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Finanzen: Steinbrück und Achleitner diskutieren in Mannheim

Von Bankbeamten, Boni und billigem Wein

Von unserem Redaktionsmitglied Justin Pietsch

Mannheim. Bis in die 1980er Jahre war die Bankenwelt noch in Ordnung - sagt Peer Steinbrück, ehemaliger Bundesfinanzminister. "Der Bankensektor war etwas sehr Solides, sehr Verlässliches." Seine Eltern nannten den Angestellten, der sie beriet, nicht Berater, sondern "Bankbeamten". "Dabei waren das gar keine Beamten", sagt Steinbrück. Alles anders nach der Finanzkrise.

Neben Steinbrück auf dem Podium des Mannheim Forum 2014 der Uni sitzen Paul Achleitner, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, und Frank Plasberg, der moderiert. Es geht um Macht und Banken, genauer: wie man sie regulieren sollte.

Steinbrück (Bild oben) sagt, die globalen Finanzströme flössen heute viel schneller, viel mehr, Banken stünden unter enormem Renditedruck. Die Fantasie beflügele Banker, sich Finanzprodukte auszudenken. "Da brauchen wir international verbindliche Spielregeln." Wenn eine großes Institut scheitere, dann rufe es nach dem Geld der Steuerzahler. Diese "Erpressbarkeit der Politik" dürfe nicht sein. Es seien zwar Maßnahmen getroffen worden, aber: "Die Frage ist, ob dadurch eine Zuspitzung wie 2008 verhindert werden kann", sagt Steinbrück. "Und da bin ich mir nicht so sicher." Das Investmentbanking sieht er als Unsicherheitsfaktor, der "hart durchschlagen könnte".

"Da sind Dinge aus dem Ruder gelaufen und auch geändert worden", sagt dagegen Achleitner (Bild unten). Doch eine Trennung des Bankgeschäfts in Investmentbanking und Kundengeschäft lehnt er ab. Die Politik greife ja bereits regulierend ein. Die hohen Boni, die ausgeschüttet werden - er spricht von "variablen Vergütungen" - verteidigt er: Die hingen mit betriebswirtschaftlichen Prinzipien zusammen, nicht aber mit der "Gier der Banker".

In einer Sache sind sich Steinbrück und Achleitner sehr einig. Achleitner hatte mal erzählt, er würde lieber an der Stange tanzen, als seinen Enkelkindern zu sagen, dass er bei Goldman Sachs gearbeitet hat. Damit konfrontiert, sagt er: "Heute kann man nicht mal mehr einen Witz machen, ohne dass der in der Zeitung steht." Darauf Steinbrück, grinsend: "Das kann ich nachvollziehen." Er war im Wahlkampf mit der Aussage zitiert worden, Wein für unter fünf Euro fasse er nicht an. Nun, scherzt er, dürfe es aber auch billigerer Wein sein: "Für 99 Cent."

© Mannheimer Morgen, Samstag, 15.03.2014
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