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Mittwoch, 22.03.2017

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Südsudan: Die Unabhängigkeit hat dem jungen afrikanischen Staat weder Wohlstand noch Demokratie gebracht / Politische Führung verstrickt sich in Machtkämpfe und ignoriert die Zivilbevölkerung

Der Alltag heißt Krieg – Frieden ist ein Fremdwort

Von unserem Korrespondenten Markus Schönherr

Die Zahl der flüchtenden Menschen im Südsudan geht in die Millionen - die meisten davon suchen Zuflucht im eigenen Land, aber auch Uganda, Kenia und Äthiopien sind betroffen.

© Ärzte ohne Grenzen

Die drastische humanitäre Krise im Südsudan ist teils hausgemacht. Denn nicht nur die Dürre hat zur Nahrungsmittelknappheit geführt, sondern auch ein jahrelanger Bürgerkrieg.

Rauchschwaden hängen über den Dächern der Hauptstadt. Die Straßen sind leer. Hin und wieder donnert ein Militärkonvoi vorbei. Durchbrochen wird die Stille nur vom Knattern der Kalaschnikows. Ein Plakat am Straßenrand begrüßt die Besucher - die jedoch ausbleiben: "Willkommen in der jüngsten Nation Afrikas."

Nach längerer Waffenruhe waren im Juli 2016 erneut Feuergefechte in Südsudans Hauptstadt Juba ausgebrochen. Die Kämpfe zwischen Regierungssoldaten und Rebellen forderten 300 Tote. Mehr als 40 000 Menschen mussten allein in vier Tagen fliehen. Die Tage des Chaos seien Amnesty International zufolge durch das Brandschatzen der südsudanesischen Armee überschattet gewesen - die Soldaten hätten "Zivilisten absichtlich getötet, Frauen und Mädchen vergewaltigt und Eigentum geplündert". Erstmalig wurden dort internationale Helfer die Opfer von Kriegsverbrechen, als Soldaten das "Hotel Terrain" stürmten und mehrere US-Amerikanerinnen vergewaltigten.

Rechtsanwalt Biel Boutros

Biel Boutros ist Direktor der "Gesellschaft Südsudanesischer Menschenrechtsanwälte" (SSHURSA).

2007 wurde die Organisation von südsudanesischen Anwälten und Studenten in Uganda gegründet mit dem Ziel, Menschenrechte und eine demokratische Gesellschaft im Südsudan zu fördern.

Boutros wurde über die Jahre zum herausragenden Kritiker von Südsudans politischer Führungsriege.

Sogar im ugandischen Exil, wo Boutros als Flüchtling registriert ist, achtet der Regimekritiker aus Vorsicht immer stärker auf seine Worte.

Seit der Südsudan 2011 unabhängig wurde, hat sich die Lage südsudanesischer Friedensaktivisten zusehends verschlimmert, so auch für den Menschenrechtsanwalt Boutros.

Jetzt soll die Regierung des Südsudan in Juba eine Gruppe von Geheimdienstmitarbeitern losgeschickt haben mit der Mission, Boutros zu entführen und in den Südsudan zurückzubringen. msc

Gefahr eines Völkermords

"Präsident Salva Kiir hat niemanden zur Rechenschaft gezogen", sagt der südsudanesische Menschenrechtsanwalt Biel Boutros. "Die Militärkommandeure, die für diese abscheulichen Verbrechen und Menschenrechtsvergehen verantwortlich sind, waren stets enge Verbündete des Präsidenten." Einer von ihnen brach jetzt aus den Rängen aus. Aus Protest verließ Generalleutnant Thomas Cirillo Swaka seinen hohen Armeeposten, nachdem er Kiir beschuldigt hatte, "ethnische Säuberungen" angeordnet zu haben. Die Regierung bestritt die Aussage. Doch wie Cirillo warnte auch die UNO 2016: Der Südsudan drohe zum Schauplatz eines neuen Völkermords zu werden.

2011 hatten die Südsudanesen die neue Landesflagge geschwungen, um ihre Unabhängigkeit zu feiern und damit das Ende der jahrelangen Unterdrückung durch den arabisch geprägten Norden. Zwei Jahre später beschuldigte Präsident Kiir seinen Vize Riek Machar jedoch, einen Staatsstreich zu planen. Machar ging in den Untergrund - und startete eine Rebellion. In dem bis heute währenden Bürgerkrieg starben bisher rund 50 000 Menschen. Weitere 3,4 Millionen Menschen mussten fliehen. Zwar einigten sich die Erzfeinde 2015 auf einen Friedensprozess, indes geht das Sterben unvermindert weiter. Machar floh ins Exil nach Südafrika.

Belastend kommt hinzu, dass fast sechs Jahre nach der Unabhängigkeit die Grenzen zwischen den beiden Sudans immer noch nicht eindeutig geklärt sind. Weder auf der Landkarte noch in den Köpfen der Bewohner. Abyei liegt an der Grenze zwischen Sudan und Südsudan. Mit ihrem Ölreichtum ist die umstrittene Stadt Sinnbild für den Nord-Süd-Konflikt: 2011 nahm der Südsudan drei Viertel der Ölvorräte mit, Sudan behielt die Raffinerien und Exporthäfen. Jetzt rief Sudans autokratischer Präsident Omar al-Bashir die Bewohner auf, sudanesische Personalausweise zu beantragen - ihre Stadt gehöre dem Sudan.

Provinz Südkurdufan. Besorgt blicken die Bewohner in den Himmel, halten Ausschau nach den Antonovs der sudanesischen Luftwaffe. Wann immer diese ihre Bomben auf die Dörfer abwerfen, suchen die Bewohner Schutz in Erdlöchern. Zwar hatte al-Bashir, dessen Regierung dort separatistische Rebellen vermutet, eine Waffenruhe ausgerufen. Doch vergangenen Monat brachen im Süden des Sudan erneut Kämpfe zwischen Regierung und Rebellen aus. In der westlichen Provinz Darfur starben in dem Konflikt seit 2003 mindestens 300 000 Menschen - 2,5 Millionen wurden vertrieben.

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