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Psyche: Am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim lernen chronische Schmerzpatienten, gesund

„Fokus soll auf angenehmen Aktivitäten liegen“

Von unserem Redaktionsmitglied Madeleine Bierlein

Zu jeder multimodalen Therapie gehört auch die Einbeziehung der Psyche. Dr. Martin Diers vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim hält eine Psychotherapie für chronische Schmerzpatienten für äußerst wichtig.

Welche Rolle spielt die Psyche beim Schmerz?

Martin Diers: Das Wohlbefinden hat generell Einfluss darauf, wie man auf Schmerz reagiert. Wer über eine stabile, gute Psyche verfügt, der kann in der Regel besser mit Schmerz umgehen. Die Zahlen zeigen, dass viele chronische Schmerzpatienten komorbid sind, das heißt, sie leiden unter mehreren Krankheiten, oft unter Depressionen. Und auch auf den Schmerz hat die Stimmung einen großen Einfluss.

Zur Person

  • Martin Diers ist Psychologe und psychologischer Psychotherapeut.
  • Er arbeitet am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim (ZI).
  • Seit 2009 ist er Bereichsleiter für Schmerz und Tinnitus an der dortigen Hochschulambulanz.

Was nützt diese Erkenntnis den Patienten?

Diers: Sie können in einer ambulanten Psychotherapie lernen, sich anders zu verhalten, um gesundes Verhalten zu erlangen.

Können Sie Beispiele dafür nennen?

Diers: Sie lernen Schmerzverhalten - wie Humpeln, Stöhnen, sich vom Partner alle Aufgaben, zum Beispiel im Haushalt, abnehmen lassen - zu erkennen und zu vermeiden. Auch sollten Sie nicht dauernd über ihre Schmerzen reden und sich nicht zurückziehen. Besser ist es, rauszugehen, sich abzulenken. Der Fokus des Patienten soll auf angenehmen Aktivitäten, nicht auf dem Schmerz liegen. Das Ziel ist schließlich, Schmerz zu löschen.

Und das funktioniert?

Diers: Die von uns im Rahmen einer Studie angebotene Verhaltenstherapie hat sich sowohl bei Patienten mit chronischem Rückenschmerz als auch mit anderen Schmerzsyndromen als sehr wirksam erwiesen. Die Therapie umfasst 25 bis 45 Einzelsitzungen mit ein- bis zweistündigen Terminen pro Woche. Eine unterstützende Physiotherapie fördert den Aufbau der Muskeln.

Wie wichtig ist die Mitarbeit von Familienmitgliedern?

Diers: Wir versuchen, Partner oder andere Bezugspersonen als Co-Therapeuten einzusetzen. Sie lernen, gesundes Verhalten zu verstärken und Schmerzverhalten zu ignorieren beziehungsweise davon abzulenken und können so helfen, den Patienten zu aktivieren.

Welche Rolle spielt die Schmerzursache in der Verhaltenstherapie?

Diers: Sie ist wichtig, und wir erfragen sie auch. Bei der Therapie von chronischen Schmerzen tritt die Ursache aber schließlich in den Hintergrund. Denn in diesen Fällen geht es nicht mehr so sehr um den Ursprung des Schmerzes, sondern um das, was ihn aufrecht erhält.

Wie wichtig ist die psychologische Behandlung in der Schmerztherapie?

Diers: Die medikamentöse Therapie ist meist der erste Schritt. Und es gibt Schmerzpatienten, deren Beschwerden man durch Medikamente in den Griff bekommt. Aber die schweren chronischen Fälle bleiben meiner Erfahrung nach ohne Psychotherapie auf der Strecke.

Dienstag, 16.10.2012
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