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Kirche: Im Vatikan wird das Ende des Pontifikats Benedikt XVI. geplant / Trugen eine Verschwörung und gesundheitliche Probleme zum Entschluss des Papstes bei?

Spekulationen über Gründe für den Rücktritt

Von unserem Korrespondenten Julius Müller-Meiningen

Noch zwei Wochen ist Papst Benedikt XVI. im Amt. Es sind Tage der Ungewissheit, die dem Vatikan bevorstehen. Mühsam versuchten auch gestern die Verantwortlichen die Folgen des Rücktritts zu kalkulieren. Der Papst wird die Aschermittwochsfeier heute nicht wie üblich am Aventins-Hügel abhalten, sondern im Petersdom. Als Grund wurde dafür genannt, viele Kardinäle, Geistliche und Gläubige wollten an der möglicherweise letzten Feier mit dem Papst teilnehmen.

Die Zeichen stehen auf Abschied. Drei Generalaudienzen wird Benedikt noch abhalten und zweimal sonntags das Angelusgebet auf dem Petersplatz sprechen. Vor allem für die Audienz am 27. Februar, dem Tag vor seinem Rücktritt, werden viele Menschen erwartet. Wie es gestern hieß, werde der Papst als einige seiner letzten offiziellen Amtshandlungen noch planmäßig den rumänischen Präsidenten Traian Basescu sowie den Präsidenten Guatemalas Otto Pérez Molina empfangen.

Operation am Herzen

Derweil gibt es Spekulationen über die Gründe für den Rücktritt. Benedikt XVI. hatte am Montag erklärt, dass seine "Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben." Vatikansprecher Lombardi bestätigte einen Zeitungsbericht, demzufolge sich der Papst vor mehr als drei Monaten in der römischen Privatklinik Pio XI. einer Operation unterziehen musste. Die Rede war vom Austausch eines Herzschrittmachers. Lombardi hingegen sprach vom Austausch der Batterien und bezeichnete den Eingriff als "Routine".

Gestern wurde auch bekannt, dass die Entscheidung des Papstes schon lang feststand. In Folge der Reise nach Kuba und Mexiko im März 2012 und ärztlichem Rat soll Benedikt sich zum Rücktritt entschlossen haben. Der Zeitpunkt der Entscheidung, die an die Öffentlichkeit gedrungen war, aber dementiert wurde, heizt nun die Debatte um eine Verschwörung im Vatikan an. Damals, auf dem Höhepunkt der Vatileaks-Affäre, gelangten Geheimdokumente an die Öffentlichkeit, die der verurteilte und begnadigte Kammerdiener Paolo Gabriele aus dem Papst-Büro gestohlen hatte.

Bericht unter Verschluss

Im Mai 2012 veröffentlichte der Journalist Gianluigi Nuzzi das Buch "Seine Heiligkeit" mit gestohlenen Dokumenten. Benedikt setzte kurz darauf eine dreiköpfige Kommission erfahrener Kardinäle ein, deren Bericht bis heute unter Verschluss gehalten wird. An dieser Tatsache entzündeten sich nun nicht weiter bestätigte Spekulationen, in dem Bericht könnten sich Motive für den Rücktritt finden. Nicht auszuschließen ist, dass die Umstände und Grabenkämpfe unter Kardinälen in der Kurie den Papst in seinem Entschluss zum Rücktritt bestärkten.

Im Sommer 2012 hieß es auch, Benedikt wolle Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone ablösen. Ratzinger bekräftigte Bertone anschließend aber ausdrücklich in seinem Wirken. Mit dem Rücktritt wird der in der Kurie unbeliebte Bertone, der sein Amt als Kardinalstaatssekretär mit dem Ende des Pontifikats verliert, nun vorübergehend zum starken Mann. Er wurde von Benedikt 2007 als Camerlengo berufen, leitet die Wahl des künftigen Papstes und übernimmt wichtige Aufgaben in der Zeit der Sedisvakanz.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 13.02.2013
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