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Einzelhandel: Kritik an mangelnder Abstimmung bei Verkehrsprojekten / Erstmals schwarze Zahlen im Online-Geschäft

Engelhorn hadert mit der Verkehrspolitik

Archiv-Artikel vom Samstag, den 26.03.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Roth

Engelhorn ist der Platzhirsch in Mannheim. Zwei Drittel der Kunden kommen von außerhalb der Stadt.

©  Prosswitz/Rinderspacher
© Prosswitz

Mannheim. Drei Wünsche seiner Kunden kann Fabian Engelhorn (Bild oben), Chef des gleichnamigen Mannheimer Modehauses, kaum erfüllen. "Unsere Kunden wollen vor allem schneller in die Stadt kommen, dort leichter einen Parkplatz finden und breitere Parkplätze", zitierte er bei einer Veranstaltung des Clubs der Kurpfälzischen Wirtschaftsjournalisten aus Kundenbefragungen. Zwei Drittel seiner Kunden kommen von außerhalb der Stadt.

Wenn Engelhorn an den Abriss der Hochstraße in Ludwigshafen oder künftige große Autobahnbaustellen rund um Mannheim denkt, dann legt sich seine Stirn in Falten. "Das gibt eine Vollkatastrophe", fürchtet er. Schon als vor wenigen Wochen eine Rheinbrücke aus Richtung Ludwigshafen gesperrt war, habe das der Mannheimer Einzelhandel mit Umsatzeinbußen gespürt. Die nächsten zehn Jahre werden hart, auf jeden Fall werde auch eine dritte Rheinbrücke gebraucht. Engelhorns Cousin, Andreas Hilgenstock (Bild unten), der ebenfalls in der Geschäftsführung ist, weist noch auf den Umbau der Planken in der Innenstadt hin, der drei Jahre dauern soll und den Radwegebau in der Bismarckstraße, einer Mannheimer Hauptverkehrsader, die schmaler wird.

Lebensraum wird zerschnitten

Die Engelhorn-Chronik

  • 1890: Georg Engelhorn und Adam Sturm gründen in Mannheim ein Geschäft für Herren- und Knaben-Konfektions-Kleidung.
  • 1904: Nach Sturms Tod führt Engelhorn die Geschäfte alleine - der Name Engelhorn&Sturm wird wegen seiner großen Bekanntheit aber bis in die 1990er beibehalten.
  • 1918: Mit Rudolf Engelhorn und seinem Bruder Georg tritt die zweite Generation in die Firma ein.
  • 1945: Das Geschäftshaus wird im Krieg zerstört. Auch durch die Hilfe der Belegschaft kann bald wieder verkauft werden.
  • 1968: Mit Richard, Hans und Peter Engelhorn kommt die dritte Generation ins Unternehmen.
  • 1981: Ein Sporthaus wird eröffnet, 1984 folgt das Strumpfhaus.
  • 2003: Fabian Engelhorn und Andreas Hilgenstock treten in die Firma ein. Simon Engelhorn ist seit 2012 in der Geschäftsführung.

Zwischen der Stadt Mannheim und dem Umland, "sind neue Mauern in den Köpfen entstanden, die Kommunikation ist nicht abgestimmt". Engelhorn kritisiert die Salamitaktik in der Kommunikation von Verkehrsprojekten. Rhein-Neckar sei keine Metropole, sondern eine Metropolregion. Und die Metropolregion müsse wieder mehr im Geiste ihres Gründers, dem früheren BASF-Aufsichtsratschef Eggert Voscherau, denken. Doch derzeit baue jeder sein eigenes Kartenhaus, die Zusammenarbeit sei schlecht, "wir fangen an, den Lebensraum zu zerschneiden", sagt Engelhorn. "Und wenn jemand eine Stunde im Stau steht, dann hat er keine Lust mehr einkaufen zu gehen", ergänzt Hilgenstock.

Um Kunden trotz der schlechten Verkehrsaussichten auch künftig in die Stadt zu locken, "wollen wir Erlebnisse schaffen, über die man spricht und die Kunden weiterempfehlen", erklärt Engelhorn die Strategie. Dazu zähle die Gastronomie mit mehreren Restaurants vom Dachgarten (einfach, preisgünstig) bis zum Sternelokal Opus V. In Mannheim müsse alles etwas größer sein, damit auch Menschen aus der Region Platz haben, sagt Hilgenstock und nennt das Nationaltheater, die Reiss-Engelhorn-Museen (die Familien Engelhorn sind nur sehr weitläufig verwandt) oder das eigene Haus mit Ausstellungen und Lesungen. "Wir sind die verlängerte Bühne der Stadt", so Hilgenstock. Das funktioniere aber nur, wenn man bequem erreichbar sei. "Was nicht bequem ist, lehnt der Kunde ab."

Zusätzlich zum Erlebnis sollen in Zukunft neue Angebote kommen. "Wir denken an neue Sortimente", so Engelhorn, verrät aber keine Details. Auch mit dem Online-Geschäft und Sportartikeln habe man klein angefangen, heute seien das tragende Umsatzsäulen. Dabei geht es ihm auch immer darum, Neues selbst zu probieren, um zu sehen wie es Kunden anspreche. "Wir tasten uns heran und machen auch Fehler lieber selbst, dann haben wir anschließend auch alles im Griff".

Mit dem Online-Geschäft schreibt Engelhorn im laufenden Geschäftsjahr zum ersten Mal schwarze Zahlen. Von den 190 Millionen Euro Umsatz entfallen rund 20 Prozent auf den Handel im Netz. Im Online-Geschäft sei Engelhorn sogar "einen Tick" schneller gewachsen als die gesamte Textilbranche in Deutschland.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 26.03.2016
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