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Rückblick Wirtschaft: Bei zahlreichen Unternehmen der Region brechen Aufträge weg / Gewerkschaften sorgen sich um Arbeitsplätze und komplette Standorte

Der Preis der Energiewende

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 31.12.2015

Von unseren Redaktionsmitgliedern B. Eschbacher A. Jungert und M. Kros

Nachhaltig sollte die Energiewende sein, vorbildhaft für die ganze Welt, laut Bundesregierung ein Jobmotor für die Wirtschaft. Stattdessen müssen immer mehr Menschen um ihren Job kämpfen - auch in der Region.

Dunkle Wolken ziehen auf. Für viele Branchen ist die Energiewende bisher eher Fluch als Segen.

© dpa

Rhein-Neckar. Nachhaltig sollte die Energiewende sein, vorbildhaft für die ganze Welt, laut Bundesregierung ein Jobmotor für die Wirtschaft. Stattdessen müssen immer mehr Menschen um ihren Job kämpfen - auch in der Region.

Siemens

Konzernchef Joe Kaeser rechtfertigt seinen Sparkurs bei Siemens mit der Energiewende. Allein in Deutschland stehen insgesamt mehr als 5000 Jobs auf der Streichliste. Anfang Juni organisieren Betriebsrat und Gewerkschaft eine Flugblattaktion in Mannheim. Sie kritisieren den "Margenwahn" der Konzernspitze. Der Service- und Vertriebsstandort Mannheim mit rund 1000 Mitarbeitern kommt in der Sparrunde noch glimpflich davon, nur vereinzelt fallen Jobs weg. Bereits im Jahr zuvor aber verliert Mannheim das Kompetenzzentrum Dampfkraftwerke mit 70 Mitarbeitern. Kohlekraftwerke werden wegen der Energiewende nicht mehr gebaut. Betriebsbedingte Kündigungen gibt es aber nicht, davor sind die Mitarbeiter bei Siemens geschützt.

ABB

Für ABB kommt die Energiewende zu schleppend voran. "Es besteht das Risiko, auf halber Strecke stehenzubleiben", sagt Hans-Georg Krabbe, Chef der deutschen Landesgesellschaft, Ende März bei der Jahrespressekonferenz in Mannheim. In der Bilanz hinterlässt das Spuren. Doch das ist nicht das einzige Problem mit der Energie: Der schwache Ölpreis setzt den Ausrüstern der Förderbranche zu. Wegen der schwindenden Einnahmen drosseln die Ölförderfirmen ihre Ausgaben für neue Technik, die Unternehmen wie ABB liefern. Konzernchef Ulrich Spiesshofer kündigt Anfang September an, noch mehr sparen zu wollen als bisher geplant. Auch Arbeitsplätze könnten wegfallen. Die Folgen für die Region, hier arbeiten rund 4200 Menschen für ABB, sind unklar.

Alstom

Am größten sind die Veränderungen wohl bei Alstom in Mannheim. Der Standort gehört seit Anfang November dem amerikanischen General Electric-Konzern (GE). Die rund 1800 Mitarbeiter sind allerdings schon krisenerprobt. Das Werk, in dem unter anderem Turbinen für Kraftwerke gebaut werden, stand schon in der Vergangenheit mehrfach auf der Kippe. Weil kaum noch neue Kraftwerke gebaut werden, sind Aufträge Mangelware, seit Oktober gibt es in der Produktion Kurzarbeit. Wie es weitergeht, ist kaum absehbar. Vor allem für die Gasturbinen sieht es schlecht aus. Die will GE künftig nur noch in Frankreich bauen. Gehofft wird in Mannheim auf die Dampfturbinen. Im neuen Jahr dürfte es auf jeden Fall unruhig weitergehen.

Caterpillar

Anfang des Jahres überrascht der US-Konzern Caterpillar mit schlechten Nachrichten für das Mannheimer Werk. Weil die Energieerzeuger in Deutschland keine Investitionssicherheit besäßen, habe das Unternehmen die eigenen Ziele verfehlt, heißt es. Die Folge ist Kurzarbeit für weite Teile des Standortes, die noch mindestens bis Ende März 2016 gilt. Caterpillar baut in Mannheim unter der Marke MWM Anlagen, die aus Erd-, Gruben- oder Biogas Energie erzeugen. Investoren sind aber offensichtlich verunsichert, auch wegen der anhaltenden Diskussionen um die künftige Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung. Auch jetzt spricht Caterpillar noch von einem "schwachen Marktumfeld", die Auftragslage bessert sich aber in jüngster Zeit.

Bilfinger

Eine Ertragsperle wird zum Verlustbringer: Die Energiesparte Power des Mannheimer Service- und Baukonzerns Bilfinger macht jahrelang mit 11 000 Mitarbeitern gute Geschäfte bei der Wartung von konventionellen Kraftwerken. Nach der Energiewende bleiben jedoch die Aufträge der Versorger aus. Die Folge: operative Verluste, Stellenabbau und hohe Abschreibungen. Mehrfach muss Bilfinger Gewinnwarnungen herausgeben, was wiederum zu einem Sinkflug der Aktie und Vertrauensverlust an der Börse führt. Rund eine halbe Milliarde Euro Verlust dürfte Bilfinger 2015 schreiben. Der neue Vorstandschef Per Utnegaard beschließt wenige Tage nach seinem Amtsantritt im Sommer die Trennung von Power - bis 2016 soll ein Käufer gefunden sein.

Halberg

Anfang September ist beim Pumpenbauer Halberg plötzlich nichts mehr so, wie es einmal war. Der Mutterkonzern Flowserve aus den USA gibt bekannt, den Standort mit 250 Mitarbeitern bis Ende 2016 dicht machen zu wollen. Die Begründung: Wegen der Energiewende sei die Nachfrage nach Pumpen für Atomkraftwerke quasi nicht mehr existent. Betriebsrat und IG Metall sind empört und verweisen auf das breite Portfolio des Unternehmens. Sie erarbeiten ein alternatives Konzept, organisieren Proteste vor dem Werkstor. Doch es nützt nichts. Nach 134 Jahren Firmengeschichte ist das Ende von Halberg Ludwigshafen besiegelt. Die 250 Mitarbeiter werden noch im nächsten Jahr beschäftigt - und können dann in eine Transfergesellschaft wechseln.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 31.12.2015
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