DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Donnerstag, 23.03.2017

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken

Gesellschaftspolitik: Zahl der registrierten Eltern hat sich in zehn Jahren halbiert / Experten spekulieren über die Ursachen

Dramatischer Rückgang der Adoptionen

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 22.05.2013

Von unserem Korrespondenten Peter Reinhardt

Einer erfolgreichen Adoption geht für viele Eltern ein jahrelanger Hürdenlauf voraus, weil die Zahl der zur Adoption freigegebenen Kinder sinkt.

© dpa

Stuttgart. Die Zahl der vorgemerkten Adoptionsbewerber sinkt dramatisch. In Baden-Württemberg halbierte sie sich innerhalb eines Jahrzehnts von 1429 auf 682. Weniger stark fällt der Rückgang bei den adoptierten Kindern aus. Nach den vom Sozialministerium jetzt veröffentlichten Zahlen fanden 2011 noch 652 Kinder und Jugendliche neue Eltern, zehn Jahre zuvor waren es 1010. Ähnlich verläuft der Trend in Hessen, wo binnen Jahresfrist ein Rückgang von 322 auf 262 Adoptionen gemeldet wurde.

Als eine Ursache für den Trend sehen die Experten des Stuttgarter Sozialministeriums das Auslaufen der geburtenstarken Jahrgänge. "Die demografische Entwicklung führt zu weniger Adoptionen", sagt ein Sprecher. Dass sich weniger Eltern ihren Kinderwunsch über eine Adoption erfüllen wollen, sei "möglicherweise auch auf die Fortschritte in der Reproduktionsmedizin zurückzuführen".

Auslandsadoptionen rückläufig

Länder im Vegleich

  • Mit einer Trendumkehr rechnen Experten nicht, obwohl 2011 mit bundesweit 4060 Adoptionen ein leichter Anstieg um ein Prozent registriert wurde. Die Zahlen für 2012 tragen die Statistiker gerade zusammen.
  • In den Bundesländern gab es widersprüchliche Entwicklungen: In Hessen kam es zu einem Rückgang von 322 auf 262 Adoptionen. In Rheinland-Pfalz dagegen wurden im letzten Jahr 204 Kinder und Jugendliche adoptiert, 38 mehr als im Vorjahr. In Baden-Württemberg lag das Plus bei sieben Prozent.
  • Kurzfristige Abweichungen vom Abwärtstrend gab es auch früher. Wie stark der ist, zeigt der Rekord von 8500 Adoptionen im Jahr 1995. pre

Die Erfolge der künstlichen Befruchtung nennt auch Dagmar Trautner, die Vorsitzende des Bundesverbandes der Pflege- und Adoptiveltern, als eine Erklärung. Ihrer Ansicht nach spiegelt sich in den Zahlen zudem die gesellschaftliche Akzeptanz von alleinerziehenden Müttern und die Gleichstellung unehelicher mit ehelichen Kindern wider. Trautner: "Dieser begrüßenswerte Trend wird auch in den nächsten Jahren stabil bleiben."

Während bei Hollywoodstars wie Angelina Jolie oder Madonna die medienwirksame Adoption von Hunger leidenden Kindern in Afrika voll im Trend liegt, sinkt in Deutschland die Zahl der im Ausland adoptierten Kinder. Einen Höchststand markiert in Baden-Württemberg das Jahr 2002 mit 277. In den letzten Jahren wurden zwischen 115 und 130 Kinder aus dem Ausland geholt.

Die CDU-Abgeordnete Sabine Kurtz war durch spektakuläre Einzelfälle aufgeschreckt. Sie hat bei der grün-roten Landesregierung nachgefragt, "ob es leichter ist, Kinder aus dem Ausland zu adoptieren". Die Darstellung hat sie beruht: "Das sieht alles sehr seriös aus."

Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) weist darauf hin, dass "eine Adoption nur ausgesprochen wird, wenn sie nach Einschätzung beider Staaten die beste Lösung für das Kind darstellt". Vor zehn Jahren sei die Bundesrepublik dem Haager Übereinkommen zum Schutz der Kinder beigetreten, um dem Kinderhandel vorzubeugen. Die meisten ausländischen Adoptivkinder kämen seit Jahrzehnten aus Russland. Bei der Vermittlung gebe es immer wieder Schwierigkeiten, die "aber in der Regel zufriedenstellend gelöst werden". Ein Problem stelle bei zahlreichen Kindern der Alkoholkonsum der Mütter während der Schwangerschaft dar.

Einen Sonderfall bildet die Praxis in der Türkei. In Deutschland lebende Bewerber würden immer wieder Kinder allein nach dem türkischen Recht adoptieren. "Wesentlich häufiger" als hierzulande würden dort Eltern ihre Kinder zur Adoption freigeben, obwohl sie diese selbst versorgen könnten. Leitmotiv dafür sei die Kinderlosigkeit von Verwandten oder bessere Aussichten für die Ausbildung und späteren Wohlstand. Deshalb seien in der Vergangenheit in der Türkei ausgesprochene Adoptionen teilweise in Deutschland nicht anerkannt worden. Die von der Regierung Erdogan diskutierte "Rückholung" von rechtsgültig adoptierten Kindern sei mit dem Haager Abkommen aber nicht möglich.

Im Südwesten adoptieren mehrheitlich Stiefvater oder Stiefmutter die Kinder eines Partners aus einer früheren Beziehung. 2011 war dies bei 389 der 652 Adoptionen der Fall. 22 weitere fanden im Verwandtenkreis statt. Nur 241 der adoptierten Kinder und Jugendlichen hatten keine verwandtschaftliche Beziehung und davon kamen noch 130 aus dem Ausland.

Anfang 2012 waren in Baden-Württemberg 682 Adoptionsbewerber vorgemerkt, aber nur 67 Kinder und Jugendliche. Rechnerisch ist das Verhältnis damit nach wie vor bei 1 zu 10. Handlungsbedarf sieht das Sozialministerium auf diesem Feld trotzdem keinen.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 22.05.2013
  • Drucken
 
 
TICKER

Das Wetter in der Metropolregion

Mannheim - Prognose für 15 Uhr

14°

Das Wetter am 23.3.2017 in Mannheim: leicht bewölkt
MIN. 4°
MAX. 15°
 

 

Donald Trump

Trump ringt um Stimmen für umstrittene Gesundheitsreform

Am Donnerstag soll das Abgeordnetenhaus über die Abschaffung von «Obamacare» und eine neue Gesundheitsreform abstimmen- ganz so, wie es Trump im Wahlkampf versprochen hat. Aber dieses Votum gerät zu einer Zitterpartie: Eigene Parteifreunde wollen ihm nicht folgen. [mehr]

Kriminalität

Langes Warten auf Gerechtigkeit

Wiesbaden. Beim Entrümpeln einer Garage gefundene Körperteile haben die Polizei nach jahrelangen Ermittlungen auf die Spur des mutmaßlichen Serienmörders aus dem Taunus gebracht. Die Identität einer anderen toten Frau, die 2016 bei Mäharbeiten in einem Frankfurter Gebüsch gefunden wurde, ist… [mehr]

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR