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Interview mit DGB-Chef: DGB-Chef Reiner Hoffmann diskutiert heute in Walldorf über die Arbeit der Zukunft / Für SAP strebt er mittelfristig einen Tarifvertrag an

Hoffmann: „Uber soll Rolle als Arbeitgeber anerkennen“

Archiv-Artikel vom Freitag, den 11.03.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Matthias Kros

DGB-Chef Reiner Hoffmann steht der Kommission "Arbeit der Zukunft" vor. Im Frühjahr 2017 sollen erste Ergebnisse vorliegen.

© DGB

Mannheim. Reiner Hoffmann, Chef des DGB und der Kommission Arbeit der Zukunft, kommt heute zur SAP nach Walldorf, um die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt zu diskutieren. Als Treiber der Veränderung sieht er vor allem die Digitalisierung.

Welche Herausforderungen bringt die Arbeit der Zukunft?

Reiner Hoffmann: Die Arbeitswelt verändert sich rasant, besonders durch die Digitalisierung, mit der ganz neue Geschäftsmodelle einhergehen. Dienstleistungen können jederzeit und an jedem Ort übers Internet vermittelt und erbracht werden. Das bringt für die Kunden vielleicht interessante Perspektiven, hat aber auch weitreichende Folgen für die Arbeitnehmer.

Reiner Hoffmann

Reiner Hoffmann ist seit Mai 2014 Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Er ist Mitglied der SPD und der IG BCE und sitzt im Aufsichtsrat der Bayer AG in Leverkusen.

Hoffmann leitet daneben die Kommission "Arbeit der Zukunft", die bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung angesiedelt ist. Sie hat vier Herausforderungen ausgemacht: Alterung, Feminisierung, Digitalisierung und Wertewandel.

Im Frühjahr 2017 veröffentlicht sie ihren Abschlussbericht, der Impulse für die Debatten in Politik, Gewerkschaften und Unternehmen geben soll.

Inwiefern?

Hoffmann: Zum Beispiel, weil sich Internetplattformen wie Airbnb oder Helpling schlichtweg weigern, ihre Rolle als Arbeitgeber anzuerkennen. Oder nehmen Sie Uber, der online Fahrdienstleistungen vermittelt, bei denen Privatleute im eigenen Auto als Fahrer unterwegs sind. Uber kassiert 20 Prozent ihrer Einnahmen und schreibt Fahrtarife vor. Das ist also ein klares Abhängigkeitsverhältnis, trotzdem sieht sich Uber als reiner Vermittler und die Fahrer als selbstständige Unternehmer.

Was fordern Sie?

Hoffmann: Wir brauchen neue, klare Regeln. Der Gesetzgeber sollte klären, wer in der neuen Arbeitswelt überhaupt Arbeitgeber ist und damit Sozialabgaben leisten muss.

Bringt die Zukunft den Beschäftigten also hauptsächlich Nachteile?

Hoffmann: Ich denke, wir sollten die Chancen nutzen, ohne naiv zu sein. Wenn sich die Arbeitswelt so rasant verändert, dann darf es bei den Arbeitnehmerrechten keinen Stillstand geben.

Die Bundesregierung tut sich aber schon bei neuen Regeln für Leiharbeit und Werkverträge schwer.

Hoffmann: Hier muss sie endlich ernstmachen. Vor allem wenn sie für Lohndumping genutzt werden. Es gibt heute Betriebe mit Leiharbeitsquoten von 40 Prozent und mehr. Das hat nichts mehr mit dem Ausgleich von Auftragsspitzen zu tun.

Dennoch liegt ein Gesetzesentwurf von Ministerin Nahles auf Eis, weil er angeblich Jobs gefährdet...

Hoffmann: Der Wirtschaft geht es nur darum, sich rechtliche Grauzonen zu bewahren. Die Gesetzesänderung wurde im Koalitionsvertrag versprochen und muss kommen. Die Union darf sich nicht länger dem Druck der Wirtschaft beugen.

Reicht Ihnen Nahles Gesetzesentwurf überhaupt aus?

Hoffmann: Von uns stammt er jedenfalls nicht. Er ist das Mindeste, was jetzt getan werden muss, wird aber den Missbrauch von Werkverträgen nicht komplett stoppen. Betriebsräte bräuchten beispielsweise nicht nur - wie vorgesehen - ein Informationsrecht, sondern müssten mitbestimmen können.

Sie sind heute bei SAP zu Gast, wo Gewerkschaften traditionell wenig zu sagen haben...

Hoffmann: Sie haben hier eine ganz besondere Unternehmenskultur mit 80 Prozent Akademikern. Man lernt gerade erst die Vorzüge von Betriebsratsarbeit zu nutzen. Auf der anderen Seite müssen die Gewerkschaften lernen, dass wir eine wesentlich differenziertere Arbeitnehmerschaft haben. Dafür müssen wir mehr Beteiligungsmöglichkeiten für die Beschäftigten bieten.

Streben Sie bei SAP einen Tarifvertrag an?

Hoffmann: Mittelfristig ist die Tarifbindung bei SAP sicher eine vernünftige Zielsetzung, denn sie macht die Einkommen und auch die Teilhabe am Erfolg sicherer. Voraussetzung ist aber, dass die Gewerkschaften in der Belegschaft mehr Akzeptanz haben. Dafür werben wir.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 11.03.2016
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