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Berlin: Die Kanzlerin hat jetzt doch den Partner, den sie überhaupt nicht wollte / Beiden ist klar, dass sie sich zusammenraufen müssen

„Merklande“ – ein Tandem vor schwierigem Start

Von dpa-Korrespondent Christoph Sator

Berlin. Irgendwann am späteren Sonntagabend griff die Kanzlerin zum Telefon. Es war gegen 22 Uhr, als Angela Merkel zum ersten Mal Kontakt mit einem Mann aufnahm, den sie bis dahin noch nie gesprochen hatte: Frankreichs neuer Präsident François Hollande. Merkel gratulierte, wie es sich gehört - auch wenn sie das bis dahin ganz gern vermieden hätte. Hollande gab seinen Dank trotz allem freundlich zurück.

Allzu lange dauerte die Unterhaltung nicht. Aber zumindest verständigten sich die beiden darauf, dass sie sich nächste Woche zu einem Gespräch sehen werden. Hollande will dazu nach Berlin kommen, vermutlich am Dienstagabend. Nach dem Ärger, den es zwischen Merkel und Hollande gegeben hatte, war das keine Selbstverständlichkeit mehr. Allzu deutlich hatte die CDU-Vorsitzende darauf gesetzt, dass Nicolas Sarkozy für weitere fünf Jahre Hausherr im Elysée bleiben werde. Hollande bekam im Kanzleramt bis zum Schluss des Wahlkampfs nicht einmal einen Termin.

Merkel ärgerte sich insbesondere darüber, dass Hollande angekündigt hatte, den mühsam zwischen 25 EU-Ländern ausgehandelten Fiskalpakt aufschnüren zu wollen. Trotzdem wollen sich beide darum bemühen, zu einem guten Verhältnis zu kommen. Wohl versprach die Kanzlerin gestern, Hollande "mit offenen Armen" zu empfangen. "Die deutsch-französische Zusammenarbeit ist essenziell für Europa. Da wir alle den Erfolg Europas wollen, wird diese Zusammenarbeit schnell beginnen." Aber zugleich stellte sie klar, dass an Nachverhandlungen über den Fiskalpakt nicht zu denken sei.

Im Nachsatz deutete sie dann aber an, was aus deutscher Sicht möglich wäre. Der Pakt könne weiterbearbeitet werden, versprach sie - eine etwas unglückliche Formulierung. Gemeint damit ist die Ergänzung um einen "Wachstumspakt", der auf dem nächsten EU-Gipfel im Juni beschlossen werden könnte. Damit könnten sowohl Merkel als auch Hollande das Gesicht wahren.

Nun geht es darum, den Begriff mit Inhalten zu füllen. Dabei gehen die Meinungen weit auseinander. Aus ihrer bisherigen Erfahrung als wichtigste europäische Krisenmanagerin lehnt Merkel ein "Wachstum auf Pump" ab. Hollande hingegen setzt auf staatliche Ausgaben, um die Konjunktur anzukurbeln. Allerdings weiß er selbst, wie stark er unter Beobachtung der Märkte steht. Die Spielräume für ihn sind eng wie noch nie für einen französischen Präsidenten.

Ohnehin sind Merkel und Hollande nicht die einzigen, die sich miteinander schwertun. Auch die Suche nach einem Namen für das neue Tandem, das an die Stelle von "Merkozy" tritt, kam noch nicht richtig voran. In Europas Zeitungen wurden alle möglichen Kombinationen ausprobiert, von "Merklande" bis hin zu "Horkel". Aber so richtig überzeugend war keine davon.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 08.05.2012
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