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Geldanlage: Verbraucherschützer sehen das neue „Windkraft-Beteiligungsmodell für Bürger“ der EnBW kritisch

„Risiken tragen die Anleger“

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 22.10.2014

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Roth

Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) will Privatanleger an ihren Windrädern beteiligen.

© dpa

Mannheim. Direkt warnen vor dem neuen Windkraft-Beteiligungsmodell des Energiekonzerns Energie Baden-Württemberg (EnBW) will Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nicht. Aber Anleger sollten sich "der Risiken bewusst sein", sie solch ein Investment mit sich bringt.

Gestern hat die EnBW "eine spezielle Geldanlage einer Konzerntochter vorgestellt, mit der man die Windkraftaktivitäten der EnBW unterstützen und sich die Chance auf eine Rendite von 2,5 Prozent pro Jahr über sieben Jahre sichern kann", wie es in der Werbung heißt.

Man möchte den Bürgern "eine unkomplizierte Möglichkeit geben, am Erfolg der Erneuerbaren Energien teilzuhaben", wird Ingo-Peter Voigt, Leiter Konzernfinanzen in einer Mitteilung zitiert. Die Anlagesummen liegen zwischen 1000 und 10 000 Euro, die Zinsen fließen halbjährlich, im November 2021 erfolgt die Rückzahlung des Anlagebetrags. Das Gesamtvolumen ist auf zwei Millionen Euro gedeckelt.

Wind-Portfolio im Angebot

Die EnBW stellte gestern ihr neues "Windkraft-Beteiligungsmodell für Bürger" vor. Es handelt sich dabei um Beteiligungsmöglichkeiten an 17 Windparks mit einer installierten Leistung von rund 156 Megawatt, die mehrheitlich einer EnBW-Tochter gehören.

Zwei der Windparks liegen in Baden-Württemberg, die übrigen im Saarland, Rheinland-Pfalz, Hesse und Norddeutschland.

Die meisten Parks sind zwischen 2010 und 2012 in Betrieb genommen worden. Bis zum Jahr 2020 will die EnBW ihre Erzeugungskapazitäten von Windenergie an Land auf rund 1000 Megawatt erhöhen.

Im vorletzten Absatz folgen die Risiken. Es handele sich um ein Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt, vergleichbar mit Genussrechten und stillen Beteiligungen. "Damit verbunden ist das Risiko eines Verlusts der Anlage, falls die EnBW-Tochter zahlungsunfähig wird", wird weiter mitgeteilt.

Was Verbraucherschützer Nauhauser aufmerken lässt: Erstens gibt es keinen vom Wirtschaftsprüfer geprüften Verkaufsprospekt. "Es handelt sich um ein Produkt aus dem grauen Kapitalmarkt, nicht um ein Produkt aus dem regulierten Kapitalmarkt." Zweitens habe die beteiligte EnBW-Tochter EnBW Wind Onshore 1 GmbH laut Bundesanzeiger ein Eigenkapital von 25 000 Euro und Verbindlichkeiten von 199 Millionen Euro. EnBW wolle wohl Geld auf Private umschulden, vermutet Nauhauser. "Das Risiko tragen die Anleger."

Was ihm fehlt, sind Antworten auf mehrere Fragen: Wie sieht das Anlagevermögen der Konzerntochter aus, wie ist das Fremdkapital finanziert? Die Einspeisevergütung für die Windanlagen bringe zwar eine Einnahmesicherheit auf der Preisseite, aber weder die abgesetzte Menge Strom noch die Kostenseite sei bekannt. Was bleibt unter dem Strich übrig, fragt Nauhauser. Nicht zuletzt: In der Schlange der Gläubiger müssten sich die Anleger im neuen Beteiligungsmodell ganz hinten anstellen. Und bei einem Eigenkapital von 25 000 Euro sei auch im Notfall wenig zu verteilen, vermutet Nauhauser.

Dass die EnBW in Staatshand ist (sie gehört Baden-Württemberg und Landkreisen im Südwesten) beruhigt den Verbraucherschützer nicht unbedingt. "Ein Totalverlust ist nicht so unwahrscheinlich, wie man glaubt." EnBW habe zuletzt von den Ratingagenturen schlechtere Noten bekommen, der Aktienkurs sei in den letzten Jahren rückläufig gewesen und Dividende gab es zuletzt auch weniger.

Wenn Anleger der EnBW Geld leihen wollten, empfiehlt Nauhauser Anleihen der Muttergesellschaft zu kaufen. Hier gibt es zwischen 1,5 und 1,8 Prozent Zinsen, bei nachrangigen Anleihen bis zu 3,6 Prozent. Noch ein Vorteil: Diese Anleihen könnten an der Börse jederzeit verkauft werden.

Das jetzt vorgestellte Angebot sieht die EnBW dagegen als Akzeptanztest. Werde das Angebot gut angenommen, könne es ausgebaut werden, kündigt der Konzern an. Beim Mannheimer Energieversorger MVV wird das EnBW-Angebot für die Privatanleger eher kritisch gesehen: "Die MVV bietet Beteiligungsmöglichkeiten in dieser Form nicht an. Sie stellen aus unserer Sicht gegenwärtig weder für den Privatanleger eine attraktive Geldanlage noch für den Windparkbetreiber ein günstiges Finanzierungsinstrument dar", sagte ein Sprecher.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 22.10.2014
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