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Luftverkehr (mit Fotostrecke): 150 000 Menschen demonstrierten 1981 in Wiesbaden gegen die am Frankfurter Flughafen geplante Startbahn – verhindern konnten sie den Bau aber nicht

Grießsuppe für die Gegner der vier Kilometer langen Betonpiste

Archiv-Artikel vom Samstag, den 12.04.2014

Von unserem Korrespondenten Gerhard Kneier

15.11.1981: Demonstranten bringen den Verkehr auf der Autobahn zum Erliegen.

2.11.1981: Eine Spezialeinheit der Polizei geht gegen die Demonstranten vor.

Die Kirche im Hüttendorf: Pfarrer Kurt Oeser (r.) spricht mit Umweltschützern.

Die Startbahn West, Symbol des Widerstands gegen Großprojekte, wird 30 Jahre alt. Von ihr hebt heute mehr als jedes zweite Flugzeug in Frankfurt ab. Doch die erbitterten Proteste sind nicht vergessen.

Vor 30 Jahren herrschten noch geordnete Verhältnisse: Der hessische FDP-Wirtschaftsminister Heinz Herbert Karry setzte gegen erbitterte Widerstände die Erweiterung des Frankfurter Flughafens durch. Und der kleine Tarek Al-Wazir wurde gelegentlich von seiner Mutter zu Demonstrationen gegen den Bau der Startbahn West mitgenommen. Heute ist Al-Wazir 43 Jahre alt und bekleidet als Grünen-Politiker selbst das Amt des hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministers - einschließlich der Verantwortung für den Frankfurter Flughafen.

Die vor genau drei Jahrzehnten, am 12. April 1984, in Betrieb genommene Startbahn West ist längst kein Streitpunkt mehr. Aus dem Flugsystem von Deutschlands größter Luftverkehrsdrehscheibe "ist sie gar nicht mehr wegzudenken", wie es ein Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport formuliert. Doch die Ironie des Schicksals will es, dass auch Al-Wazir einen Gutteil seiner Zeit mit den Folgen einer Flughafenerweiterung verbringen muss.

Startbahn West

Die Startbahn 18 West am Frankfurter Flughafen verläuft in Nord-Süd-Richtung. Von der Piste werden etwa 60 Prozent der Starts von Frankfurt abgewickelt, alle Maschinen starten in Richtung Süden.

Die Bezeichnung "18 West" wird von der Lage bestimmt: 18, weil die Bahn exakt in Richtung Süden, nach dem Kompass also in Richtung 180 Grad, ausgerichtet ist. "West", weil sie westlich der Terminals liegt.

In zweieinhalb Jahren wurde die vier Kilometer lange und 60 Meter breite Betonpiste fertiggestellt und am 12. April 1984 eröffnet. Ihr mussten rund 200 Hektar Wald weichen. dpa

Diesmal geht es nicht um eine Startbahn, sondern die vor zweieinhalb Jahren eröffnete Landebahn Nordwest und den von ihr ausgehenden Fluglärm in der gesamten Region. Hinzu kommt das umstrittene Vorhaben der Fraport AG, dem Airport noch ein neues, drittes Terminal zu verpassen. Und Al-Wazir soll jetzt als zuständiger Ressortminister das Kunststück fertigbringen, einerseits die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens zu stärken und andererseits den Fluglärm sowie ungehemmtes Wachstum mit immer mehr Maschinen einzudämmen.

"Widerspruch in sich"

"Ein Widerspruch in sich - das erinnert an die Quadratur des Kreises", sagt Dirk Treber, als Gründer der Bürgerinitiative gegen die Flughafenerweiterung 1978 ein Urgestein der Anti-Startbahn-Bewegung und heute noch Vorsitzender der Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms. Er ist selbst Mitglied der Grünen und gehörte Anfang der 1980er Jahre zeitweise auch deren Landtagsfraktion an. Bei der Landesmitgliederversammlung im Dezember hat Treber gegen den Koalitionsvertrag mit der CDU gestimmt. Trotzdem hält er die Ziele - weniger Flugbewegungen als bislang geplant und mehr Ruhe vor Fluglärm - für keinen Fehler. "Bisher ist davon leider noch nichts zu spüren, aber ich lasse mich gerne positiv überraschen", sagt der heute 62-Jährige.

Der Widerstand gegen die Startbahn West habe sein ganzes Leben geprägt, so Treber. "Anfangs waren es nur 15 Leute, doch es wurden immer mehr", erinnert er sich. Ähnlich wie ihm ging es anfangs vielen: "Mit der Startbahn West sollte der Flugbetrieb direkt vor unsere Haustür in Mörfelden kommen, das hat zum Engagement motiviert." Immer mehr Gemeinden schlossen sich an, erst Walldorf, dann Rüsselsheim, Groß-Gerau, Kelsterbach, Nauheim, Flörsheim, Neu-Isenburg. Auch Kommunalpolitiker und Kirchengemeinden schlossen sich an. Insgesamt wuchs die Bewegung auf 30 Bürgerinitiativen an. Vor Gericht hatten sie keinen Erfolg. Die vom Betreiber schon seit den 1960er Jahren angedachte Startbahn zur Optimierung des Flugbetriebs wurde gebaut.

Erste Großdemo

Bereits im Dezember 1978 hatte das Land Hessen der Flughafengesellschaft 303 Hektar Land verkauft, auf denen ein Holzeinschlag von 129 Hektar vorgesehen war. Im Mai 1980 ordnete dann Minister Karry Sofortvollzug für den Bau der 4000 Meter langen Bahn an. Die Rodungsarbeiten begannen noch vor dem Winter, und der Widerstand der Startbahngegner verlagerte sich nun vor Ort. Am 2. November 1980 gab es die erste Großdemonstration mit 15 000 Teilnehmern, die geplante Besetzung des Baugeländes verhinderte die Polizei. 1981 wurde eine 2,50 Meter hohe Betonmauer zum Schutz vor Demonstranten errichtet.

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