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Jahresbilanz: Bonde fordert Kennzeichnungssystem für Fleisch, um tiergerechte Haltung zu fördern

Ferkel sollen es gut haben

Archiv-Artikel vom Freitag, den 08.08.2014

Von unserem Korrespondenten Peter Reinhardt

Dass Ferkel auf Spaltenböden ohne Stroh leben müssen, sehen Tierschützer als Verstoß gegen artgerechte Haltung.

© dpa

Stuttgart. In Baden-Württemberg ist die Zahl der Tierversuche in den letzten beiden Jahren deutlich zurückgegangen. "Verglichen mit 2011 haben die Versuche um 15 Prozent abgenommen", bilanziert Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne). Damit würden rund 90 000 Tiere weniger zu Versuchen benutzt. Für Bonde ist das eine "erfreuliche Entwicklung", die er aber "nicht genau erklären kann". Der Grünen-Politiker vermutet, dass die kritische Diskussion in Öffentlichkeit und Wissenschaft für den Abwärtstrend sorgt: "Es wird stärker gefragt, was ethisch vertretbar ist."

Die grün-rote Regierung fördert die Entwicklung von Alternativen zu Tierversuchen jedes Jahr mit 400 000 Euro. Für die Bearbeitung der Anträge aus der Forschung und von Unternehmen bekamen die Regierungspräsidien zwei zusätzliche Stellen. Nicht einmal Bonde will damit den Rückgang erklären: "Es wäre vermessen, dies auf konkrete Maßnahmen zurückführen."

Als Konsequenz aus Berichten über "erschreckende Zustände" bei der Haltung von Hühnern und Schweinen fordert Bonde ein einfaches System zur Kennzeichnung von Fleisch. Als Vorbild nennt er die Ziffern auf den Eierkartons, die von Null (Bio) bis Drei (entspricht den gesetzlichen Mindestanforderungen) gehen. In den Zwischenstufen könnte honoriert werden, ob die Tiere Auslauf haben oder in den Ställen mehr Platz bleibt.

Eine Exotin neben der Ministerialverwaltung

Seit April 2012 ist Cornelie Jäger hauptamtliche Tierschutzbeauftragte der baden-württembergischen Regierung. Nur Land Hessen leistet sich sonst für diese Aufgabe eine Stelle. Das Saarland und Berlin haben ehrenamtlich tätige Beauftragte.

Jäger hat Veterinärmedizin studiert und als Amtstierärztin gearbeitet. Vor ihrer Berufung war sie im Thüringischen Sozialministerium Referentin für Tierschutz und Tierarzneimittel. Ihr Stellvertreter Christoph Maisack ist als gelernter Jurist für alle rechtlichen Fragen zuständig.

Die Stabsstelle ist Ansprechpartner für Tierschützer. Für Bürger gibt es ein Tierschutztelefon. Sie erarbeitet Broschüren und wissenschaftliche Gutachten. pre

Probleme der Massenhaltung

Cornelie Jäger, die Landesbeauftragte für den Tierschutz, unterstützt den Vorstoß. Sie bemängelt, dass bisher Informationen über artgerechte Haltung fehlten. "Viele Verbraucher würden von Fall zu Fall mehr Geld ausgeben", glaubt sie.

Bonde kritisiert das Schnabelkürzen bei Küken und das Schwänzekürzen bei Ferkeln. "Das wollen wir nicht", betont der Minister. Solche Praktiken seien nicht hilfreich für die Akzeptanz der Tierhaltung. Er sei froh, dass Massenhaltung im Südwesten "selten ist oder keine Rolle spielt". Landesweit gebe es nur einen Brutbetrieb, der männliche Küken töte, weil für sie kein Markt existiere. Neue Ställe will er nur noch fördern, wenn Mindeststandards des Tierschutzes eingehalten werden.

Als Etikettenschwindel stuft Jäger die von großen Handelsketten gegründete "Initiative Tierwohl" ein. Zwar bekämen die Landwirte zusätzliches Geld. Aber es sei nicht gesichert, dass die Bedingungen in den Ställen besser würden. Jäger: "Es geht um die Verbesserung des eigenen Images der Ketten." Die Preisschlacht der Discounter gehe zulasten der Tiere.

Als Erfolgsgeschichte wertet Bonde die Berufung Jägers zur Tierschutzbeauftragten vor zwei Jahren. Ihre Vorstöße würden bundesweit beachtet. Eine vergleichbare Stelle gebe es lediglich noch im Nachbarland Hessen.

Der Informationsbedarf sei riesig, berichtet die Beauftragte. Von ihr würden Lösungsvorschläge zur Haltung von exotischen Tieren in Privathaushalten ebenso erwartet wie eine Beurteilung der Zustände in Schweineställen. Vermittelt hat sie am Runden Tisch zwischen Landwirten und Tierschützern im Streit um das Kürzen von Schnäbeln bei Küken. Gefragt war die Tierschutzbeauftragte auch bei der Schlichtung von Streitfällen. Da ging es zum Beispiel um die Auflösung von übergroßen Heimtierbeständen. Jäger: "Ganz unbeliebt ist das Thema Selbstüberschätzung von Tierhaltern." Manche seien schlicht überfordert. Ein großes Problem seien Kuscheltiere: "Es gibt Millionen von Heimtieren, für die sich niemand interessiert."

Jäger sieht den Tierschutz als Aufgabe der ganzen Gesellschaft. Deshalb ist sie dafür, dass Kommunen verwilderte Katzen kastrieren, um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern.

Bonde weiß um die wachsende politische Bedeutung des Tierschutzes. Deshalb kündigt der Grünen-Minister an, dass der Neu- und Ausbau von Tierheimen weiter gefördert wird. Insgesamt 1,7 Millionen Euro habe man bisher für 39 Projekte ausgegeben.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 08.08.2014
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