DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Sonntag, 07.02.2016

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken
  • Senden

Medizin: Das Medikament „Truvada“ soll das Risiko neuer HIV-Infektionen verringern – einen sicheren Schutz vor dem tödlichen Virus bedeutet das nicht

Die Pille „davor“ – Fluch oder Segen?

Archiv-Artikel vom Freitag, den 20.07.2012

Von dpa-Korrespondent Thilo Resenhoeft

Berlin. Der Erfinder bekäme wohl sofort den Nobelpreis für Medizin: eine Pille, die sicher vor der Infektion mit dem Aidserreger HIV schützt. Damit ließe sich dem millionenfachen Tod durch einen der schlimmsten Seuchenzüge Einhalt gebieten. Ein solches Präparat gibt es aber nicht, und es zeichnet sich auch nicht ab. In den USA wurde nun eine Kombination bekannter Wirkstoffe gegen das Aidsvirus mit dem Markennamen "Truvada" auch zur vorbeugenden Behandlung zugelassen. Mediziner sprechen von einer Präexpositions-Prophylaxe (PrEP).

Der Gedanke: Menschen in Risikogruppen, etwa homosexuelle Männer oder Drogenabhängige, die nicht mit HIV infiziert sind, nehmen die Pillen regelmäßig. Deren Wirkstoffe breiten sich im Körper aus. Falls das Virus dann - etwa beim ungeschützten Sex oder durch eine verseuchte Nadel - in den Körper kommt, kann es die Zellen schlechter infizieren und sich schwerer in ihnen vermehren. Auf diese Weise wird das Risiko, sich zu infizieren, verringert. Aber: Es besteht fort.

In "Truvada" finden sich die Wirkstoffe Tenofovir und Emtricitabin. Beide erschweren es dem Virus, seine Erbsubstanz in die zur Infektion des Menschen nötige Fassung zu

bringen. "Truvada" ist in den USA seit 2004 zugelassen - zur Behandlung von HIV-infizierten Erwachsenen und Kindern über zwölf. "Truvada" ist auch in Deutschland zugelassen, nicht aber zur Vorbeugung. 30 Tabletten kosten laut Apothekenpreisliste 819,01 Euro.

Die US-Arzneibehörde FDA stützt sich bei ihrer Zulassung auch auf zwei Studien. In diesen

wurde das Risiko einer Infektion signifikant verringert. Einmal um 42 Prozent, in einer Studie der US-Gesundheitsbehörden (NIH) mit 2500 HIV-negativen schwulen und bisexuellen Männern. Eine zweite Studie an der Universität Washington brachte ein um 75 Prozent verringertes Risiko. Untersucht wurden dabei laut FDA etwa 4800 heterosexuelle Paare, bei denen einer der Partner HIV-positiv war und der zweite nicht.

Die einen sehen diese Ergebnisse als Erfolg. Sie rechnen hoch, dass sich durch die Pillen viele neue Infektionen und letztlich Kosten verhindern lassen. Jede einzelne verhinderte Infektion zähle, egal ob durch Aufklärung, Abstinenz, Kondome oder PrEP. Kritiker verweisen auf jene Neuinfektionen, die sich durch "die Pille davor" nicht verhindern ließen. Das UN-Aidsprogramm UNAIDS begrüßte die Zulassung. Aber es ergänzte: "Keine einzelne Maßnahme schützt vollständig vor der HIV-Infektion, daher empfiehlt UNAIDS mit Nachdruck eine Kombination aus verschiedenen Präventionen, darunter Kondome für Menschen in Risikogruppen."

© Mannheimer Morgen, Freitag, 20.07.2012
  • Drucken
  • Senden
 
 
TICKER

Das Wetter in der Metropolregion

Mannheim - Prognose für 15 Uhr

Das Wetter am 7.2.2016 in Mannheim: Regen
MIN. 6°
MAX. 10°
 

Wissenstest

175 Jahre Kindergarten - wie gut kennen Sie sich aus?

Wir alle haben ihn besucht, als wir jung waren: den Kindergarten. Seit 175 Jahren gibt es die Einrichtung nun, doch auf wen geht sie eigentlich zurück? Welche Rolle spielt die Bildung im Kindergarten? Und in welchem Alter lernen Kinder am besten? Testen Sie ihr Wissen!

[mehr]

Kontakt zur Redaktion Vermischtes

Telefon 0621/392-1313
Fax 0621/392-1373

Schreiben Sie uns eine E-Mail!

Diagnose von Zika

Das mysteriöse Zika-Virus - Fakten und Fragen

In nur wenigen Monaten hat sich das Zika-Virus explosionsartig in Lateinamerika ausgebreitet. Doch geht davon wirklich eine Gefahr aus? Experten rätseln noch. [mehr]

Rosenmontagszug Düsseldorf

Düsseldorfer Rosenmontagszug: Entscheidung am Montag

Absage oder nicht? Fast bis zur letzten Minuten wollen sich die Jecken in Düsseldorf die Entscheidung offen halten, ob sie den Rosenmontagszug wegen eines Sturmtiefs absagen. Meteorologen sind nicht sehr optimistisch. [mehr]

Prozess um Bandenbetrug am Landgericht Mannheim

Familie muss sich vor Gericht verantworten

Als sie ihre Tochter sieht, kommen Graziella O. die Tränen, sie schluchzt und schickt mit sehnsuchtsvollem Blick einen Handkuss zu ihrer Jüngsten. Großes Gefühlskino spielt sich da gestern am Landgericht ab, knallhart dagegen kommen die Vorwürfe des Staatsanwalts daher. [mehr]

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR