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Luftverkehr: Gutachten soll nun doch keine Charterflüge untersuchen, einem neuen Regionalflughafen ist damit der Weg versperrt

Konzentration auf Firmen-Jets

Von unserem Redaktionsmitglied Matthias Kros

Seit Cirrus Mannheim nicht mehr ansteuert, wird wieder verstärkt über die Zukunft des City Airports diskutiert.

© Rinderspacher

Mannheim. Die Pläne für einen neuen Regionalflughafen in der Metropolregion Rhein-Neckar bleiben wohl vorerst in der Schublade. Der Arbeitskreis zum Luftverkehr in der Metropolregion möchte eine Bedarfsuntersuchung jedenfalls auf die Sicherung des Bereich Taxi- und Werkverkehre (also Firmenjets und Zubringerflüge) konzentrieren. Ein Passagier-Linienflugverkehr, wie es ihn bis Ende 2011 am City Airport Mannheim gab, soll für die europäische Kurzstrecke lediglich als mögliche Ergänzung mit berücksichtigt werden. Einen solchen Wunsch hatten zuletzt viele große Unternehmen der Region im Rahmen einer Umfrage dieser Zeitung geäußert. Die Marktsegmente Fracht und Passagier-Charter sollen dagegen gar nicht erst untersucht werden.

Das geht aus einem ersten Ergebnispapier des Arbeitskreises hervor, der vom Planungsausschuss des Verbands Region Rhein-Neckar Anfang März beauftragt worden war, die weitere Vorgehensweise zu erörtern. Konkret geht es um ein Gutachten zur Zukunft des Luftverkehrs in der Region, für das der Verband 20 000 Euro vorgesehen hat und über dessen Inhalt seit Monaten diskutiert wird. Zunächst war dabei ausdrücklich vorgesehen, nicht nur den Geschäftsreiseverkehr unter die Lupe zu nehmen, sondern alle Marktsegmente - also auch Charterflüge. Sie bringen die große Menge an Passagieren, ohne die sich ein neuer Regionalflughafen nicht rechnen würde. Als aussichtsreichster Standort galt der sogenannte Sandtorfer Bruch im Norden Mannheims. Der Arbeitskreis setzt sich zusammen aus Mitgliedern der CDU (3), SPD (2), der FDP, der Grünen und der Freien Wähler (je 1). Entschieden ist aber noch nichts. Das Ergebnispapier soll zunächst noch einmal in den politischen Fraktionen abgestimmt werden. Beim nächsten Treffen der Arbeitsgruppe soll dann aber bereits ein potenzieller Gutachter dabei sein. Das letzte Wort hat der Planungsausschuss.

Umzug nach Speyer?

Inhalt des Gutachtens soll nun eine Analyse des aktuellen Aufkommens an Firmen-Flugverkehren und eine Abschätzung des Potenzials im Jahr 2030 sein. Derzeit werden diese Verkehre über die Flughäfen Speyer und Mannheim abgewickelt. Vier Unternehmen haben ihre Jets in der Domstadt, 18 am City Airport, darunter die SAP, Wild oder Bauhaus. Für beide Flughäfen soll das Gutachten nun Perspektiven untersuchen. Speziell soll dabei berücksichtigt werden, was passiert, wenn der City Airport geschlossen werden müsste. Dies wird seit der Insolvenz der Fluggesellschaft Cirrus, die Mannheim bis Ende 2011 bediente, wieder verstärkt diskutiert. Größter Makel am City Airport ist die zu kurze (und nicht verlängerbare) Start- und Landebahn. Das Gutachten soll nun untersuchen, welche Folgen eine solche Schließung für die Firmen der Region hätte und welche Möglichkeiten einer Verlegung der Jets nach Speyer oder an Flughäfen außerhalb der Region sich ergeben könnten.

Überraschend kommt diese Wende in der Regionalflughafen-Diskussion nicht. Die Vergabe des Gutachtens war selten mit großem Eifer vorangetrieben worden. Hintergrund war, dass sich CDU, SPD und Grüne schon im Vorfeld gegen einen neuen Regionalflughafen im Mannheimer Norden ausgesprochen und so einer ergebnisoffenen Untersuchung den Weg versperrt hatten.

Zweifel am Bedarf

Die Finanzierung eines schätzungsweise rund 250 Millionen Euro teuren Flughafens war zudem ungeklärt. Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte eine Beteiligung des Landes Baden-Württemberg an den Kosten bereits ausgeschlossen. Darüber hinaus ist unklar, ob es überhaupt einen Bedarf für einen neuen Flughafen gibt. Schließlich sind im Umkreis von Mannheim mit Frankfurt, Karlsruhe und Stuttgart bereits drei Airports, an denen internationale Verkehre abgewickelt werden.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 15.05.2012
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