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Justiz: Plädoyers im Fall des geständigen Anlagebetrügers Ulrich Engler vor dem Mannheimer Landgericht

Strafe für „verkaufte Illusion“

Von unserem Redaktionsmitglied Alexander Jungert

Mannheim. Am 4. März fällt am Mannheimer Landgericht das Urteil gegen Ulrich Engler. Der 51-Jährige aus dem Kreis Biberach hat bereits während des Prozesses gestanden, von den USA aus Anleger um 37 Millionen Dollar (rund 28 Millionen Euro) betrogen zu haben. Staatsanwältin Yvonne Durban fordert acht Jahre und acht Monate Haft, Verteidiger Steffen Lindberg "nicht mehr als acht Jahre und einen Monat".

Als Durban und Lindberg im Saal A der Wirtschaftsstrafkammer ihre Plädoyers verlesen, hört Engler aufmerksam zu. Fast regungslos sitzt er da, in einem schwarzen Pullover und einer blauen Jeans, die Hände gefaltet. Ja, Anlagebetrug gebe es immer wieder, sagt Staatsanwältin Durban. "Aber in diesem Ausmaß ist er schon außergewöhnlich." Die Anklage hatte sich auf die Summe von 37 Millionen Dollar und rund 1300 Opfer beschränkt, um das Verfahren nicht ausufern zu lassen. Das erwartete Urteil wird sich nun auf gut 32 Millionen Dollar bei etwa 1100 Geschädigten beziehen. Einige Anleger haben ihr eingesetztes Geld und Zinsen mittlerweile zurück erhalten.

Über Jahre getäuscht

Durban trägt in ihrem Plädoyer ungeschönt vor, wie sich das Leben von Ulrich Engler in den vergangenen sieben Jahren zugetragen haben muss. Dass er sich als erfolgreicher Investment-Banker ausgegeben hat, als Chefhändler bei einer US-Bank, ohne jemals dafür ausgebildet worden zu sein. Dass er in Amerika auf Kosten anderer ein Leben im Luxus geführt hat: unter anderem in einer Villa in Cape Coral, Florida. Engler habe nicht wie versprochen raffiniert in Aktiengeschäfte investiert, so die Staatsanwältin. Sondern das Geld von Anlegern dazu genutzt, um anderen Anlegern die Rendite zu zahlen. Jahrelang, und bewusst nur mit Menschen aus dem Ausland, um in den USA niemanden so schnell auf seine Fährte zu locken. "Eine hohe kriminelle Energie", sagt Durban. Hinter den Einzelfällen steckten immer auch persönliche Schicksale. Wie das eines Mannes, der durch die trügerische Anlage seine Altersvorsorge verloren habe.

Die Staatsanwältin hebt hervor, dass bis Juli 2012 - bis zur Festnahme in den USA nach fünf Jahren Flucht - von Reue nichts zu spüren gewesen sei. Trotzdem stellt Durban klar: Ohne die Mitarbeit von Engler seit Beginn des Prozesses hätte das Verfahren Jahre gedauert. Schon alleine wegen der unzähligen Zahlungsströme. Engler malte der Staatsanwaltschaft Schaubilder auf, wie seine Vermittler zusammenarbeiteten.

"Mein Mandant hat umfassend die Karten auf den Tisch gelegt", sagt Verteidiger Steffen Lindberg. "Mit so einer Offenheit haben nicht einmal die Beamten des Landeskriminalamtes gerechnet." Englers handgeschriebene Entschuldigungen an seine Opfer füllen mittlerweile einen dicken Ordner. Über 350 Briefe will er schon verschickt haben, weitere 200 seien vorbereitet. Einige geprellte Anleger hätten es seinem Mandanten aber auch leicht gemacht, sagt Lindberg. Und zitiert einen Zeugen: "Wie das so ist - Gier schlägt Hirn." Die versprochene Rendite von bis zu 72 Prozent im Jahr sei eine "verkaufte Illusion" gewesen.

Ulrich Engler wird am Tag der Urteilsverkündung ein paar Worte sprechen. Auf die Haft soll ein bodenständiges Leben folgen, hatte er einmal gesagt. Bald wird Engler wissen, wie lange er sich darauf vorbereiten kann.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 15.02.2013
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