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Nürburgring: Das Aus für die Traditionsrennstrecke naht – Hockenheim hält sich bereit, aber die Zeit wird knapp

Pächter schlagen Alarm

Von den dpa-Korrespondenten Jens Marx und Marc-Oliver von Riegen

Sebastian Vettel bei seinem letzten Rennen auf dem Nürburgring. Derzeit ist völlig unklar, wo das nächste Deutschland-Heimrennen des Formel-1-Piloten stattfinden wird.

© dpa

Nürburg. Muss Sebastian Vettel als dreimaliger Formel-1-Champion kommendes Jahr ohne Heimrennen auskommen? Auf dem Nürburgring droht Stillstand. Die Alternative wäre der Hockenheimring. Doch die Zeit wird immer knapper.

Die Chancen für die Formel 1 auf dem insolventen Nürburgring 2013 werden kleiner. Nach dem Crash von Sanierern und Pächtern ist die Zukunft der weltbekannten Rennstrecke in der Eifel offen. Die Pächter warnten gestern vor einem Aus für den Ring, die Sanierer warfen ihnen eine "unverantwortliche Drohkulisse" auf Kosten der Beschäftigten, der Veranstalter und der Region vor. Sie sehen aber noch kein Aus und fordern, dass die Pächter den Ring räumen. Nun droht ein Rechtsstreit - Dauer offen.

Veranstalter verunsichert

Die Akteure

  • Welche Personen sind wichtig am Nürburgring und wer streitet sich? Ein Abriss der Sanierer und der Pächter:
  • Thomas Schmidt: Der Jurist ist Geschäftsführer des Rings, seit die staatliche Nürburgring GmbH insolvent wurde. Seit 1997 arbeitet er als Insolvenzverwalter - 2005 betreute er nach eigenen Angaben rund 15 Prozent aller bundesweit abgeschlossenen Insolvenzplanverfahren.
  • Jens Lieser: Der Rechtsanwalt ist sogenannter Sachwalter. Er ist am Ring der "verlängerte Arm" des Amtsgerichts Bad Neuenahr-Ahrweiler.
  • Jörg Lindner: Der Hotelier ist Geschäftsführer und Gesellschafter der privaten Nürburgring Automotive GmbH (NAG), die Pächterin ist. Lindner betrieb ein Hotel an der Rennstrecke, als das Land den Ring 2009 an ihn abgab.
  • Kai Richter: Der NAG-Mitgesellschafter übernahm mit Lindner den Ring-Betrieb. Gegen ihn läuft ein Verfahren wegen Untreue. lrs

Das führt bei Veranstaltern zu Unsicherheit. "Die Situation am Nürburgring ist sehr ernst und damit alles andere als erfreulich", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Der ADAC fordert ein Ende der Querelen. Es sei an der Zeit, "dass sich die Beteiligten darauf konzentrieren, den Ring neu auszurichten, anstatt für unnötige und überflüssige Schlagzeilen zu sorgen", sagte ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk. Die vereinbarten Veranstaltungen wie die 24 Stunden und der Truck Grand Prix fänden aber statt.

Auch "Rock am Ring"-Fans können sich freuen - in der Eifel wird auch 2013 gerockt. Der Standort Nürburgring für das Festival 2013 sei gesichert, teilte die Konzertagentur Marek Lieberberg in Frankfurt mit. Der Sanierungsgeschäftsführer und die privaten Pächter hätten im August den Termin vom 7. bis 9. Juni 2013 verbindlich bestätigt.

Der Anwalt der Betreiberfirma Nürburgring Automotive GmbH schrieb Sanierungschef Thomas Schmidt und Sachwalter Jens Lieser, der Fortbestand mit allen Arbeitsplätzen sei ebenso gefährdet wie die Formel-1-Rennen. Die Betreiber sehen nach Angaben ihres Sprechers Karl-Heinz Steinkühler derzeit keine Chance für weitere Gespräche, wenn sich die Sanierer nicht auf sie zubewegen. "Jetzt bereiten wir uns darauf vor, dass das normale Verfahren vor dem Landgericht Koblenz läuft."

Die Sanierer sprechen von einer einseitigen Beendigung der Gespräche, hoffen aber noch auf eine gütliche Einigung. "Wir sind in der Lage, das operative Geschäft zu übernehmen", teilte Lieser mit. Die Sanierer wollten schon bald mit Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone verhandeln. Den Beschäftigten werde ein Arbeitsplatz zu gleichen Konditionen wie bisher angeboten. "Vorausgesetzt: Die NAG räumt den Ring." Ein Gespräch mit Ecclestone am Donnerstag hatten die Pächter des Kurses abgesagt.

Das Land Rheinland-Pfalz hatte den Pächtern im Februar gekündigt. Seitdem liefen Verhandlungen - erst mit dem Land, dann mit den Sanierern. Die Pächter werfen ihnen vor, dass ein Vertrag zur Ring-Zukunft vor Unterzeichnung in weiten Teilen geändert worden sei. Obwohl die Formel 1 am Ring offen ist, führen die Verantwortlichen in Hockenheim derzeit keine Gespräche mit Formel-1-Chef Ecclestone. Auf dem badischen Kurs hatte Vettels WM-Widersacher Fernando Alonso am 22. Juli seinen bis dato letzten Sieg gefeiert.

"Wir stehen nicht in Verhandlungen mit der FOA (Formula One Administration). Deshalb gehen wir davon aus, dass der Grand Prix im Jahre 2013 auf dem Nürburgring stattfinden wird", sagte Hockenheims Oberbürgermeister Dieter Gummer. "Jetzt läuft im Grunde genommen schon das Weihnachtsgeschäft für die Veranstaltungen 2013 und es wäre sicherlich sehr schwierig, so kurzfristig noch die Formel 1 zu stemmen", so Gummer weiter. Bevor Vettel ohne Heimrennen im nächsten Jahr dasteht, "würden wir auf jeden Fall gesprächsbereit sein, versicherte Gummer.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 15.11.2012
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