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Überfälliges Urteil

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 06.02.2013

Von Madeleine Bierlein

100 000 Euro - das ist das höchste Schmerzensgeld, das jemals einem Vergewaltigungsopfer in Deutschland zugesprochen worden ist. Erhalten soll es eine Frau, die als 16-jährige Schülerin ein dreitägiges Martyrium erleben musste und noch heute unter den Folgen der Tat leidet. Mit seinem Urteil stellt das Landgericht Wuppertal die bisher übliche Praxis in Frage - zu Recht.

Schmerzensgeldzahlungen sind nach deutschem Recht eine Art Ausgleichszahlung. Sie sollen das Opfer für das ihm zugefügte Leid entschädigen. Damit unterscheidet sich das hiesige System zum Beispiel von dem der USA, das mit seinen hohen Zahlungen zusätzlich abschrecken will (was sich in der Praxis allerdings nicht bewährt hat).

Doch auch wenn sich seelisches Leid kaum in Zahlen fassen lässt und 100 000 Euro die Qualen der jungen Frau nicht ungeschehen machen können: Dies sind keine Gründe, auf Lebenszeit traumatisierte Opfer mit symbolischen Zahlungen abzuspeisen. Immaterielles Leid existiert real, und es wiegt fast immer schwerer als ein materieller Schaden. Dem trägt das Urteil Rechnung.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 06.02.2013
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