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Katholische Kirche: Freiburgs Erzbischof Stephan Burger zu Sterbehilfe, Geschiedenen und möglichen Änderungen im Arbeitsrecht

„Leben bis zuletzt schützen“

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 09.12.2014

Von unserem Redaktionsmitglied Stephan Töngi

29. Juni 2014: Stephan Burger segnet nach seiner Bischofsweihe die Gläubigen im Freiburger Münster.

© dpa

Freiburg. Stephan Burger, neuer Erzbischof von Freiburg, bezieht klar Position: "Als Kirche sind wir gegen alle Formen der aktiven Sterbehilfe und der Beihilfe zur Selbsttötung." Andernfalls sieht er die Gefahr eines wachsenden Drucks auf Alte und Schwerkranke, "von dieser Option Gebrauch zu machen".

Wie sehr brennt den Katholiken das Thema Scheidung - zweite Heirat - Ausschluss von den Sakramenten auf den Nägeln?

Stephan Burger: Das beschäftigt in erster Linie diejenigen, die in einer solchen Situation leben. Hier hatte ich früher als Offizial - zuständig für Ehenichtigkeitsverfahren - viele Gespräche mit Betroffenen. Es ist wichtig, den Menschen zu helfen und sie nicht abzuschieben, wenn sie nach einer gescheiterten Ehe erneut eine Beziehung eingehen.

Erzbischof Stephan Burger

1962 in Freiburg geboren.

Studium der Philosophie und Theologie, Priesterweihe am 20. Mai 1990.

Nach Vikarsjahren in Tauberbischofsheim (Sankt Martin) und Pforzheim wurde Burger 1995 Pfarrer von St. Mauritius in St. Leon-Rot (Rhein-Neckar-Kreis).

2004 bis 2006 Aufbaustudium in Kirchenrecht. Von September 2007 bis Juni 2014 als Offizial der Erzdiözese Freiburg für kirchenrechtliche Fragen wie die Verfahren zur Annullierung von Ehen zuständig. Daneben Pfarrer im Kaiserstuhl.

Am 30. Mai 2014 Ernennung zum Nachfolger von Robert Zollitsch als Erzbischof von Freiburg durch Papst Franziskus, am 29. Juni 2014 Bischofsweihe. tö

Was dürfen Betroffene erwarten?

Burger: Dass die Kirche keine Pauschalisierung vornimmt, sondern das Lebensschicksal jedes Einzelnen ansieht und Hilfe anbietet. So habe ich mich immer gehütet, jemanden zu verurteilen.

Der Papst lässt prüfen, ob die Kosten für ein Verfahren zur Eheannullierung entfallen.

Burger: Papst Franziskus meint sicher nicht die Kosten in Deutschland. Wir verlangen eine Gebühr von 200, in zweiter Instanz von 100 Euro. Wenn Betroffene das nicht zahlen können, wird ein Nachlass gewährt. An den Finanzen scheitert bei uns ein solches Verfahren nicht.

Wann riskieren Geschiedene, die bei der Kirche angestellt sind, nicht mehr ihren Job?

Burger: Wer die Praxis kennt, weiß: Schon bisher läuft eine zweite zivile Heirat nicht zwangsläufig auf eine Kündigung hinaus. Es gibt eine abgestufte Verpflichtung zur Loyalität gegenüber der Kirche - je nach beruflicher Position und Nähe zur Verkündigung unserer Botschaft. Da müssen wir mit Blick auf die Menschen und die Glaubwürdigkeit der Kirche prüfen, was von welcher Mitarbeiterin und welchem Mitarbeiter erwartet werden kann.

Die Bischöfe haben diese Reform gerade vertagt. Dabei kursierten schon Details über Änderungen.

Burger: Für uns Bischöfe ist es wichtig, die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 20. November 2014 dazu genau zu studieren. Auch wenn diese höchstrichterliche Entscheidung das Selbstbestimmungsrecht der Kirche bekräftigt hat, wollen wir die "Grundordnung des kirchlichen Dienstes" überarbeiten - auch mit Blick auf die Loyalitätserwartungen. Bevor wir da nachjustieren, werden wir die Entscheidung des Verfassungsgerichts gründlich analysieren. Im nächsten Frühjahr wird eine Überarbeitung verabschiedet werden.

Es heißt, die Bischöfe sollten viel mehr Spielraum beim Umgang mit einem wiederverheiratet Geschiedenen erhalten, der für die Kirche arbeitet.

Burger: Diesen Spielraum gibt es schon jetzt. Und er wird in vielen Fällen auch genutzt. Wo alle Beteiligten die Glaubwürdigkeit der Kirche im Blick behalten und Provokationen vermeiden, lässt sich meist eine Lösung finden. Das Profil und der gute Ruf unserer Einrichtungen sind mir sehr wichtig: Dazu gehört zum Beispiel bei Kliniken auch, dass die Ärzte, die mich behandeln und operieren, erfahren und fachlich kompetent sind - unabhängig von ihrem Personenstand.

Thema Sterbehilfe: 2015 will der Bundestag darüber entscheiden.

Burger: Als Kirche sind wir gegen alle Formen der aktiven Sterbehilfe und der Beihilfe zur Selbsttötung. Deshalb sehen wir den Staat in der Pflicht, alle organisierten Formen der Hilfe zum Suizid unter Strafe zu stellen. Sonst laufen wir Gefahr, dass dies von Sterbehilfe-Organisationen wie eine Dienstleistung angeboten und wahrgenommen wird. Auch würde der Druck auf alle Alten, Schwerkranken und Pflegebedürftigen zunehmen, von dieser Option Gebrauch zu machen.

Warum überlässt die Kirche Todkranken, die ihr fernstehen, nicht die Entscheidung, einem langen Siechtum ein Ende zu setzen?

Burger: Diese Angst vor langem Leid und Schmerz kommt meist vor allem dort auf, wo Sterbende nicht sicher sind, ob sie ausreichend schmerztherapeutisch versorgt, bestmöglich gepflegt und von liebenden Mitmenschen am Lebensende begleitet werden. Wir können niemanden zwingen, und es liegt der Kirche auch nicht daran, Menschen, die ihr fernstehen, etwas aufzunötigen. Aber wir setzen uns dafür ein, das Leben bis zuletzt zu schützen und ein Sterben in Würde für jeden Menschen zu ermöglichen.

Manche Politiker schlagen vor, die Palliativmedizin zu verstärken.

Burger: Ärzten ist das ein großes Anliegen. Und Experten sagen: Palliativ können wir Menschen sehr viel Angst nehmen. Denn je besser Betreuung und Versorgung, je mehr Wertschätzung für Leidende, desto kleiner ist deren Wunsch nach Suizid.

Andere Vorschläge zielen darauf, die Zahl der Hospize zu erhöhen.

Burger: Ziel muss eine flächendeckende medizinische, pflegerische und seelsorgliche Begleitung von Schwerkranken und Sterbenden sein. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Kirchen mit ihren Sozialstationen, Kliniken und Wohnheimen helfen - durch Zusammenarbeit auch in der Ökumene - bei der Palliativ-Versorgung und der Hospiz-Arbeit in ambulanten und stationären Einrichtungen gerne mit. Und erfreulich viele sind als Hospiz-Helferinnen und -Helfer auch ehrenamtlich bereit, Menschen im Sterben beizustehen.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 09.12.2014
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