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Übernahme: Mannheimer Energieversorger steigt bei Windkraft-Pionier aus Wörrstadt bei Alzey ein

MVV bekommt doch Mehrheit an Juwi

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 15.10.2014

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Roth

Juwi gilt als einer der führenden Projektentiwcklung und Anlagenbauer in der Windenergiebranche, kam zuletzt aber in schwere wirtschaftliche Nöte.

© Dpa

Mannheim. Der Energieversorger MVV Energie steht kurz davor, eine Mehrheit an dem angeschlagenen Windenergieunternehmen Juwi aus Wörrstadt bei Alzey zu übernehmen. Heute soll sich der MVV-Aufsichtsrat (die Mehrheit an dem Unternehmen hält die Stadt Mannheim) treffen. Morgen soll dann die Übernahme bekanntgegeben werden. Gleichzeitig findet in Wörrstadt eine Mitarbeiterversammlung statt. Das berichtet das "Handelsblatt". Weder MVV noch Juwi wollten sich gestern dazu äußern.

Über den Kaufpreis wird noch gerätselt. Bisher war von einer Spanne von 100 bis 200 Millionen Euro für eine Juwi-Minderheit die Rede. Nun zirkuliert eine Größenordnung von 100 Millionen Euro für eine Mehrheit. Bisher hieß es, Juwi wolle eigenständig weiter agieren und die MVV könne lediglich eine Minderheit von 49 Prozent erwerben. "Juwi wird ein eigenständiges mittelständisches Unternehmen bleiben", wurde in Wörrstadt stets betont. Die Juwi-Gründer und Vorstände Fred Jung und Matthias Willenbacher wollten die Mehrheit unbedingt behalten. Nun scheint die Not allerdings so groß, dass sie sich von der Mehrheit trennen müssen.

Banken drängen auf Investor

Erklärte Strategie von MVV-Vorstandschef Georg Müller ist der Ausbau des Geschäfts mit erneuerbaren Energien, darunter Windenergie an Land. Juwi gilt als einer der branchenweit größten Projektentwickler und Anlagenbauer in Deutschland. Allerdings ist Juwi hoch verschuldet und braucht frisches Geld. Die Banken, die Juwi 250 Millionen Euro Kredit gegeben haben, machten Druck. Bis Jahresende soll ein Investor her, hieß es bei früherer Gelegenheit. Vergangenes Jahr soll ein zweistelliger Millionenverlust in den Büchern gestanden haben, auch für dieses Jahr ist wohl eine ähnliche Größenordnung absehbar.

Juwi geriet im Jahr 2013 mächtig in Schieflage. Infolge neuer Vorschriften im Erneuerbare-Energien-Gesetz, vor allem niedrigeren Einspeisevergütungen für Solaranlagen, und auch von Managementfehlern, wie gemunkelt wird, brach der Umsatz um ein Drittel auf um die 700 Millionen Euro ein. Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte soll es einen Verlust gegeben haben. Das Eigenkapital wurde knapp.

Weil das Projektgeschäft von Juwi hohe Vor- und Zwischenfinanzierungen benötigt, waren offenbar die Banken nervös geworden und drängten auf eine Sanierung durch die Unternehmensberatung Roland Berger. Juwi sollte Randbereiche verkaufen, sich aufs Kerngeschäft konzentrieren und rund 400 Stellen, davon 250 in Wörrstadt, abbauen. Das ist im Gange. Nächstes Jahr sollen wieder schwarze Zahlen geschrieben werden, hieß es. Bei einer Übernahme von Juwi durch die MVV wird es auch darum gehen, ob sich die unterschiedlichen Unternehmenskulturen vereinbaren lassen.

Auf der einen Seite steht der börsennotierte Stadtwerke-Konzern MVV mit der Beteiligung am Kohlekraftwerk GKM (Großkraftwerk Mannheim) - auf der anderen Seite ein inhabergeführter Betrieb, dessen Mitarbeiter sich vielfach als Öko-Pioniere begreifen, die mit dem Bau von Windkraftanlagen die Welt besser machen wollen. Mit Juwi würde der MVV ein großer Schritt in Richtung Ausbau der Erneuerbaren Energien gelingen.

Zuletzt hatte der Mannheimer Konzern den Projektentwickler Windwärts aus Hannover aus der Insolvenz gekauft. Mit der Übernahme von Windwärts verfügt die MVV nach eigener Darstellung künftig über ein Alleinstellungsmerkmal auf dem deutschen Energiemarkt. "Wir decken damit auch im Bereich der erneuerbaren Energien die gesamte Wertschöpfungskette von der Projektentwicklung über den Anlagenbetrieb bis zur Stromvermarktung ab", sagte Vorstandschef Georg Müller bei der Windwärts-Übernahme.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 15.10.2014
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