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„Mannheim Forum“: Experten diskutieren über Perspektiven der BRIC-Staaten

„Mit den Chinesen wachsen“

Von unserem Mitarbeiter Rüdiger Ofenloch

Nicht einer Meinung: Ex-Karstadt-Vorstand Helmut Merkel und Attac-Sprecherin Jennifer Werthwein blicken unterschiedlich auf Chinas Wirtschaftsmacht.

©  rüo

Mannheim. China, immer wieder China. Zum Abschluss des von der Universität Mannheim veranstalteten, an allen drei Tagen hochkarätig besetzten "Mannheim Forum" diskutieren Experten über die Perspektiven der sogenannten BRIC-Staaten - neben China noch Brasilien, Russland und Indien. Doch schnell wird klar: Die männlichen Ökonomen in der Runde setzen vor allem auf den chinesischen Markt. Und eine Frau hält einsam die Fahne der Menschenrechte hoch.

Jennifer Werthwein spricht für die Menschenrechtsorganisation Attac und will sich so gar nicht von den Wirtschaftszahlen Chinas blenden lassen. Sie erinnert an das enorme soziale Gefälle im Reich der Mitte und lobt demgegenüber das indische Modell. "In Indien versuchen sie es mit demokratischen Mitteln", sagt Werthwein - und erntet einen süffisanten Blick von Helmut Merkel.

Der einstige Karstadt-Vorstand ist ein ausgemachter China-Kenner. "Ja, sie versuchen es", sagt er im Hinblick auf Indien knapp und verweist auf die katastrophale Infrastruktur. Wirtschaftlich sieht er vor allem in China die Post abgehen - mit allen negativen Seiten, wie er zugibt. Mit Blick auf die Umweltproblematik zieht er einen interessanten Vergleich: "In den 70er Jahren ist in Mannheim auch nicht die Sonne aufgegangen", gibt der Betriebswirt zu bedenken, wenn vom Smog in Chinas Megastädten die Rede ist.

Kein Grund zur Angst

Ernst-Ludwig von Thadden, Rektor der Mannheimer Uni und Professor für Volkswirtschaftslehre, sieht die Chinesen am Scheideweg. "Sie müssen jetzt den Übergang von der Mittelmacht zur Großmacht schaffen", sagt von Thadden. Angst vor einer alles überrollenden Wirtschaftsmacht müsse man aber nicht haben. "Im Gegenteil", findet auch Rainer Gehnen. "Wir sollten mit den Chinesen wachsen", rät der Geschäftsführer der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung.

Das sieht auch Merkel so und nennt die deutsche Automobilindustrie als Paradebeispiel: "Die haben den chinesischen Markt erobert." Einig sind sich die Diskutanten in Sachen Russland: Deutschland sei auf den Gebieten Energie und Industrieexporte zu sehr vom großen Partner im Osten abhängig und würde sich mit Sanktionen wirtschaftlicher Natur wegen der Krim-Krise ins eigene Fleisch schneiden.

Und Brasilien? "Viel Potenzial", meinen alle. Doch einen Durchbruch wie in China sehen sie nicht, stattdessen überwiegend Stagnation. Alle Augen auf China, lautet das Fazit der von Michael Roth (Leiter der Wirtschaftsredaktion des "Mannheimer Morgen") moderierten Gesprächsrunde.

© Mannheimer Morgen, Montag, 17.03.2014
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