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Medikamentenrückstände: Bis 2011 kaum Untersuchungen britischer Pferdefleischlieferungen / Verdacht gegen französische Firma

Verbotene Exporte seit Jahren Praxis?

Archiv-Artikel vom Freitag, den 15.02.2013

Von unseren Korrespondentinnen Jasmin Fischer und Birgit Holzer

Die Verbraucherzentrale Hessen rät derzeit von Tiefkühl-Lasagne ab.

© dpa

London/Paris. Aus Großbritannien sind Pferdekadaver aufs europäische Festland exportiert worden, die wegen verbotener Medikamentenrückstände hätten vernichtet werden müssen. Britische Behörden versuchen derzeit, alle eventuell noch im Umlauf befindlichen Teile der Lieferung aufzuspüren.

Der Wirkstoff Phenylbutazon war bisher vor allem Züchtern und Landwirten geläufig: Die Substanz ist ein starker Entzündungshemmer für Pferde. Er wird bei Gelenkproblemen verabreicht oder, verbotenerweise, als Doping im Galoppsport. Gestern musste Umweltminister David Heath einräumen, dass drei positiv getestete Pferdekadaver kürzlich die Insel Richtung Frankreich verlassen haben. Der französische Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll beruhigte gestern allerdings, das Fleisch sei "nicht in die Nahrungskette gelangt" und werde vernichtet.

Die Hiobsbotschaft aus London wirft erneut die Frage auf, wie viele undeklarierte Zusatzstoffe in Fleischprodukte gepanscht werden. Dass schon in vergangenen Jahren Pferdekadaver mit verbotener Medikamentenbelastung auf den Kontinent geliefert wurden, kann niemand ausschließen. Zwischen 2007 und 2011, berichten Brancheninsider, gab es jährlich lediglich 50 Stichproben auf Phenylbutazon im gesamten Königreich. Auf andere, möglicherweise gesundheitsschädliche Substanzen werden die Schlachttiere gar nicht geprüft.

Ermittlungen gegen Spanghero

Ersten Ermittlungen in Frankreich zufolge hat das Unternehmen Spanghero Pferde- in Rindfleisch umetikettiert und einen Gewinn von mehr als einer halben Million Euro gemacht. Es gebe den "starken Verdacht", dass Spanghero gewusst habe, dass es Pferdefleisch gekauft habe, erklärte der französische Verbraucherschutzminister Benoît Hamon. Es werde wegen Wirtschaftsbetrug zur Verantwortung gezogen, die Strafen könnten bei bis zu zwei Jahren Gefängnis liegen. Außerdem verliere es sofort die Zulassung für Fleisch-Verarbeitung. Spanghero dementierte und erklärt auch auf seiner Homepage, Pferdefleisch weder zu bestellen noch zu verkaufen.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 15.02.2013
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