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Schulen: Baden-Württembergs SPD fordert Verankerung gleichgeschlechtlicher Lebensweise in Unterrichtsfächern

„Homosexualität als Pflichtstoff“

Archiv-Artikel vom Freitag, den 09.08.2013

Von unserem Korrespondenten Peter Reinhardt

Schulen sollen dafür sorgen, dass Homosexualität im Alltag akzeptiert wird.

© dpa

Stuttgart/Mannheim. Die SPD-Fraktion im baden-württembergischen Landtag will das Thema Homosexualität zum Pflichtstoff an allen Schulen machen. "Gerade die Schule ist der Ort, an dem Aufklärung über andere Lebensformen und sexuelle Identitäten stattfinden kann und soll", heißt es in einem bisher unveröffentlichten Positionspapier. Für den Parlamentarischen Geschäftsführer Stefan Fulst-Blei ist das weit mehr als eine Randnotiz: "Das ist eine pädagogische Leitidee, die in verschiedenen Fächern immer wieder thematisiert werden muss."

Für die Sozialdemokraten im Landtag besteht "dringender Handlungsbedarf". Das Themenfeld Homosexualität und die damit verbundenen Ängste seien in der Schule besonders ausgeprägt. "Deshalb wagen es die meisten Jugendlichen nicht, sich während der Schulzeit zu outen", heißt es in dem Papier. In einer Befragung hätten 35 Prozent der jungen Leute mit gleichgeschlechtlicher Veranlagung angegeben, dass sie einen Selbstmordversuch hinter sich hätten. Bei heterosexuellen Jugendlichen sei es nur jeder Zehnte.

Fulst-Blei verweist auf die besonderen Probleme bei jungen Migranten mit muslimischen Traditionen. Man müsse davon ausgehen, dass auch in diesen Gruppen ungefähr zehn Prozent schwul oder lesbisch sind. Diese Schätzung gelte für Lehrer wie Schüler, betont der Mannheimer SPD-Politiker.

Grün-rotes Herzensanliegen

  • In ihrem Koalitionsvertrag haben Grüne und SPD den Lesben und Schwulen ein eigenes Unterkapitel reserviert. Die Regierung werde Baden-Württemberg ein "neues, tolerantes Gesicht geben".
  • Bereits umgesetzt wurde die Gleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Paaren auf dem Standesamt. Die schwarz-gelben Vorgänger hatten auf Sonderregelungen bei der Eintragung solcher Partnerschaften beharrt.
  • Angekündigt wurde ein "Aktionsplan für Toleranz und Gleichstellung". Die Maßnahmen sollen Vorurteile gegenüber Homosexuellen abbauen. pre

Breite Verankerung

Die SPD-Abgeordneten wollen die Homosexualität und deren gesellschaftliche Probleme in allen weiterführenden Schulen breit in den Bildungsplänen festschreiben. Eine Reform wird ohnehin vorbereitet. "Wir haben die feste Zusage, dass das Thema an mehreren Stellen verankert wird", berichtet Fulst-Blei zum aktuellen Stand.

Als ersten Anknüpfungspunkt nennt das SPD-Papier die Sexualerziehung im Fach Biologie. Es dürften keine Unterschiede mehr gemacht werden zwischen Heteros, Homos und Bisexuellen. Im Gemeinschaftskundeunterricht ließen sich die Rechte von Homosexuellen bei den Grundrechten als Beispiel abhandeln. Die Genossen fordern eine Abbildung der gesellschaftlichen Realität auch in den Textaufgaben der Mathematik. In die Fragestellungen müssten künftig neben den Mutter-Vater-Kind-Familien auch die Lebensformen von Alleinerziehenden und Regenbogenfamilien mit gleichgeschlechtlichen Eltern thematisiert werden.

Viele Ansatzpunkte sehen die Sozialdemokraten auch in Deutsch. Es sollen Lese- und Sprachbücher genutzt werden, die mit ihren Texten eine freie Entfaltung der Persönlichkeit fördern. Konkret nennen sie lesbische Autorinnen wie Patricia Highsmith oder Christa Reinig oder deren schwulen Kollegen, Joseph Winkler. Im Geschichtsunterricht sei die Verfolgung und Deportation von Homosexuellen im Nazireich zu behandeln oder die antike Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Neigungen.

Zur thematischen Erweiterung des Unterrichts ist nach Ansicht von Fulst-Blei auch ein Umdenken der Lehrer notwendig. Die sollten für ein Klima der Akzeptanz sorgen und gegen Anfeindungen von homosexuellen Schülern eintreten. Auch im Lehrerzimmer müssten unterschiedliche Lebensentwürfe akzeptiert werden, damit "schwule Lehrer und lesbische Lehrerinnen für die Kinder und Jugendlichen ein positives Vorbild sein können". Der gelernte Lehrer betont: "Wir müssen Normalität einüben."

Die Landtags-SPD fordert auch Änderungen in der Lehrerausbildung. Die Pädagogen müssten auf Diskussionen über die Diskriminierung und Ächtung von Homosexuellen vorbereitet sowie für die Ängste der betroffenen Jugendlichen sensibilisiert werden.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 09.08.2013
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