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Gesundheit: Die hohen Zuwachsraten an Konsumenten machen Experten Angst / Besonders über die tschechische Grenze kommt der weiße Stoff nach Deutschland

Hochgefährlich – die Modedroge Crystal

Dresden. Die Frau wirkt fahrig. Gestenreich erklärt sie, dass bei ihr nichts zu finden sei. Doch die Beamten vom Hauptzollamt Dresden kennen alle Kniffe und Tricks. Manchmal hilft auch das Bauchgefühl weiter. So wie bei der Frau. Sie steht unter Drogen, hat Crystal konsumiert. Den teuflischen Stoff kann man sich problemlos in Tschechien besorgen. Auf sogenannten Vietnamesenmärkten ist das weiße Pulver Alltagsware. "Crystal ist leicht verfügbar, muss nicht von Dealern bezogen werden. Man deckt sich selbst ein", sagt die Sprecherin des Hauptzollamtes, Heike Wilsdorf.

Experten machen die hohen Zuwachsraten Angst. Während Wilsdorfs Kollegen 2010 ganze drei Fälle registrierten, wurden im Jahr darauf 78 Menschen mit Crystal in den Taschen aufgegriffen. 2012 waren es bereits 250. Dabei kann man über die Dunkelziffer nur mutmaßen. Die Diakonie in Sachsen hatte unlängst eine drastische Zunahme von Crystal-Abhängigen in ihrer Suchtberatung vermeldet. Auch im Süden Brandenburgs und in Bayern wird die Droge geschnupft.

2012 hatten sich in Sachsen etwa 3500 Crystal-Konsumenten bei der Suchtberatung gemeldet. Menschen, die nach Ansicht von Diakonie-Referent Helmut Bunde "nicht mehr weiter wissen". Vielen Abhängigen sieht man die Sucht an. Zollbeamter Dieter B. hat bei seinen Kontrollen Leute gesehen, die mit Anfang 20 keine Zähne mehr hatten. Crystal wird meist geschnupft und macht schnell abhängig. Die synthetische Droge löst Psychosen und Hirnschäden aus, weil sie großflächig Nervenzellen abtötet. Verfolgungswahn und Gedächtnisstörungen folgen auf anfängliche Euphorie.

Die vergleichsweise niedrigen Kosten machen Crystal schon für junge Menschen erschwinglich. Laut Zoll kostet ein Gramm Crystal "im Einkauf" zwischen 20 bis 30 Euro, in Deutschland wird es für rund 80 Euro weiterveräußert. Ein Problem sehen Experten darin, dass Crystal ohne besonderes Wissen herzustellen ist. Die Laborgeräte und Zusatzstoffe sind frei im Handel erhältlich. "Crystal kann man aus Arzneimitteln herstellen, die es in jeder Apotheke gibt. Die Anleitung findet sich im Internet", so Wilsdorf.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) macht für das Problem auch die rechtliche Situation in Tschechien verantwortlich. Dort habe man den "Drogenbesitz zum Eigenbedarf" erleichtert. "Eine Gesetzesänderung wäre ein wichtiger Schritt zur Eindämmung dieser Suchtgefahr." Inzwischen gibt es eine Kurskorrektur in Prag: Tschechien hat angekündigt, den Handel mit Crystal stärker zu bekämpfen. Eine Arbeitsgruppe von Zoll, Polizei und Gesundheitsbehörden soll das Vorgehen gegen Drogenschmuggler koordinieren. Zudem plant Prag, die zum Eigenverbrauch erlaubte Menge Crystal zu verringern. dpa

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 14.02.2013
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