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Von unserem Redaktionsmitglied Roger Scholl
"Der April macht was er will", sagt uns eine alte Bauernregel. Aber dass es dann gleich so kommt. . . Viel zu warm, viel zu trocken, viel zu viele Sonnentage - der zweite Frühlingsmonat hat in unserer Stadt wahrhaftig alle Rekorde gebrochen. Bernd Fischer jedenfalls hat in seinen Statistiken keinen Vergleichsmonat gefunden, der auch nur annähernd an diese Werte herangekommen wäre, dem Mann von der Wetterstation fällt dazu nur eine Umschreibung ein: "Der Mannheimer April 2007 - extrem!"
So extrem wie nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die sind in Mannheim immerhin 139 Jahre alt, 1868/69 fing man an, hier die wichtigsten Daten zu sammeln. Die Durchschnittstemperaturen zum Beispiel, hier liegt der 2007er April mit weitem Abstand vorne - und das trotz seiner sechs Bodenfrost-Tage: "14,4 Grad Celsius, unglaublich", Fischer findet kaum Vokabeln für diese Superlative, denn dieser Mittelwert liegt sogar ein ganzes Grad über dem bisherigen Rekordhalter. "Das war der April anno 1946, damals haben unsere Vorgänger 13,4 Grad gemessen."
Und es wird noch heftiger: Die Sonne schien so lange wie nie vorher in einem April. 337,9 Stunden, das ist ein absoluter Höchstwert. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor erreichten wir nicht einmal die Hälfte, der Monat übererfüllt das Normalsoll um satte 202 Prozent, er kann damit sogar locker mit Spitzen-Sommerwerten mithalten. Wir hatten in der Stadt überhaupt nur zweimal mehr Sonnenstunden, nämlich im Mai 1989 (350,8 Stunden) und im Juli 1949 (363,9 Stunden). Noch nicht mal der Jahrtausendsommer 2003 - wir erinnern uns mit Grausen an seine brutale Hitze von an die 40 Grad - kommt mit der Sonnenschein-Dauer an diesen April heran.
Wenn jetzt Bauern, Gärtner und Schiffer klagen über das wenige Wasser auf den Feldern und unterm Kiel, dann können Fischer und seine Kollegen von der Station auf der Vogelstang dieses Lamento mit Fakten untermauern: "Bloß 0,7 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, das ist fast nichts. Absolut untypisch für den Monat." Wie untypisch, das beweisen die Daten, die uns die Wetterbeobachter zur Verfügung stellen: Im April fielen nur 1,4 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge, nur 1893 blieb es hier bei uns mal trockener - "da ging nicht ein Tropfen über der Stadt nieder". Extreme Trockenheit also? "Ja", muss Fischer bilanzieren, "ja, das muss man jetzt wohl sagen."
Richtig freuen mag sich Bernd Fischer angesichts solcher "Rekorde" eigentlich nicht, "wenn ich dauernd Höchstwerte eintragen muss, ist mir das nicht geheuer". Ab Montag könnten wir aber wieder in Richtung Normalität steuern, da wagt der Fachmann schon mal einen vorsichtigen Ausblick: "Nächste Woche wird es schlicht und ergreifend frühlingshaft, so wie es in dieser Jahreszeit auch sein soll."
Mannheimer Morgen
05. Mai 2007
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