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Mobbing: Eine Therapeutin und ein Jurist geben Tipps, wie sich Arbeitnehmer gegen Schikane zur Wehr setzen können

„Es ist wichtig, Grenzen zu ziehen“

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 26.05.2015

Von unserem Redaktionsmitglied Cassandra Lajko

Wenn die Kollegen einen am Arbeitsplatz nicht in Ruhe lassen, wie auf diesem Symbolbild, sollte man sich wehren, raten Experten.

© dpa

Mannheim. Wenn der Gang zur Arbeit zur Qual wird, weil Vorgesetzte oder Kollegen nur noch schikanieren, taucht schnell das Wort Mobbing auf. Dabei ist der Psychoterror am Arbeitsplatz rechtlich gar nicht so einfach zu definieren. "Mobbing ist ein Modebegriff", sagt Professor Philipp Fischinger, Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht und Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität Mannheim. Aus juristischer Sicht handele es sich um eine Persönlichkeitsverletzung, die zum Anspruch auf Schmerzensgeld führen könne. Allerdings: "Mobbing ist kein einzelner Vorgang. Es sind viele kleine Nadelstiche, winzige Traumata, die sich aufeinanderhäufen" - über Monate hinweg.

Ingrid Sälzler arbeitet in ihrer Mannheimer Praxis mit Menschen in Mobbingsituationen. Für einige Konfliktsituationen, die sich bei ständiger Wiederholung zu Mobbing entwickeln können, gibt die Diplom-Sozialpädagogin und ausgebildete Psychotherapeutin ein paar grundsätzliche Verhaltens-Tipps.

Ausgrenzung: Kollegen sprechen nicht mehr mit einer Person, laden nicht mehr zur gemeinsamen Pause ein. Wenn das zum Dauerzustand werde, "riecht das stark nach Mobbing", sagt Sälzler. Ihre Empfehlung: Unbedingt die Kollegen auf ihr Verhalten ansprechen und nach dem Grund fragen. "Aber ohne Schuldzuweisung, sondern mit einer Ich-Botschaft", erklärt die Therapeutin. Statt "ihr schließt mich aus" also lieber "ich beobachte, dass ihr mich meidet, aber mir wäre eine gemeinsame Pause wichtig". Blocken die Kollegen ab, habe man kaum eine andere Chance, als sich zur Kompensation andere Kollegen für soziale Kontakte bei der Arbeit zu suchen.

Kritik: Vom Vorgesetzten oder von deutlich erfahreneren Kollegen kommt häufig ungerechtfertigte Kritik. "Keine gute Strategie ist, zu glauben, dass sich das Problem über Anpassung lösen lässt", sagt Sälzler. Darauf hofften ihrer Erfahrung nach viele, aber das funktioniere nie. Besser sei es, dem Vorgesetzten beispielsweise Offenheit für Kritik zu signalisieren, aber auch klar zu stellen, dass eine Weiterentwicklung nur mit konstruktiven Anmerkungen möglich sei. Trotz Angst vor eventuellen Konsequenzen durch das Hierarchiegefälle müsse man hier einfach nachfragen. Die Therapeutin sagt aber auch, dass besonders bei einem Neuanfang in einem Team oder Unternehmen "ein gewisses Maß an Einordnung" wichtig sei. Studien hätten gezeigt, dass Mobbing besonders oft in den ersten sechs Monaten in einem neuen Job vorkomme. "Man sollte nicht gleich alles besser wissen oder kritisieren, sondern auch das würdigen, was man bereits antrifft", rät die Therapeutin.

Persönliche Angriffe: "Hier ist es wirklich wichtig, Grenzen zu setzen", erklärt die Mobbingberaterin. Ein klares Nein oder Unterstützung vom Chef sei angebracht. Trotzdem sollten Betroffene versuchen, sich mit Vorwürfen zurückzuhalten und nicht zu emotional zu werden. Doch selbst das sei kein Beinbruch: "Man kann ja später noch einmal in Ruhe darüber sprechen", sagt Sälzler. Generell gebe es Menschen, die erst mal so überfahren seien, dass sie nicht direkt reagieren könnten. Sie sollten das Thema zu einem späteren Zeitpunkt aber unbedingt ansprechen, rät Sälzler.

Unterstützung: Alles kommt zusammen, der schikanierte Arbeitnehmer quält sich nur noch zur Arbeit. "Dann sind wir schon mittendrin in einer Mobbingsituation", sagt Sälzler. Wichtig sei hier, sich professionelle Hilfe zu holen, sich von Betriebsrat, Rechtsanwalt oder einem Therapeuten helfen zu lassen. "Familie und Freunde sind damit in der Regel überfordert", sagt die Mobbingberaterin. Psychoterror am Arbeitsplatz gleiche einer traumatischen Erfahrung und müsse daher auch im Nachhinein unbedingt aufgearbeitet werden.

Rechtliche Schritte: Gemobbte Arbeitnehmer können einen Unterlassungsanspruch geltend machen, erklärt Fischinger. Bedeutet: Der Arbeitgeber muss aufhören, gegen seinen Angestellten zu hetzen, oder dafür sorgen, dass Kollegen den Betroffenen nicht mehr hänseln. Bei Verdienstausfall wegen einer Erkrankung durch Mobbing könne der Betroffene Schadenersatz oder wegen Persönlichkeitsverletzung Schmerzensgeld verlangen. Das Problem: "Das Opfer muss beweisen, dass es gemobbt wurde" - dass es also über längere Zeit viele Konfliktsituationen gegeben hat. "In der Theorie sind Opfer nach deutscher Rechtslage sehr gut geschützt", sagt Fischinger. "In der Praxis nicht."

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 26.05.2015
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