Frank Mastiaux bleibt ganz entschieden im Ungefähren. Der neue Vorstandschef des kriselnden Stromkonzerns EnBW gibt sich sensibel und offen, redet modern über Kundenorientierung und kündigt einen umfassenden Umbau des Unternehmens an. Sogar die entscheidende Schwäche seiner 100-Tage-Bilanz benennt er selbst. "Das sind zunächst einmal alles nur Worthülsen", räumt er ein. Konkrete Ziele und Festlegungen vermeidet der 48-Jährige.
Dabei stoßen sich bei der EnBW die bitteren Realitäten hart im Raum. Der drittgrößte Stromerzeuger in Deutschland hat massiv Marktanteile verloren und ist vom Atomausstieg stärker als die großen Konkurrenten betroffen. Dazu kommen hausgemachte Fehler und mehrere staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren. Allein als freundlicher Herr, der Kunden und Mitarbeitern eine gedeihliche Zukunft vorflüstert, kommt Mastiaux nur einmal durch.
Zugute halten muss man dem neuen Vorstandschef, dass sich die einst so fest gefügte Strombranche in einem kaum vorstellbaren Umbruch befindet. Der Ausbau von Solarenergie und Windkraft stellt die Geschäftsmodelle der Konzerne infrage, ihren konventionellen Kraftwerken drohen rote Zahlen. Von der Politik ist bis zur Bundestagswahl im Herbst wenig Hilfe zu erwarten. Die EnBW wird ihre Probleme selbst angehen und Nägel mit Köpfen machen müssen.