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Skiunfall: Weltweite Bestürzung über die schweren Verletzungen des 44-Jährigen / Ärzte wollen zu den Überlebenschancen nichts sagen

„Schumacher stürzte mit hoher Geschwindigkeit“

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 31.12.2013

Von dpa-Korrespondent Jens Marx und Stefan Proetel

Michael schumacher beim Formel-1-Grand-Prix am 22. November 2012 in Sao Paulo.

©  dpa

Der siebenmalige Formel-1-Weltmeister wurde in ein künstliches Koma versetzt. Seinen Zustand bezeichnen die Ärzte als kritisch und ernst.

Michael Schumacher kämpft weiter um sein Leben. Vier Tage vor seinem 45. Geburtstag bezeichneten die behandelnden Ärzte des Universitätskrankenhauses von Grenoble den Zustand des Formel-1-Rekordweltmeisters als kritisch und ernst. Schumacher wurde in ein künstliches Koma versetzt. Er erlitt bei seinem schweren Skiunfall "im Gehirn weit verbreitete Verletzungen". Er habe Blutergüsse und Prellungen im Gehirn, erklärten die Ärzte gestern bei einer Pressekonferenz - 24 Stunden, nachdem Schumacher verunglückt war.

Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte betroffen auf die Nachricht. "Wie Millionen von Deutschen waren auch die Bundeskanzlerin und die Mitglieder der Bundesregierung außerordentlich bestürzt, als sie von Michael Schumachers schwerem Skiunfall erfahren haben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert gestern in Berlin. "Wir hoffen mit Michael Schumacher und mit seiner Familie, dass er die Verletzungen überwinden und genesen kann. Seiner Frau, seinen Kindern, seinen Angehörigen wünschen wir in diesen schweren Stunden Kraft und Zusammenhalt."

Das Gehirn reagiert äußerst sensibel auf Verletzungen

Das Gehirn ist das zentrale Organ aller Wahrnehmungen, Erinnerungen und Gefühle. Es steuert Aufmerksamkeit, Bewusstsein und Sprache sowie alle willkürlichen Bewegungen. Auf Verletzungen reagiert es äußerst sensibel: Einmal beschädigte Nervenzellen können sich nicht regenerieren. In manchen Fällen können benachbarte Gehirnbereiche die Funktionen geschädigter Areale übernehmen.

Es gibt zwei Mechanismen, die zu Schädel-Hirn-Verletzungen führen: dort, wo der Schlag auf das Gehirn erfolgt ist, und auf der gegenüberliegenden Gehirnseite, weil das Gehirn infolge des Schlags von innen gegen die Schädeldecke prallt.

Laut ZNS Hannelore Kohl Stiftung erleiden in Deutschland rund 270 000 Menschen jährlich eine Schädel-Hirn-Verletzung, vier Prozent davon sind schwere Fälle, 2750 tödlich. agp

Auf rechte Seite gestürzt

Mehrfach betonten die Ärzte, dass die Lage sehr kritisch sei. Über die Überlebenschancen könne man nichts sagen, erklärten die Mediziner. Nur Schumachers Familie darf ihn sehen, erklärte der stellvertretende Klinik-Direktor Marc Penaud.

Der Unfall in Méribel habe sich mit hoher Geschwindigkeit ereignet, betonten die Ärzte angesichts der Schwere der Kopfverletzungen. "Sein Helm hat ihn geschützt. Jemand, der diesen Unfall ohne Helm gehabt hätte, hätte es wohl nicht bis ins Krankenhaus geschafft", sagte der Leiter der Anästhesie-Abteilung, Jean-François Payen. Schumacher sei mit der rechten Seite aufgeprallt und nach dem Unfall zwar ansprechbar, aber verwirrt gewesen.

Der Zustand des Kerpeners habe sich dann noch verschlechtert, erklärte der Neurochirurg Stephane Chabardes. Daher wurde Schumacher vom Krankenhaus nach Grenoble gebracht. Schumacher habe eine Blutung zwischen Gehirn und Schädeldecke gehabt. Er wurde umgehend operiert. Aus Respekt gegenüber der Familie wurden keine anatomischen Einzelheiten genannt. Diese dankte den Ärzten in einer schriftlichen Mitteilung. "Wir wissen, dass sie alles Mögliche tun, um Michael zu helfen", hieß es.

Das Krankenhaus will "je nach Entwicklung" weitere Informationen zum Zustand von Schumacher bekanntgeben. Es werde alles unternommen, um den Druck im Gehirn nicht ansteigen zu lassen, betonte Chabardes.

Weltweit herrscht Bestürzung. "Die Welt des Sports erlebt Stunden der Angst um das Schicksal des erfolgreichsten Piloten der Formel-1-Geschichte", schrieb "La Gazzetta dello Sport". Auch Italiens Traditionsteam Ferrari, das Schumacher mit fünf seiner sieben WM-Titel wieder zu Ruhm und Ehre geführt hatte, war in Gedanken bei "Michele".

Tiefst betroffen reagierte auch Sebastian Vettel, der als Junge einst Poster von Schumacher in seinem Zimmer hängen hatte und zu den guten Freunden des Rheinländers zählt. "Ich bin schockiert und ich hoffe, dass es ihm so schnell wie möglich wieder besser geht. Ich wünsche seiner Familie jetzt ganz viel Kraft", betonte er.

"Leider braucht der Mensch solche Vorkommnisse, um über die eigene Situation nachzudenken", sagte Peter Hennekes, Geschäftsführer des Deutschen Skilehrerverbandes, unserer Zeitung und verwies auf den Althaus-Effekt: Nach dem Skiunfall des früheren thüringischen Ministerpräsidenten am 1. Januar 2009 in Österreich habe die Industrie in noch bessere Helme investiert. "Und die Verbraucher haben verstärkt Helme gekauft."

Hennekes schätzt Schumacher aufgrund eigener Beobachtungen bei gemeinsamen Aktionen als "grundsätzlich guten Skifahrer" ein. Er glaube deshalb nicht, dass der Unfall auf mangelnde Fahrtechnik zurückzuführen sei. Aber er sei abseits der Piste passiert. Dort sei die Gefahr durch Felsen, Abhänge, Lawinen erhöht, und das müssten Skifahrer mit ihrer Fahrweise berücksichtigen. "So schrecklich dieser Unfall ist, aber dieser Appell muss durchkommen, das muss in die Köpfe der Skifahrer rein!"

Hennekes, der gestern im Skigebiet von Lenggries (Oberbayern) Kinder unterrichtete, hat sich in der Mittagspause mit anderen Skilehrern über den schrecklichen Sturz Schumachers unterhalten. Fazit: "Wir waren alle sehr betroffen - auch über die Tatsache, dass solche Unfälle mit derartigen Verletzungen auch bei normalen Skiläufern passieren. Nur dann ist das eine kurze Meldung und nicht so ein Riesenthema wie bei Schumacher."

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 31.12.2013
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