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Vatikan: Noch gibt es keine klaren Vorstellungen über den Umgang mit einem Papst in Pension / Sicher aber ist, dass der Ex-Pontifex Maximus sich nicht einfach zur Ruhe setzen kann

Komplizierter Rückzug in den Schatten der kirchlichen Macht

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 13.02.2013

Von unserem Korrespondenten Julius Müller-Meiningen

Ein Papst in Pension - auch der Vatikan tut sich schwer mit dem Rücktritt von Benedikt XVI.

© dpa

Wo wird Joseph Ratzinger nach seinem Rücktritt leben? Welche Kleider trägt ein ehemaliger Papst, und wie spricht man ihn an? Der Rücktritt wirft viele Fragen auf - auch unbequeme.

Eine große schwarze Petrus-Statue wacht etwas oberhalb des einfachen Backsteingebäudes. Nicht weit ist der Rosengarten, den Benedikt XVI. von seinen täglichen Spaziergängen in den vatikanischen Gärten kennt. Nach allem, was man über den amtsmüden Papst gehört hat, könnte dies der Ort sein, der Joseph Ratzinger zum Lebensende entspricht. Altern im Grünen. Aber der Gang in den unscheinbaren Klosterkonvent im Inneren des Vatikans ist auch ein komplizierter Rückzug in den Schatten der Macht.

Das Kloster Mater Ecclesiae liegt nur einen Steinwurf von der Apsis des Petersdoms entfernt, auf halber Strecke zwischen Sixtinischer Kapelle und Palazzo del Governatorato, der Verwaltungszentrale. Der Konvent war bislang so unbekannt, dass ihn die Grafiker der italienischen Zeitungen mal mit dem Sendezentrum von Radio Vatikan ganz im Westen der Vatikanstadt verwechseln oder mit der Gärtnerei. Hier will Joseph Ratzinger sich nach seinem Rücktritt zurückziehen, hier wird er nicht mehr Benedikt XVI. sein.

Hinter den Mauern des Vatikans

Aber es ist auch klar, dass in diesem unscheinbaren Kloster die zukünftig mysteriöseste Figur der Christenheit ihr Zuhause haben wird. Hier wird der Mann wandeln, studieren und beten, der einmal Papst war. Die verzweifelten Bemühungen der Paparazzi, den ehemaligen "Papa Ratzi" hier zu fotografieren, kann man sich bereits ausmalen.

Auch deshalb soll das Leben Benedikt XVI. hinter den Mauern des Vatikans enden. Nicht in der bayerischen Heimat, nicht in der alten Privatwohnung in Rom, und auch nicht im Gästehaus Domus Sanctae Martae, in dem die Kardinäle aus aller Welt ab Mitte März wohnen, wenn sie im Konklave für die Wahl eines Nachfolgers zusammenkommen. Ratzinger wird nicht an der Papstwahl teilnehmen, dafür ist er mit 85 Jahren zu alt. "Er wird sich sicher auch nicht in die Wahl einmischen", sagt Vatikansprecher Federico Lombardi. Ob er die Kardinalswürde behält, ist noch unklar. Auch über den künftigen Titel eines zurückgetretenen Papstes gibt es keine Sicherheit. Möglicherweise lautet er "emeritierter Bischof von Rom". Ämter wird Joseph Ratzinger wohl keine mehr ausüben. "Über eine ganze Reihe von Fragen herrscht auch beim Papst selbst noch keine Klarheit", sagt Lombardi.

Auch in der Kurie hat man noch keine klaren Vorstellungen über den Umgang mit dem Papst in Pension. Wird Camerlengo (Kardinalkämmerer) Tarcisio Bertone Ratzinger den Fischerring abziehen und zerbrechen wie für den Fall des Papst-Todes vorgeschrieben? Bekommt Ratzinger eine Art Rente, eine Apanage, oder müssen ihm Meditation, Studium, Gebet und das Biogemüse des Klostergartens genügen, Peperoni, Zucchini, Blumenkohl, Tomaten, Zitronen und Orangen?

Pensionsansprüche aus seiner knapp 20-jährigen Lehrtätigkeit an mehreren deutschen Universitäten hat Papst Benedikt XVI. offenbar nicht: Wie ein Sprecher des Hochschulverbandes gestern mitteilte, hat Joseph Ratzinger mit seiner Ernennung zum Erzbischof von München und Freising im Jahr 1977 seinen Beamtenstatus aufgegeben. "Allerdings steht ihm seit seinem 65. Lebensjahr eine Rente zu", sagte der Sprecher. "Dabei einen konkreten Betrag zu nennen, wäre jedoch Spekulation." Rechtlich gesehen muss Ratzinger laut Hochschulverband die Zahlungen der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) annehmen. Ob er das Geld jedoch spende oder anderweitig einsetze, stehe ihm frei.

Sicher ist: Der Ex-Papst muss in die geschützte Isolation. Die Schweizer Garde bewacht den Vatikanstaat, sie wird künftig noch genauer kontrollieren müssen, wer die Zugangstore zum Vatikan durchschreitet. Aller Voraussicht nach wird der berühmteste Privatier der Welt künftig nicht mehr in Weiß, sondern wieder in einer schwarzen Soutane durch die Gärten wandeln und an den Rosen schnuppern.

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