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Möbel: Unternehmensgruppe XXXL stellt rund 100 Mitarbeiter des Mannheimer Zentrallagers frei / Arbeitnehmervertreter empört

„Mitarbeiter  wie Diebe vom  Hof gejagt“

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 02.02.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Tatjana Junker

Der Möbelanbieter XXXL will an seinem Mannheimer Standort 100 Stellen streichen. Beschäftigte wurden am Montag überraschend freigestellt.

©  MM-Grafik

Mit diesem knappen Schreiben wurden gestern knapp 100 XXXL-Beschäftigte über ihre sofortige Freistellung informiert.

Mannheim. Eigentlich dachte Manuela M. (Name geändert), es würde ein ganz normaler Montag werden. Die Mitarbeiterin des Möbelanbieters XXXL Mann Mobilia in Mannheim ist gestern Morgen auf dem Weg zur Arbeit, als eine Kollegin auf dem Handy anruft - und plötzlich alles anders ist. "Die lassen uns nicht an unsere Arbeitsplätze, wir sollen wieder nach Hause", erzählt die Kollegin völlig aufgelöst. "Ich dachte zuerst, das ist ein Scherz", sagt M.

Doch das ist es nicht. Als M. am XXXL-Zentrallager in Mannheim ankommt, stehen schon mehrere Kolleginnen vor dem Eingang. "Die meisten haben geweint", sagt die Mitarbeiterin. "Es war furchterregend. Da standen Security-Leute. Wir durften nur kurz unsere persönlichen Sachen holen, dann mussten wir das Gebäude wieder verlassen."

"Das ist menschenverachtend"

Auch Stefan Weis-Will, bei der Gewerkschaft ver.di Rhein-Neckar für den Bereich Handel zuständig, ist entsetzt. "Die Beschäftigten wurden am Eingang von Führungskräften abgefangen, die jedem einen Brief überreicht haben. In dem stand, dass der Mitarbeiter mit sofortiger Wirkung freigestellt ist. Ohne Begründung, ohne Erklärung. Auch der Betriebsrat wusste nichts", sagt er.

Bei den betroffenen Beschäftigten handelt es sich Weis-Will zufolge um die knapp 100 Mitarbeiter der Auftragssachbearbeitung, die am Standort Mannheim in einer eigenen GmbH zusammengefasst sind. Die meisten von ihnen seien Frauen, die zum Teil seit Jahrzehnten am Standort arbeiteten. "Jetzt werden sie wie Diebe vom Hof gejagt. Das ist menschenverachtend."

Das Unternehmen XXXL selbst teilt schließlich am Mittag in einer Presseinformation mit, dass Kundenservice, Logistik und Auftragsbearbeitung innerhalb der Gruppe umstrukturiert werden. Dabei werde unter anderem die bisher in Mannheim angesiedelte Auftragssachbearbeitung an den Hauptsitz der Gruppe in Würzburg verlegt, die damit verbundenen 99 Arbeitsplätze in Mannheim abgebaut. Insgesamt arbeiten an dem Standort rund 500 Beschäftigte. Betriebsratsvorsitzender Thomas Becker, der unter anderem für die Beschäftigten des Mannheimer XXXL-Zentrallagers zuständig ist, hat an der Version des Unternehmens allerdings erhebliche Zweifel: "Wir haben klare Hinweise, dass diese Aufgaben künftig nicht in Würzburg, sondern nur 200 Meter von hier entfernt, im XXXL-Möbelhaus, erledigt werden sollen", sagt Becker. Dazu solle vermutlich eine neue Gesellschaft gegründet werden. "Ziel ist, dass wir als Betriebsrat nicht mehr für die Mitarbeiter zuständig sind", so Becker. Auch an anderen Standorten seien immer wieder Bereiche in neue Gesellschaften ausgelagert worden. "Das scheint Strategie zu sein, um Betriebsräte aufs Abstellgleis zu schieben und schlechtere Konditionen für die Beschäftigten durchzudrücken."

Bei XXXL weist man die Vorwürfe zurück. In Mannheim blieben nur ein kleiner Teil der Kundendienstsachbearbeitung und das Aufmaßbüro. Fast die gesamte Auftragsverwaltung sei nach Würzburg verlegt worden, wo es seit Jahrzehnten einen Betriebsrat gebe. Dort seien 60 neue Stellen geschaffen worden. Die Zentralisierung in Würzburg sei nötig, "um Effizienz und Qualität" weiter zu steigern.

"Mussten rasch räumen"

Wann die freigestellten Mitarbeiter in Mannheim die Kündigung erhalten, ist offen. Man wolle so schnell wie möglich mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan verhandeln, heißt es bei XXXL. Dass die Mitarbeiter quasi über Nacht freigestellt wurden, liege daran, dass die Räume in Mannheim umgebaut würden. Sie hätten "rasch geräumt" werden müssen.

Die Mitarbeiter in Mannheim sind unterdessen nicht die einzigen, die gestern Morgen mit einer Schock-Nachricht empfangen wurden. In Wiesbaden habe das Unternehmen Beschäftigten zeitgleich und ebenfalls ohne Vorwarnung Aufhebungsverträge vorgelegt, sagt Betriebsratsvorsitzender Becker. Einigen sei der Wechsel in andere Gesellschaften angeboten worden. In Eschborn sind ebenfalls rund 60 Mitarbeiter von der Umstrukturierung betroffen.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 02.02.2016
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