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Serie „Kinderbetreuung in Unternehmen“: Die Hardheimer Firma Reum betreibt seit 26 Jahren einen Betriebskindergarten

Trendsetter aus dem Odenwald

Von unserem Redaktionsmitglied Isabell Boger

Für Mitarbeiterkinder ist die Betreuung im Betriebskindergarten der Hardheimer Firma Reum kostenlos - und das seit 26 Jahren.

© Boger

Hardheim. "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" - was heute wie eine Floskel klingt, war 1987 eine Innovation. Vor allem auf dem Land, im beschaulichen Hardheim im fränkischen Odenwald. Aber genau dort, beim Autozulieferer Reum, wurde vor 26 Jahren einer der ersten Betriebskindergärten Baden-Württembergs gegründet.

Ins Leben gerufen wurde er von der damaligen Firmenchefin Petra Reum-Mühling. "Sie hatte zu dieser Zeit selbst drei kleine Kinder und kannte die Probleme berufstätiger Mütter", blickt die leitende Kindergärtnerin Katja Taube auf die Gründung zurück.

Taube arbeitet schon seit 1995 in der Einrichtung und ist damit selbst eine Art Institution. "Absolut integriert" nennt sie den Betriebskindergarten mit einer Gruppe und erzählt von "erwachsenen Kindergartenkindern", die mittlerweile selbst bei Reum arbeiten, vom Ständchen für den Firmenchef und von der Weihnachts-Tombola der Kunststoffspritzerei, deren Erlös für neue Kinderstühle gespendet wurde.

Die Firma Reum ist auf die Entwicklung und Fertigung von hochwertigen Metall- und Kunststoffkomponenten für die Automobil- und Hausgeräte-Industrie spezialisiert.

Neben Hardheim hat die Firma Standorte in Calw und Trusetal.

Seit 1997 bietet Reum in vier Ferienwochen eine Schulkinderbetreuung für jeweils zehn Reum-Mitarbeiterkinder an. Auch hierbei werden mit Hilfe der Auszubildenden technische Fähigkeiten vermittelt.

Reum wurde unter anderem mit dem 1. Platz beim Bundeswettbewerb "Der familienfreundliche Betrieb" (1993) und dem Karl-Kübel-Preis "Familie und Arbeit" (1995) ausgezeichnet. Petra Reum-Mühling war 1990 "Unternehmerin des Jahres".

42 Stunden hat der Kindergarten jede Woche geöffnet, die Bring- und Abholzeiten können relativ flexibel gestaltet werden - zu Gründungszeiten mehr als ungewöhnlich. Maximal zwölf Kinder finden in der Gruppe Platz. Trotz der rund 650 Mitarbeiter, die am Standort Hardheim arbeiten, und einer Frauenquote von über 55 Prozent komme man mit dem Kontingent gut zurecht.

"Natürlich gibt es manchmal eine kleine Warteliste, in manchen Jahren haben wir aber auch zu wenig interne Interessenten", erzählt Taube. Diese Plätze lasse man dann nicht unbesetzt, sondern nehme Kinder Nichtbetriebsangehöriger auf. "Für die Eltern, die bei Reum arbeiten, sind die an die Produktion angepassten Öffnungszeiten (ab 6.45 Uhr) und die direkte Nähe zum Arbeitsplatz eine wahre Erleichterung", sagt eine, die es wissen muss: Carolin Kern, vonseiten der Personalleitung für den Kindergarten zuständig und selbst Mutter von drei Kindern.

Eher als "Bonbon" bezeichnet sie, was Außenstehende wohl am meisten beeindruckt: Dass Mitarbeiter für die Betreuung ihrer Kinder keinen Cent zahlen. Die Kosten übernimmt die Firma Reum. Der Automobilzulieferer, der seit 2011 ein Unternehmen der H.T.P. Automotive GmbH ist, fungiert auch als Träger der Einrichtung.

Beides war von Anfang an so und unterstreicht den Stellenwert, den der Kindergarten in der Hardheimer Firma einnimmt. "Mit seiner Gründung wollte man ja auch erreichen, dass die Kinder die Firma und die Arbeit ihrer Eltern positiv wahrnehmen", sagt Kern. Der heutige Geschäftsführer Helmut Hinkel und Werkleiter Robert Rey sehen das ähnlich: "Das trägt zur Bindung an die Firma bei. Und es wird immer wichtiger, rechtzeitig Nachwuchswerbung zu betreiben."

Das wird verstärkt dienstags getan: Da erhalten die Kinder, die mindestens zwei Jahre und neun Monate alt sind, Technikunterricht von einem Auszubildenden der Firma Reum. So sollen sie spielerisch an dieses Aufgabenfeld herangeführt werden. "Das macht beiden Seiten sichtlich Spaß", erzählt die Kindergärtnerin. Für die Lehrlinge sei es toll, endlich mal anderen etwas beibringen zu können. Ins Leben gerufen wurde dieses Projekt übrigens noch von der ehemaligen Firmeninhaberin. "Sie wollte dem Trend entgegenwirken, dass immer weniger Jugendliche einen technischen Beruf lernen wollen", erinnert sich Kern.

Fast jedes Zeitmodell möglich

Sehr froh sei man, dass sich die neue Unternehmensführung genauso familienfreundlich zeigt wie die alte. "Hier wird fast jedes Arbeitszeitmodell ermöglicht", sagt Kern, die aktuell selbst nur einen Tag der Woche arbeitet. Zusammen mit Kindergarten und Ferienbetreuung für Schulkinder seien das die besten Voraussetzungen, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Unter diesen Voraussetzungen tun die Eltern auch selbst etwas für den Kindergarten: Pünktlich zum 25-jährigen Bestehen renovierten sie die Räumlichkeiten sowie den betriebseigenen Spielplatz - die notwendigen Materialien stellte Reum. Wahrlich eine integrierte Einrichtung!

© Mannheimer Morgen, Samstag, 09.02.2013
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