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Von unserem Redaktionsmitglied Christine Maisch-Straub
Wie haben wir ihn doch alle nach den schier endlosen Wintermonaten herbeigesehnt: einen warmen, sonnigen Mai. Doch alle klagten nur über Frösteltemperaturen. Und die letzten Wochen, in denen es ohne Heizung richtig ungemütlich war, sorgten dafür, dass uns der "Wonnemonat" 2006 nicht gerade als besonders erfreulich in Erinnerung bleiben wird. Umso mehr erstaunt das Fazit der Wetterbeobachter von der Messstation Vogelstang: Der letzte Lenzmonat war mit einer Durchschnittstemperatur von 15,8 Grad sogar um 0,7 wärmer als sein Vorjahres-"Kollege". Überhaupt zeigte sich der gesamte Mannheimer Frühling gar nicht mal so besonders unfreundlich: Im Schnitt kletterte die Quecksilbersäule auf 10,4 Grad - das sind 0,3 über dem langjährigen Mittel. Das belegen zumindest die nackten Zahlen . . .
"Subjektiv empfinden wir das natürlich oft völlig anders. Gefühle richten sich meist nicht nach Messdaten", weiß auch Hans Henkes, der mit seinem Team im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes die Mannheimer Werte ermittelt: "Gerade zum Ende des Mai hin, wenn schon der erste Sommermonat vor der Tür steht, dann ist es schon enttäuschend, wenn man die Heizung tagelang gar nicht mehr abstellen kann, ohne zu bibbern." Auch wenn die Daten des Mai 2006 so gar nichts Ungewöhnliches aufzeigen, weder in puncto Kälte, noch "regenmäßig": "Die Niederschlagsmenge lag mit 176,5 Litern pro Quadratmeter nur minimal über dem Soll."
"Aber man hat die Friererei jetzt halt einfach satt." Deshalb hat der Wetterprofi auch vollstes Verständnis für die Anruferschar, die stets nur eines auf dem Herzen hatte: "Sagen Sie, wird es denn dieses Jahr gar nicht mehr Sommer?" Dass der Juni - mit Nachttemperaturen, die bis auf drei Grad absackten, dann auch noch so kühl an den Start ging, ließ so manchen Wärmehungrigen am Telefon heftig klagen. "Dabei hat der Sommer doch gerade erst angefangen", findet der Wettermann tröstende Worte. Ziemlich nervös seien auch die Landwirte gewesen: "Zum Mähen muss es drei schöne Tage geben. Und die konnten wir selbst nach den Pfingstfeiertagen noch nicht garantieren." Doch jetzt steht der trockenen Ernte nichts mehr im Wege.
Und wie sind die Prognosen des Fachmanns für die kommenden Tage in der Kurpfalz? "Sonne pur." Na, wer sagt es denn: "Es ist kein Niederschlag mehr in Sicht." Allein bis zum verlängerten Wochenende - ab und nach Fronleichnam - könnte es bei satten 30 Grad zu vereinzelten Gewittern kommen. Aber für eine exakte Vorhersage sei es bis dahin ohnehin noch zu früh. Nur eines weiß der Fachmann jetzt schon: Dass sich dann wieder die Anrufer melden - doch diesmal werden sie über die Hitze klagen. Tja, das perfekte Wetter gibt es eben nie. "Nein, man muss sich einfach arrangieren." Und jetzt erst mal die sonnigen Aussichten genießen.
Mannheimer Morgen
09. Juni 2006
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