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Mordvorwurf: Fans des südafrikanischen Paralympics-Stars fassungslos / Tatwaffe sichergestellt

Der Fall Pistorius – ein Land im Schockzustand

Von dpa-Korrespondent Laszlo Trankovits

Oscar Pistorius und seine Freundin Reeva Steenkamp im November 2012 in Johannesburg.

©  dpa

Johannesburg. Südafrika ist schockiert: Ein Idol, der Olympia-Star Oscar Pistorius (26), steht unter Mordverdacht. Das US-Magazin "Time" zählt den Athleten aktuell zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Im Zentrum einer Tragödie steht ein Mann, der für ganz Südafrika als ein Muster an Disziplin, Fleiß und Ehrgeiz galt. Fassungslos reagierten seine Fans nach den ersten Berichten über den Vorwurf. "Oscar wir beten für Dich, Du bist nicht alleine, bleib stark", schrieb eine Anhängerin auf Pistorius' Facebook-Seite. Die TV-Sender Südafrikas berichteten fast ununterbrochen.

Pistorius war ein großer Kämpfer, sei es als Sportler, sei es im Streit gegen den Leichtathletikweltverband, der ihm zunächst einen Start gegen nichtbehinderte Sportler verweigern wollte. Nun steht Pistorius vor dem größten Kampf seines Lebens. Südafrika muss sich vermutlich auf einen spektakulären Prozess vorbereiten. Denn die Polizei scheint sich sicher, dass er seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen hat.

Auch wenn sich die Behörden noch sehr bedeckt hielten, scheint es kaum einen Zweifel am Tathergang zu geben: Das 30-jährige Starmodell wurde gestern früh in Pistorius' Haus in Pretoria von mehreren Schüssen tödlich getroffen. Nachbarn berichteten, sie hätten zuvor eine lautstarke Auseinandersetzung im Haus des Paralympics-Sieger mitbekommen, der weltweit als "Blade Runner" bekannt war.

Oscar Pistorius

  • Geburt: Am 22. November 1986 in Sandton/Südafrika.
  • Behinderung: Er wird durch einen Gendefekt ohne Wadenbeine und äußere Fußseiten geboren. Im Alter von elf Monaten werden ihm beide Beine unterhalb der Knie amputiert.
  • Erfolge: insgesamt sechs Goldmedaillen über 100, 200 m, 400 m und 4 x 100 m bei den Paralympics 2004 - 2012. Halbfinale über 400 m bei den Olympischen Spielen 2012 in London.

Für die Polizei steht Pistorius, der im Sommer 2012 als erster beidseitig amputierter Sportler auf Hightech-Karbon-Prothesen bei Olympischen Spielen startete, unter dringendem Mordverdacht. "Völlig überrascht" seien die Beamten gewesen, so die Polizeisprecherin Denise Beukes, als erste Medienberichte in Südafrika von "versehentlichen Schüssen gegen einen vermeintlichen Einbrecher" sprachen. Es habe keine Hinweise auf ein gewaltsames Eindringen in das Gebäude gegeben. Pistorius war der Einzige, den die Beamten am Tatort neben dem Opfer fanden. Auch die mutmaßliche Tatwaffe, eine Pistole vom Kaliber 9 Millimeter, wurde sichergestellt.

Der Profisportler lebte wie viele wohlhabende Südafrikaner hinter hohen Mauern und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Geschützte Luxus-Siedlungen sind eine Reaktion auf die beängstigend hohe Kriminalität in Südafrika. Die Mordrate ist etwa 20- bis 30-fach so hoch wie in Deutschland.

Reeva Steenkamp war in Südafrika ein durch Fernsehshows und Werbespots bekanntes Gesicht. Die 30-Jährige hatte noch am Tag vor ihrem Tod getwittert, wie sehr sie sich auf den Valentinstag freue: "Es sollte für jeden ein Tag der Liebe sein", schrieb sie. Das Model, das auch ein Jurastudium abgeschlossen hat, war eine von sieben Prominenten, die gerade bei der südafrikanischen Variante von "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" angetreten sind. Die erste Episode sollte morgen ausgestrahlt werden.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 15.02.2013
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