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Beschäftigung: Gewerkschaft kritisiert konzerneigene Zeitarbeitsfirma und geplanten Ausstieg aus dem Tarifvertrag / Unternehmen verweist auf harten Wettbewerb

Streit um Leiharbeit bei Handelskette Globus

Von unserem Redaktionsmitglied Tatjana Schneider

Globus betreibt nach eigenen Angaben 45 SB-Warenhäuser, hier beispielsweise in Ludwigshafen.

©  Rinderspacher

Mannheim. Die Handelskette Globus mit Sitz in St. Wendel (Saarland) sorgt mit ihrem Plan, bundesweit aus dem Tarifvertrag für den Einzelhandel auszusteigen, für Ärger bei Arbeitnehmervertretern. "Das ist ein Affront", sagt Hans Kroha, Handelsexperte bei ver.di Rheinland-Pfalz. Darüber hinaus steht das Unternehmen in der Kritik geraten, weil es Mitarbeiter über eine konzerneigene Zeitarbeitsfirma beschäftigt.

Insgesamt seien von 32 500 Globus-Beschäftigten 1350 bei der 2007 gegründeten Tochterfirma "Globus Personalservice Gesellschaft" angestellt, so das Unternehmen. Das entspreche einem Anteil von rund vier Prozent. An einzelnen Standorten, auch in der Region, ist der Anteil der Leiharbeiter an der Belegschaft aber deutlich höher: In Kaiserslautern soll er bei knapp 40 Prozent liegen. In Hockenheim sind nach Angaben von Stephan Weis-Will, bei ver.di Rhein-Neckar für den Handel zuständig, von 250 Mitarbeitern bis zu 55 als Leiharbeiter beschäftigt.

Für die Betroffenen, die laut Globus vor allem in betriebseigenen Metzgereien, Bäckereien aber auch an der Kasse eingesetzt werden, bedeute das bei gleicher Arbeit deutlich weniger Gehalt, rechnet Weis-Will vor. So erhalte ein nach dem Einzelhandelstarifvertrag bezahlter Mitarbeiter an der Kasse zwischen 12,60 und 15,50 Euro die Stunde. Ein Leiharbeiter bekomme nur zwischen 8 bis 8,50 Euro. Globus selbst beziffert die Stundenlöhne der Leiharbeiter auf 7,50 bis 10,22 Euro. Bezahlt werde nach dem IGZ-Branchentarifvertrag für Zeitarbeiter.

Globus betreibt die Leiharbeitsfirma nach eigenen Angaben, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Hintergrund sei, dass man viele Tätigkeiten im Unternehmen habe, die andere Firmen an - preisgünstige - Drittanbieter ausgelagert hätten. Dazu zähle beispielsweise die Versorgung mit Backwaren. Während sich viele Wettbewerber von Fremdfirmen beliefern lassen würden, betreibe Globus eigene Bäckereien.

"Wenn wir die Mitarbeiter dort alle nach dem Einzelhandelstarifvertrag bezahlen müssten, entstünden uns Nachteile im Wettbewerb", sagt Stefan Britz, stellvertretender Personalleiter des Unternehmens. Denn bei den Fremdfirmen, die die Wettbewerber belieferten, würden die Beschäftigten in der Regel nicht nach dem Einzelhandelstarifvertrag sondern häufig schlechter bezahlt. Um dennoch selbst im Einzelhandelstarifvertrag bleiben zu können, habe Globus 2007 entschieden, einen Teil der Mitarbeiter über die Leiharbeitsfirma zu beschäftigen, so Britz. Nichtsdestotrotz sucht das Unternehmen nun nach eigenen Angaben nach Alternativen zu der konzerneigenen Zeitarbeit. Mittelfristig sei auch eine komplette Auflösung der Gesellschaft denkbar.

"Das ist allerdings nur möglich, wenn wir gleichzeitig bei der Bezahlung unserer direkt Beschäftigten flexibler werden und die Löhne für einzelne Bereiche anders gestalten können", sagt Britz. Dazu könnte zum Beispiel eben gehören, dass Mitarbeiter in den hauseigenen Bäckereien künftig nicht mehr nach dem Einzelhandelstarifvertrag bezahlt würden - aus dem das Unternehmen komplett aussteigen will. Laut Britz plant man mit dem Schritt aber nicht, automatisch die Bezahlung aller Mitarbeiter zu verschlechtern. "Wir wollen weiterhin gute Arbeitsbedingungen für unsere Belegschaft - schon allein, weil wir qualifizierte Mitarbeiter brauchen und weiter ein attraktiver Arbeitgeber bleiben wollen."

Ver.di-Vertreter Weis-Will hat hingegen Bedenken. In Baden-Württemberg ist die Handelskette bereits seit 2011 nicht mehr tarifgebunden. Am Standort Hockenheim gebe es dadurch seither eine Art Drei-Klassen-Belegschaft: Mitarbeiter, die zum Zeitpunkt des Ausstiegs schon bei dem Unternehmen beschäftigt waren, erhielten zwar nach wie vor alle tariflichen Leistungen.

Beschäftigte, die später eingestellt wurden, müssten hingegen teilweise auf Zuschläge verzichten, außerdem gelte für sie die 40-Stunden-Woche. Dazu kämen schließlich noch die in Hockenheim eingesetzten Leiharbeiter mit ihren niedrigeren Löhnen.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 09.03.2013
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