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Musikhochschulen: Gespräch mit der Wissenschaftsministerin über ihre Pläne und die Folgen für Mannheim

Bauer verteidigt ihr Sparkonzept

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 15.08.2013

Von unserem Korrespondenten Peter Reinhardt

Schon bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen der Popakademie vor ein paar Wochen musste Theresia Bauer Fragen zur Musikhochschule beantworten.

© dpa

Stuttgart. Selbst im Urlaub treibt der Streit um ihre Sparpläne für die Musikhochschulen Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer um. Im Gespräch mit unserer Zeitung hat die Grünen-Politikerin die für Mannheim geplanten Kürzungen verteidigt. "Die Tonlage der Kritik vor Ort hat mich überrascht", sagt Bauer und beklagt "rhetorisches Säbelrasseln". Mit der Warnung vor einer Schließung der Musikhochschule würden Emotionen geschürt, obwohl sie mehrfach eine Standortgarantie gegeben habe. Sie bleibe dialogbereit: "Wir werden uns genau ansehen, wo es Nachbesserungsbedarf gibt."

Der Standort Mannheim muss die Hauptlast ihres Einsparkonzepts für die landesweit fünf Musikhochschulen tragen. 500 Studienplätze will Bauer insgesamt streichen. In Mannheim sind die Einschnitte noch tiefer als bisher bekannt: 660 Studienplätze bietet die Musikhochschule aktuell an, 300 die Popakademie. Zusammen sind das 960. Davon bleiben nach Bauers Angaben nach der Neuordnung 520 übrig - fast eine Halbierung. Geplant ist an der Hochschule die Streichung der Ausbildungsbereiche Klassik und Schulmusik. Als Ausgleich würde die Popakademie unter ihr Dach kommen und mehr feste Lehrkräfte erhalten. Stuttgart müsste seine 60 Studienplätze für Jazzmusiker nach Mannheim abgeben. Mit künftig 160 Studenten könnte hier nach Bauers Worten ein "Leuchtturm mit nationaler Ausstrahlung entstehen". Unverändert bliebe der Bereich Tanz mit 60 Studenten.

Popakademie im Fokus

Eckpunkte des Sparkonzepts

  • Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) will am 30. August in Mannheim ihr Sparkonzept für die fünf Musikhochschulen verteidigen. Studenten und Lehrkräfte werben während der vorlesungsfreien Zeit mit Konzerten für den Erhalt ihrer Hochschule. An diesem Freitag ist der nächste Auftritt auf dem Mannheimer Paradeplatz geplant.
  • Durch den Abbau von landesweit 500 Studienplätzen will Bauer per Saldo vier Millionen Euro jährlich einsparen. Neben Mannheim soll Trossingen den Status als Voll-Musikhochschule verlieren. Die klassische Orchesterausbildung wird auf die Hochschulen Karlsruhe, Freiburg und Stuttgart konzentriert. Die Grünen-Ministerin betont, dass auch diese Standorte Teile ihres bisherigen Angebots abbauen müssten. pre

"Das ist ein Einschnitt", hat die Ministerin Verständnis für den Ärger. Sie hat viele Protestbriefe bekommen. "Es kommt häufiger vor, dass mit Abstrafung der Grünen bei der nächsten Wahl gedroht wird", sagt die Ministerin. Sie lasse sich aber "von solchen wahltaktischen Drohungen nicht beeindrucken".

Bauer stellt die Verbesserungen für die Popakademie heraus. Allein mindestens eine Million Euro müsse das Land jährlich zusätzlich zahlen, wenn die Stadt Mannheim und der SWR wie angekündigt 2018 als Partner ausstiegen. "Spätestens dann geht es um Leben oder Sterben", warnt sie. Mit der Integration in die Musikhochschule werde die Akademie dauerhaft gesichert.

Den Vorschlag von Rektor Rudolf Meister, die klassische Orchesterausbildung in gekürzter Form zu erhalten, stuft Bauer als unrealistisch ein. "Dann bräuchte man einen Konzertsaal", sagt sie. Und der koste eher 60 als nur 50 Millionen Euro, die das Land mit seinem Haushaltsdefizit nicht habe. Die Ministerin betont: "Wir werden unter diesen Bedingungen nicht beides gemeinsam stemmen können - die Vollfinanzierung der Popakademie und den Konzertsaal ." Die Konzentration auf Jazz, Pop und Tanz sei ein "attraktiver Schwerpunkt" und biete die Chance, der "Musikhochschule ein unverwechselbares Profil mit internationaler Ausstrahlung zu geben".

Andere Argumente aus Mannheim hält Bauer für konstruiert. Etwa den Hinweis auf die berühmte musikalische Vorgeschichte. "Die Mannheimer Schule ist eine große Tradition. Aber die Musikhochschule hat sich darum nicht besonders gekümmert", stellt sie fest. In den letzten zwei Jahren habe es nur ein dazu passendes Angebot gegeben. Die Mannheimer Schule werde "in einer Weise ins Bewusstsein gerückt, wie es bisher nicht der Fall war".

Auf den Grund gehen will Bauer dem Argument, dass ein Jazzstudium die Verbindung zur klassischen Ausbildung brauche. "In den vorhandenen Angeboten von Stuttgart und Mannheim sehe ich nur eine begrenzte Verknüpfung zur Klassik", betont die Ministerin. Sie werde aber Experten um Vorschläge bitten, welche klassischen Komponenten für eine fundierte Jazz-Ausbildung benötigt würden.

Auch die Furcht vor einer Ausdünnung des Konzertgeschehens hält Bauer für überzogen. Natürlich habe jede Musikhochschule die "wichtige Aufgabe, die regionale Musikszene zu beleben". In der neuen Struktur werde es in "Mannheim mehr andere Konzerte geben".

Beim Sparbeitrag der Hochschulen Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart bleibt Bauer allgemein: "Die Ausbildungskapazitäten für Klavier und Gesang werden wir gravierend abbauen."

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 15.08.2013
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