen Abendmahl oder der Umgang mit Geschiedenen da noch eine Rolle spielen? "Jeder Papst wird neue Akzente setzen und Anschübe geben", ist sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sicher. "Wenn ein Papst aus Afrika oder Südamerika gewählt wird, dann müssen wir dem zunächst die besondere Situation in Deutschland erklären."

"Für einen Papst aus Asien oder Afrika ist die Frage, was sich in der Ökumene in Mitteleuropa bewegt, interessant, für ihn gibt es da aber keinen Leidensdruck", erklärt der Ökumene-Experte der evangelischen Kirche, der Braunschweiger Bischof Friedrich Weber. Entscheidend sei nicht allein das Wort des Papstes, sondern die Arbeit der Gremien im Vatikan, die bereits vieles bei der Ökumene geklärt hätten. Bei der Umsetzung hapere es noch. "Der Vatikan ist da nicht unbedingt der große Bremser", meinte Weber. Die Deutsche Bischofskonferenz nutze die Möglichkeiten, die sie auf nationaler Ebene habe, unzureichend.

Bereits jetzt betrachte der Vatikan die Ökumene eher durch eine weltpolitische Brille, meint ein Experte im Bistum Paderborn. Der römische Blick sei umfassender und nicht alleine auf deutsche Befindlichkeiten orientiert. Ein Papst aus Afrika oder Südamerika werde sicher andere Akzente setzen als sein Vorgänger. Große Weichenstellungen etwa in der Ökumene nehme der Papst nicht alleine vor, sondern die Bischofskongregation oder ein Konzil. Der Blick der evangelischen Kirche richtet sich nun auf das Jahr 2017: Dann feiert sie das Jubiläum 500 Jahre Reformation. Die Hoffnung vieler Protestanten in Deutschland: Vielleicht lässt sich dann zumindest ein Teil der Kirchenspaltung überwinden.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 13.02.2013
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